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Pistenkuh · Sabine und Burkhard Koch

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Entwicklungshilfe

Irgendwann platzt einem der Kragen, wenn man täglich mit ansehen muss, wie unser Steuergeld und Spendengelder in großem Stil in Afrika verschleudert werden. Das geht wohl jedem Reisenden so, der länger als die üblichen vier Wochen in Afrika unterwegs ist. Aber was kann man dagegen tun? Politisch aktiv werden. Sich einmischen. Aber erst mal schreibe ich ein paar meiner Erlebnisse der letzten Jahre, damit ihr meinen Frust besser verstehen könnt. Eine Möglichkeit, sich einzumischen steht am Ende des Artikels.

Entwicklungshilfe - Definition

Unter Entwicklungshilfe versteht man die Hilfe, die von den Industriestaaten den Entwicklungsländern, der so genannten Dritten Welt, gewährt wird. Wirtschaftsspezifisch ausgedrückt umfasst der Begriff den Nettozufluss an offizieller Entwicklungshilfe, der von Staaten, internationalen Behörden und öffentlichen Institutionen der Industrienationen gewährt wird. Auch die materielle und technische Hilfe, die von Nicht-Regierungsorganisationen und Wohlfahrtsverbänden für Länder und Völker in Not besonders als Sofort- und Katastrophenhilfe geleistet wird, zählt zur Entwicklungshilfe.

Vorwort zur Recherche

Bevor man mir vorwirft, ich hätte schlecht recherchiert, sage ich von vorn herein, dass ich überhaupt nicht recherchiert habe, sondern nur gelegentlich die Äußerungen von Gesprächspartnern und genannte Zahlen im Internet auf Glaubwürdigkeit überprüft habe. Eine richtige Recherche ist für einen Laien fast unmöglich, da fast alle Hilfsorganisationen es ihren Mitarbeitern vertraglich verbieten, sich negativ zu Projekten zu äußern. Projekte, die völlig gescheitert sind, werden dennoch als erfolgreiches Projekt an die Ministerien gemeldet. Nur unter der Hand erfährt man die Gründe des Scheiterns, denn niemand will seinen Job oder Geldmittel riskieren und folglich will niemand seinen Namen im Zusammenhang mit einem gescheiterten Projekt sehen. Teilweise kann ich noch nicht mal die Informationsquelle nennen, denn würde ich z.B. schreiben "der Regierungsberater der Weltbank in Kamerun" wäre klar, wer die Geschichte ausgeplaudert hat. Insgesamt könnte ich ein kleines Büchlein mit fehlgeleiteter Entwicklungshilfe schreiben.

Nun kann man mir natürlich vorwerfen, dass es sich hier um eine Aneinanderreihung von Einzelfällen handelt, welche ein verfälschtes Bild der tatsächlichen Lage wiederspiegelt. Ja, das ist so, aber ich kenne keinen einzigen Fall (abgesehen von Tiefbrunnen für sauberes Trinkwasser), wo Entwicklungshilfe nachhaltig etwas bewirkt hat, obwohl ich seit Marokko danach suche. Nachhaltigkeit definiere ich wie folgt:

Ein Projekt (Schule, Krankenhaus, Plantage, Hotel etc.), das mit Entwicklungshilfe aufgebaut und vollständig an ein lokales Management übergeben wurde und danach mindestens 2 Jahre auf dem Level der Übergabe funktionierte.

Nun frage ich mich, wie kann es sein, dass ich kein solches Projekt finde, obwohl laut Statistik nur 30 % der Projekte den Zweck nicht erfüllen. Kann es sein, dass die offiziellen Statistiken ein verfälschtes Bild der tatsächlichen Situation wiedergeben?

