Direktlinks „Seitenübersicht“

Pistenkuh · Sabine und Burkhard Koch

Sprachauswahl:

English Deutsch

Google Ad-Sence:

Direktlinks „Inhalt“

Inhalt:

Gabun

Wir reisen in Eboro ein, Polizei, Immigration, Zoll, alles korrekt und freundlich, wenn auch zeitaufwändig. Aber daran muss man sich in Afrika gewöhnen, die Uhren gehen langsamer und manchmal auch völlig anders. Unser erstes Ziel ist Libreville, hier soll es das Visum für Angola geben, so hatte man es uns auf der Botschaft in Abuja versichert.

Wir wählen die direkte Route durch den Wald, von Bibas, etwas südlich von Oyem rechts ab. Versorgungsmöglichkeiten gibt es auf der knapp 400 Kilometer langen Strecke kaum, sieht man mal von Ananas und Bananen ab. Dafür führt die gute Piste durch ursprünglichen Urwald und die Autos, die uns begegnen, können wir an einer Hand abzählen. Wer in Gabun ist sollte die Strecke mal befahren, traumhaft.

piste urwald

 

Libreville

 

librevilleLibreville wurde 1849 für 46 Afrikaner gegründet, die von einem Sklavenschiff befreit wurden und wächst seit dem unaufhörlich. 1960 lebten in der Stadt 30.000 Menschen, heute sind es 360.000. Die Gabunesen ziehen aus den Wäldern in die Stadt, nur die Alten trifft man in den Dörfern des Waldes. In der Stadt erhoffen sie sich, an den Einnahmen aus dem Öl- und Holzexport profitieren zu können und mit Schlips und Kragen ihr Geld zu verdienen. Gabun zählt zu den reichsten Ländern Afrikas und so hat der Präsident, der seit 40 Jahren regiert, zahlreiche Prestigebauten errichten lassen. präsident gabunOppositionelle Gruppen warfen dem Machthaber und seinen Anhängern Wahlmanipulation vor. Gegner seiner Politik halten Bongo weiterhin vor, nur wenige, von ihm Auserwählte, an den Erlösen aus dem Erdölhandel teilhaben zu lassen, während die große Mehrheit der Bevölkerung weiterhin in Armut lebe.Bei der Botschaft Angolas dann der Schock: Es gibt kein Visum. Wir sollen nach Kongo fahren und es uns in Point Noire holen, dort gibt es das Visum auf jeden Fall. Ganz sicher.    