Für die Vielzahl der Proteste, verwendet bitte folgende Email-Adresse: thema@pistenkuh.de

Give me my money

Gleich hinter der Grenze geht es los: "Muzungu, Muzungu, give me my money." Vom Drei- bis zum Siebzigjährigen bettelt jeder. Hilfsorganisationen verteilen großherzig die in Europa eingesammelten Spenden oder Steuergelder und man muss aufpassen, dass man nicht von einem der neuen weißen Toyotas mit Aufklebern an der Türe wie US-AID, UNICEF, World-Vision, GTZ, WFP, Caritas, Ärzte ohne Grenzen, etc., überfahren wird.
Am Straßenrand überall Schilder: "48 km road donated by EU" "Bright project financed by Germany" "Sponsored by Japan" "Sweden-Development-Project".
Und in der Zeitung liest man, dass der Präsident die Beziehungen zu den G20-Staaten intensivieren will. Vorrangiges Regierungsziel ist es, dass die extra Hilfen, die letztes Jahr wegen des gestiegenen Ölpreises und gestiegener Nahrungsmittelpreise gewährt wurden, auch dieses Jahr gezahlt werden, obwohl Öl- und Nahrungsmittelpreise auf ein normales Niveau gefallen sind. "Muzungu, Muzungu, give me my money", hört man also auf allen Ebenen, nur eben diplomatisch verfeinert.

Eliten Income Develop Programme

Europäisches und deutsches Steuergeld wird z.B. eingesetzt, um die Einkommen der Farmer zu steigern. Das groß angelegte Projekt zieht sich durchs ganze Land und man hat den Eindruck, der Erfolg ist reziprok zum eingesetzten Geld. Wohin das Geld verschwindet, kann man in den edlen Hotels der Hauptstadt sehen. Jedes zweite Auto auf dem Parkplatz trägt einen der bekannten Aufkleber, im Foyer des Sani-Hotels weisen Hinweistafeln den Weg. "Caritas: Malaria - Meeting Raum 102", "UNICEF: Abuse Children - Meeting Raum 105", US-AID: Women Develop Project - Workshop Raum 107"
Ich bin dreist und frage an der Rezeption, ob ich mal einen Blick in den Belegungsplan der Konferenzräume werfen darf. Jeden Tag drei verschiedene Organisationen mit Meetings oder Workshops. Und von Insidern erfahren wir, mit Meetings macht man das große Geschäft. Die Hotelpreise und Restaurantpreise liegen in den Hauptstädten von Entwicklungsländern, in denen viele internationale Hilfsorganisationen tätig sind, am oberen Rand.
Wir erfahren, dass zu einem Meeting in der Regel eine Hotelübernachtung (150-200 US-Dollar), Frühstück, Mittag- und Abendessen und alkoholfreie Getränke gehören. Aha, daher der viele Verkehr mit Servierwagen.
Des Weiteren erhalten die Teilnehmer von Workshops und Meetings in der Regel ein Tagesgeld von mindestens 35 Euro (DED und GTZ zahlen weniger). Zum Vergleich: ein Bankangestellter verdient etwa vier Euro am Tag, ein Helfer auf dem Bau einen Euro.
Dadurch ergeben sich recht kuriose Dinge, zum Beispiel dass ein Verwaltungsmitarbeiter mehr Zeit in Meetings verbringt als an seinem Schreibtisch und die gezahlten Tagungsgelder ein Vielfaches seines Gehaltes betragen.

Dass die fast 3000 Hilfsorganisationen an gleichen Projekten arbeiten, ohne es voneinander zu wissen, aber der Regierungsmitarbeiter bei allen Meetings dabei sitzt, ohne das parallel laufende Projekt auch nur mit einem Wort zu erwähnen, interessiert niemanden.
Langsam dämmert es mir, welche Einkommen wir mit unserem edlen Projekt FIDP (Farmers Income Develop Programme) steigern. Oder habe ich mich verlesen? Heißt es vielleicht EIDP (Eliten Income Develop Programme)? Es wäre zumindest ehrlicher.

Subventioniertes Milchpulver

Zum FIDP in Senegal hörte ich gestern eine schöne Geschichte auf der Deutschen Welle. Deutsche Milchbauern jammern über ihre geringen Milchpreise für die irrsinnigen Mengen, die sie produzieren und erwarten Einkommenshilfe von der EU, also eine Art deutsches FIDP. Die EU produziert aus dem subventionierten Überangebot Milchpulver und bringt dieses billig nach Afrika, z.B. Senegal. Der dortige Verkaufspreis der aus dem Pulver hergestellten Milch liegt deutlich unter dem Erzeugerpreis der senegalesischen Bauern, die als Folge auf ihrem Produkt sitzen bleiben. Also ist ein FIDP für Senegal erforderlich. Meetings, Workshops etc. finden dann in Dakar statt.
Nun gibt es Milchpulver aus europäischer Überproduktion ja schon länger in Afrika. Wir können ja nicht unsere Überproduktion vernichten und in der Tagesschau die (ver-)hungernden Kinder bedauern.
Die technischen Lebensmittel erfordern aber ein Mindestmaß an Hygiene, so sollte der Babyflaschenschnuller auch mal abgekocht und sauberes Trinkwasser verwendet werden. Von Vorteile wäre es, wenn die Mutter das Mischungsverhältnis lesen und auch umsetzen könnte. Aber all das ist nicht gegeben und so nehmen Durchfallerkrankungen von Säuglingen zu. UNICEF und einige NGO's haben das Problem mit dem Milchpulver erkannt, kommen aber anscheinend gegen die Lobbyisten von Nestlé nicht an. Das Einzige was bleibt, sind neue, von der UN und EU finanzierte Hilfsprojekte, z.B. subventionierte Medikamente gegen Durchfall für Säuglinge.
Durch das frühe Abstillen der Mütter entfällt eine natürliche Empfängnisverhütung und die Geburtenraten steigen. Kein Problem: Es gibt zahlreiche Hilfsprojekte mit Meetings und Workshops zur Familienplanung. Erfolg haben sie keinen.
Milchpulver ist da nur ein Beispiel, ich könnte auch etwas zu italienischem Tomatenmark oder Weizen aus den USA schreiben.

IGPWP (Income Generating Public Works Programme) ist ebenfalls ein EU Programm. Baumwolle zu Stoffen verarbeiten und Textilien herstellen, damit will man z.B. Arbeitsplätze schaffen und Einkommen generieren. Aber wer soll die Klamotten kaufen? Überall findet man die Kleiderspenden aus Europa und USA, die dort gönnerhaft abgegeben werden und hier deutlich billiger verkauft werden als die unverarbeiteten Stoffe.

Projekt Tourismus

Ein schönes Betätigungsfeld für Deutsche Entwicklungshelfer ist die Beratung bei partizipialer Landnutzung oder Tourismusentwicklung. "Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus" heißen die Workshopthemen. Ein "Managementplan" wurde erstellt und natürlich in edlen Hotels diskutiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ein Ferienressort wurde errichtet, eine feine Lodge und ein nach deutschem Standard gebauter Campingplatz. Alles akkurat, perfekt und schön. Geld spielte nicht die entscheidende Rolle und die überteuerten Preise für Baumaterial, die der Projektleiter zwar griesgrämig und mit "Bauchschmerzen"  absegnete, begründete er mir damit, dass eines der Ziele ja sei, Geld in die Region zu bringen und Kaufkraft zu generieren. Auch wenn man jetzt das Doppelte des üblichen Preises für das Dachdecken gezahlt hat, sei es ja immer noch deutlich billiger als ein vergleichbares Projekt in Deutschland. Das Projektziel war edel: Die Deutschen bauen ein Ferienressort und übergeben es an die Community, damit diese Arbeitsplätze erhält und Einkommen erzielen kann. Mit den Einnahmen soll die Gemeinde sich selbst entwickeln, z.B. eine Schule und eine Krankenstation bauen. Als wir die Anlage besuchten, war sie etwa 8 Monate unter lokalem Management und bereits im Verfall begriffen. Die Motorpumpe, die Flusswasser in die Brauchwassertanks fördert, war defekt. Daher gab es auch keine Toilettenspülung. Verantwortlich fühlt sich niemand. Der Preis für eine Nacht auf der Campsite ist am oberen Limit des Erträglichen, vorausgesetzt es würde alles funktionieren.  Wer hat hier eigentlich die Preisberatung gemacht, frage ich mich. Erstaunlich ist ebenso bei Nationalpark-Projekten, die vom DED oder GTZ beraten wurden, dass der Eintrittspreis genau an der Schmerzgrenze der europäischen Besucher liegt. Lokale und Besucher von Anrainerstaaten zahlen natürlich deutlich weniger. Kann es sein, dass die deutschen Berater in den Workshops genau erklären, wie man ihre Landsleute am Besten abledert?
Aber zurück zu unserem Projekt. Einkommen lässt sich so natürlich nicht erzielen und in dem kleinen Ort gibt es auch nur ein neues Gebäude, einen "Bottlestore" (Spirituosenladen).

Projekt Stadtplanung

Stadtplanung und Entwicklung sind weitere Felder, in denen deutsches Steuergeld eingesetzt wird. Satellitenaufnahmen werden ausgewertet und erstmals ein Stadtplan des Ist-Zustandes angefertigt. Illegale Bebauung überall, aber das war bekannt. Ein Vermessungsteam muss erst mal Grundstücke einmessen und es muss ein Katasteramt gegründet werden. Meetings und Workshops gehören dazu. Zukünftig soll die Bevölkerung "Baugenehmigungen" auf dem "Bauamt" beantragen. Der Afrikakenner weiß: Das geht schief.
Meine Frage, ob man damit nicht nur eine korrupte Beamtenstelle in der Verwaltung schafft, der die Baugenehmigungen erteilt, wird mit dem Argument abgeschmettert, dass Antikorruptionsworkshops auf allen Ebenen parallel laufen.
Ganz neben bei erfahren wir, dass für die Stadtentwicklung eine Teerstraße im Geschäftsviertel erforderlich wäre. Die Gelder für den Straßenbau kamen ebenfalls aus einem Deutschen Entwicklungshilfetopf, nur die geplante Teerstraße ist nie gebaut worden. Stattdessen wurde die Zufahrt zu vier Luxusvillen geteert. "Wir sind in diesem Fall nur beratend und geldgebend tätig gewesen. Die Entscheidung, welche Straße geteert wird, trifft letztendlich die Regierung", so die Erklärung. Da hat wohl jemand den Antikorruptionsworkshop verpasst oder die Zeit an der Bar verbracht.

Regierungsinterne Prüfung

Eine regierungsinterne Überprüfung von 100 offiziellen Entwicklungshilfeprojekten des Jahres 1996 ergab, dass
- fast 30 % der Hilfe den vorgesehenen Zweck nicht erfüllen, weil die Mittel durch hohe Verwaltungskosten verbraucht werden oder durch Korruption auf privaten Bankkonten verschwinden;
- 50 % der Projekte Mängel in Planung und Organisation aufweisen;
- viele der groß angelegten Entwicklungsprojekte, die in der Vergangenheit mit Hilfsleistungen gefördert wurden, zu einem erhöhten Lebensstandard städtischer Eliten in den Entwicklungsländern geführt haben und nicht den Armen und Bedürftigen zugute gekommen sind.

Ich behaupte, die Ergebnisse der Überprüfung sind geschönt.

Doch zurück zur Stadtentwicklung. Das Projekt der Stadtentwicklung hat es vor ein paar Jahren schon einmal gegeben. Damals finanzierten die Schweden das Projekt. Der verantwortliche Projektleiter verstarb kurz vor Abschluss und die Schweden, die schon mehr als budgetiert in dieses Projekt investiert hatten, zogen sich zurück. Damit war das Projekt tot. Ein paar Jahre später starteten die Deutschen das gleiche Projekt und begannen bei Null.

Geldmittelabflussgeschwindigkeit

Ein Mitarbeiter von World-Vision, der ein Meeting in einem Luxushotel auf einer kleinen Insel im Lake Malawi organisierte, antwortete auf meine Frage, warum man nicht ein Hotel auf dem Festland nehme, wo die Hotels preiswerter seien und man sich die Fährkosten sparen könne, lapidar: "This is not a problem, the organisation pays."
Und letztendlich hat er sogar Recht. Geld ist genug da, sogar mehr als man braucht. Ein Regierungsberater der Weltbank (nicht in Kamerun) erklärte mir, dass sein Erfolg an wirtschaftlichen Kennzahlen gemessen wird. Eine der Wichtigsten ist die Geldmittelabflussgeschwindigkeit, die in vielen Entwicklungsländern zu gering sei. Konkret sieht es so aus. Die Geberländer beschließen, wie sie Afrika entwickeln wollen und stecken sich Ziele. Fonds werden angelegt und mit Geld ausgestattet. Jetzt müssen die Entwicklungsländer beraten werden: Welche Fonds gibt es?  Welche Projekte werden gefördert?  Wie kommen sie an das Geld? In einigen Entwicklungsländern hat sich daraus eine Beratungsindustrie entwickelt. In Kenia z.B. sind die fähigsten und cleversten Köpfe nicht etwa in den Vorständen der Banken und Industrieunternehmen oder Unternehmensberatungen, wo sie eigentlich hin gehören und gebraucht würden, sondern in privaten Regierungsberatungen, die dann den Präsidenten und die Elite des Landes beraten, wie sie z.B. an japanisches, schwedisches, amerikanisches oder deutsches Steuergeld kommen. Ihr Luxusleben (der Champagnerverbrauch pro Kopf ist in den Hauptstädten einiger Entwicklungsländer höher als in Washington oder Berlin) finanzieren sie mit Provisionszahlungen aus den Hilfstöpfen.
Die gleichen Lobbyisten (vor allem in Kenia und Äthiopien) kümmern sich ebenfalls um die Vermarktung, d.h., dass hungernde Kinder vor allem in der Vorweihnachtszeit auch in der Tagesschau, BBC, CNN etc. präsent sind.
Die UN kennt die Praxis und schickt eigene Kundschafter in die betreffenden Gebiete und diese sind dann teilweise überrascht, dass selbst der Bürgermeister vor Ort nicht weiß, dass sein Ort oder seine Region durch die Weltpresse ging. Die Bilder hungernder Kinder müssen woanders aufgenommen worden sein. WFP und andere staatliche Organisationen mit eigener Recherche fallen auf die Meldungen nicht rein, aber NGO's kommen gerne und deren Geldmittelabflussgeschwindigkeitskoeffizient stimmt wieder.
Aber NGO's und private Initiativen will ich nicht weiter vertiefen, denn dann enden wir beim katholischen Priester in Tansania, der Hilfsgelder für ein von Japan unterstütztes Waisenhaus unterschlägt und in Alkohol verwandelt oder einem Bischof, ebenfalls in Tansania, der glaubt, er sei der Herr und katholische Einrichtungen als sein Eigen ansieht.

Nachhaltigkeit

Also zurück zur staatlichen Hilfe und deren Nachhaltigkeit.
Fragt man Entwicklungshelfer an der Basis nach dem Sinn ihrer Arbeit, treten Schweißperlen auf ihre Stirn und auf die Frage nach Nachhaltigkeit kommt meist die Antwort: "Ähm, ja, man muss da andere Maßstäbe anlegen, man muss es langfristiger sehen", oder "wir haben großen Erfolg, auch wenn er nicht für jeden ersichtlich ist und sich nicht in Kennzahlen messen lässt."
Nun frage ich seit Marokko jeden Entwicklungshelfer, der mir über den Weg läuft, ob er mir ein Projekt nennen kann, das nachhaltig Erfolg hat. Damit meine ich, ein Projekt, das durch Entwicklungshilfe gestartet wurde und komplett an einheimisches Management übergeben wurde und nach der Übergabe noch 24 Monate funktionierte. Keiner konnte eine Antwort geben.

 Im Internet findet man einige angeblich erfolgreiche Projekte, zum Beispiel das Projekt eines Gymnasiums in Herchen an der Sieg, das eine Kaffeekooperative in Mampfe (Kamerun) unterstützt und für dieses erfolgreiche Projekt Geld gesammelt hat. In Wirklichkeit ist das Projekt völlig gescheitert. Die gespendeten vier Fahrzeuge stehen mit Moos überwuchert schrottreif auf dem Hof, der Manager hat die Kasse unterschlagen und sich aus dem Staub gemacht. Der verantwortliche Lehrer besucht Mampfe regelmäßig mit Spendengeld und tut dort angeblich viel Gutes. Von dem Scheitern wissen die Spender nichts und spenden in treuem Glauben weiter. Der Lehrer gibt auf meine Anfrage übrigens keine Stellungnahme, weil er dafür - wegen Unterrichtsvorbereitungen - keine Zeit hat.

Über die Arbeit der Entwicklungshelfer erfährt man vor Ort relativ wenig. Fast alle stöhnen über die viele Arbeit. Tatsächlich gibt es Helfer, meistens die, die noch nicht solange dabei sind, die sich über das geforderte Maß hinaus engagieren.
Die Bemerkung einer Praktikantin, die wir bei einem natürlich unangemeldeten Besuch bei der GTZ antrafen: "Der (Hauptamtliche der GTZ) war heute morgen nur kurz hier, der hat heute keine Lust und ist rüber zur Deutschen Botschaft zum Kaffeetrinken gefahren, ich glaube nicht, dass der heute noch mal kommt", ist da noch das Harmloseste.
Natürlich kann man den Frust verstehen, wenn man sieht, wie drei deutsche Förster mit einer Hand voll Einheimischen mühevoll ein Wiederaufforstungsprojekt durchführen, wobei die Einheimischen längst nicht so motiviert sind, wie die  30 Chinesen, die in Sichtweite mit Kettensägen den Urwald roden.

Eine NGO hatte ein Budget von 30.000 Euro für die Ausarbeitung eines Projektplanes bekommen, aufgrund dessen dann Mittel in Millionenhöhe für das eigentliche Projekt fließen sollten. Grundlage des Planes sollte eine Datenerfassung mittels Umfrage bei 1500 Klein-Bauern sein, die dann statistisch ausgewertet werden sollten. Statt der Umfrage verteilte man 300 Fragebögen, von denen nach vier Wochen ganze 8 zurückkamen. Diese acht Bögen waren dann die Grundlage für die Statistik, die 1.500 Umfragebogen füllten dann die Mitarbeiter der Organisation selbst aus. Der Projektplan war erfolgversprechend und die NGO bekam den Millionentopf.

Da kann man die Aussage einer Entwicklungshelferin, die durch ganz Kamerun reist und Workshops und Meetings für Kaffeebauern abhält, nur mitleidig belächeln: "Eigentlich habe ich Kunst studiert, aber in dem Bereich habe ich keinen Job bekommen und ich wollte schon immer den Armen in Afrika helfen. Mein Wissen über die Probleme der Bauern und der Kaffeeproduktion und Vermarktung habe ich mir vorher in Deutschland angelesen."

Weltwärts

Seitdem es das Programm "Weltwärts" gibt und junge Leute ein Jahr im Ausland soziale Projekte unterstützen können, erfährt man mehr. Meist auf deren privaten Blogs oder durch herausgerutschte Bemerkungen und Berichte über deren Arbeitsweise.
In einem Fall eröffnet der Mann einer Helferin (NGO) ein Elektrogeschäft und die "Weltwärts"-Helfer, die mit Steuergeld finanziert werden und freiwillig ein Jahr spenden, dürfen im Geschäft des Mannes sechs Wochen lang Regale aufbauen, weil angeblich im Moment nichts sinnvolles für die Organisation zu tun ist.
Ein Mitarbeiter sagte es ganz offen: "Die "Weltwärts"-Leute können wir nur schwer einsetzen, aber unsere Organisation bekommt Geld, damit wir sie beschäftigen und das Geld ist für uns interessant."
Und da wir nun schon mal bei NGO's sind, noch etwas zu den Verwaltungskosten, zu denen auch die Werbung für Spendengelder gehört. Ein Tourist in Tansania stellte folgende These auf: "Wenn eine Hilfsorganisation 100 Euro Spendengeld hat und sie diese 100 Euro in Werbung investieren um dadurch 110 Euro Spenden zu generieren, ist das für die wirtschaftlich."
Also stellte ich einigen NGO-Mitarbeitern die Frage: "Macht es Sinn, 100 Euro in Werbung zu investieren, wenn man dadurch 110 Euro Spendengeld einnimmt?" Fast alle meinten, dies mache Sinn, weil man ja mit 110 Euro mehr Gutes tun könne, als wenn man nur 100 Euro zur Verfügung hätte.

Entwicklungshilfepolitik gescheitert?

Aber es gibt nicht nur die Schönmalerei derer, die an Geldtöpfe kommen, oder derer, die in Afrika ihr Helfersyndrom abarbeiten. Volker Seitz, der früher in einigen afrikanischen Ländern als Botschafter arbeitete sieht die Entwicklungshilfe als gescheitert an und sagte im ARD-Magazin "Fakt" : "Nach einem halben Jahrhundert personeller und finanzieller Entwicklungshilfe für Afrika stellen wir fest, dass unsere Politik versagt hat."

Der Hauptkritikpunkt an der deutschen Entwicklungspolitik ist, dass die Afrikaner in eine Abhängigkeit von immer neuen Hilfszahlungen gezwungen werden. Geld habe der Entwicklung häufig sogar eher geschadet, weil die Eigeninitiative gelähmt wurde.
Rupert Neudeck, der Gründer der Hilfsorganisationen "Cap Anamur" sagte in der ARD
"Ich habe diese Politik hassen gelernt.[...]Die Entwicklungspolitik hat eigentlich geleistet, dass die Staaten Afrikas die miserabelsten Regierungen bekommen haben,  deren Korruption zum Himmel stinkt." Und Volker Seitz, fügt hinzu: "Die Leute verlassen sich einfach darauf, dass immer mehr Gelder fließen, und ich halte das für völlig verfehlt."

Es soll für heute erst mal genug sein. Ich werde das Thema weiter ausbauen und jeder, der ähnliche Erfahrungen hat oder auch Kritik an meinem Text üben will, ist dazu eingeladen, diese hier zu berichten. Schick deinen Text an: Thema@pistenkuh.de Wenn du zustimmst veröffentliche ich deine Erfahrung nach Rücksprache.

 - Erfahrung von Thomas Friedrich

Was kann man politisch tun? Sich einem Kreis anschließen und eine Unterschrift leisten. Wer für eine andere Form der Entwicklungshilfe ist kann sich mal die Seite des Bonner Aufruf ansehen.
Guckst du hier: www.bonner-aufruf.eu

Und hier noch ein paar weiterführende Links zum Thema.

Warum Afrika dank Entwicklungshilfe im Elend verharrt
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,487746,00.html

Es gibt auch Projekte die funktionieren. Ein Schweizer baut Brücken in Südamerika und Asien.
http://www.wardein.de/toni/index.php

 

  Buchtipps
 zur Entwicklungshilfe

 

 

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