Ich bin Marokkaner - Gott sei es gedankt

 Wir haben ein technisches Problem an unserem Expeditionsfahrzeug. Die Vorderreifen fahren sich extrem schnell ab. Seit dem wir die Spur in Abuja kontrollieren und einstellen lassen haben (vor 2.500 Kilometer) sind 70 % des Profils weg. Wahnsinn. Zudem zieht der Karren nach rechts.Ich bin ratlos und sehe den einzigen Ausweg in einer Fachwerkstatt, das dürfte in Libreville, der Hauptstadt Gabuns wohl möglich sein. Fast alle Holztransporter, die wir unterwegs gesehen haben, waren neue Mercedes Actros, also im Internet nach Mercedes gegoogelt und schon ist die Adresse auf dem Schirm.Wir fahren raus ins Industriegebiet. Alles ist hier vertreten, aber wir finden Mercedes nicht. Bei einer kleinen Schrauberwerkstatt halte ich an und frage nach dem Weg."Zwei mal links."Aus dem Büro kommt ein hellhäutiger: "Wo hast du deine Schuhe her?", will er von mir wissen.Ich habe meine Lieblingsschuhe an, Sandalen aus alten Autoreifen."Die sind aus Marokko.""Ich bin Marokkaner, hamdulilah (Gott sei es gedankt), kommt rein, Tee trinken."Das können wir wohl nicht ausschlagen und so sitzen wir zwei Minuten später bei Minzetee. Als ich ihm Bilder aus Marokko zeige und auch noch erzähle, dass meine Schwägerin aus Casablanca kommt, wird die Freude immer größer. Er kommt ebenfalls aus Casa und hat hier mit einem Franzosen zusammen die Autowerkstatt aufgemacht, weil hier leichter Geld zu verdienen ist als in Marokko. "Je schwärzer der Fahrer, um so schneller ist das Auto kaputt", fasst Hassan, 42 Jahre alt, seine Erfahrungen zusammen. Der Franzose kam mit den Afrikanern und dem Müll nicht zurecht und ist zurück nach Frankreich.Auch Hassan hat Schwierigkeiten mit den Schwarzen. Aber das schlimmste ist: "Die gehen angetrunken aus der Kneipe in die Moschee.""Was wollt ihr bei Mercedes?""Meine Reifen nutzen sich stark ab, ich weis nicht woran es liegt.""Das gucke ich mir mal an, wir sind doch Brüder."Er guckt sich die Reifen an, Sabine muss hin und her lenken und er fasst an die Schubstange. "Hier guck, der Kugelkopf am Lenkhebel ist kaputt. Besorg einen neuen und ich baue ihn dir ein." Er merkt meine Anerkennung für die schnelle und treffsichere Diagnose und freut sich: "Ich bin Marokkaner, Gott sei es gedankt.""Einbauen kann ich selbst.""Du hast Familie in Casablanca genau wie ich, wir sind Brüder, natürlich baue ich dir das ein und das kostet gar nichts."Rein ins Taxi und auf zu Mercedes.Ich bin platt, so groß hatte ich es mir nicht vorgestellt. Auf dem Hof stehen zig neue Actros als Zugmaschinen, daneben zig Baustellenkipper. Jede Menge neuer Geländewagen ML 500S in schwarz oder silber. Das scheint der Wagen zu sein, mit dem der Afrikaner seinem Nachbarn zeigt, was er hat.BMW, Porsche und Toyota sind hier genau so vertreten wie Separ, Boschdienst und CAT. Die Werkstatt ist klimatisiert und alles ist genau wie man es aus Europa kennt. Mein Original-Mercedes-Part Kugelkopf kostet 200 Euro. Sieht man dem Ding nicht an. Zurück bei Hassan"Das sind Diebe, noch größere als die Schwarzen", regt er sich auf, rennt auf die Straße, springt ins erstbeste Taxi und ist mit meinem Kugelkopf verschwunden. 20 Minuten später überreicht er mir voller Stolz und mit einem zufriedenen Lächeln meine 200 Euro."Denn kann ich auch reparieren, ich bin Marokkaner, Gott sei es gelobt."  Er baut den Kugelkopf aus, zerrt eine alte Felge aus der Ecke und steckt den Kopf mit der Seite, die normalerweise im Lenkhebel steckt, in eines der Felgenlöcher. Mit einem Fäustel schlägt er nun wie ein Besessener auf den Kugelkopf ein. Für mich ist klar, den können wir wegwerfen und ich sehe mich mit dem nächsten Taxi zu Mercedes fahren und einen Kugelkopf kaufen.Hassan sieht meinen mehr als skeptischen Blick."Der geht wieder, ich habe das gelernt, ich bin Marokkaner, Gott sei es gedankt."Ich glaube kein Wort."Ich gebe Garantie auf meine Arbeit, ich habe beim Militär 14 Jahre lang Unimog repariert und Caterpiller."Er kommt zu mir uns zeigt mir eine drei Zentimeter lange Narbe auf der Stirn und eine daumenbreite über der Augenbraue. "Mit 12 Jahren habe ich in einer Werkstatt gelernt und immer wenn ich was nicht richtig gemacht habe, gab es Schläge mit dem Schraubenschlüssel oder dem Verlängerungsrohr, meist auf den Kopf." Dann zeigt er mir weitere Narben am Hinterkopf.Ich bin geschockt und lasse ihn gewähren, soll er halt auf den Kugelkopf einschlagen. Bei der Probefahrt merke ich keine Veränderung, aber mein Deutz hat ja auch kein Problem, das man auf wenigen Kilometern beim Fahren merkt.Während der Fahrt kommen wir an einem Reifenhändler vorbei, und ich frage Hassan, ob es gebrauchte 14.00 R 20 Reifen irgendwo gibt. "Ja, wir fahren zu meinem Freund aus Mali, ich mache mit den Schwarzen keine Geschäfte." Tatsächlich, er hat einen passenden Reifen mit etwa 75% Profil und will 100 Euro als Freundschaftspreis. Der Preis ist mehr als okay, dazu noch ohne lange Konferenzen. Ich binde den Reifen hinten an meinen bereits vorhanden Ersatzreifen und fahre zur Missionsstation in Libreville, auf der wir die Nächte verbringen.Für den nächsten Tag sind wir bei Hassan zum Abschiedstee eingeladen. Um die dritte Karkasse sicher transportieren zu können, will ich meinen Reserveradhalter erweitern. Dazu will ich zwei stabile Winkel- oder U-Profile kaufen und diese an den vorhandenen Träger schrauben, auf denen soll dann das Rad stehen.Am nächsten Morgen beim ersten Eisenhändler eine Niederlage, er verkauft nur ganze 6 m Längen. Vor dem Zweiten kann ich nicht parken, der Dritte hat keine Eisensäge, der Vierte keine passenden Profile.Sabine hat die gute Idee: "Wir fahren zum Teetrinken und Hassan soll einen Taxifahrer losschicken, die Winkel besorgen. Hassan freut sich, macht eine Zeichnung, hält ein Taxi an und schickt den Fahrer mit Zeichnung los.Es dauert. Nach einer Stunde ist immer noch kein Taxi zurück, auch nicht nach zwei oder drei. Am Nachmittag hält das Taxi vor der Tür. Mir stockt der Atem, obwohl ich die Dinger noch nicht gesehen habe. Es reicht der Anblick, wie das Taxi hinten aus den Federn geht, als der Fahrer die Träger ausladen will.Hassan hat aus einer 20mm Eisentafel zwei Formteile brennen lassen. Zwischendrin war das Gas ausgegangen, deshalb hatte alles so lange gedauert.Ich will die Teile mit 13mm Schrauben festschrauben und nicht schweißen, wie Hassan es gerne hätte. Hassan will Löcher vorbohren mit 6mm, einfach so nach Augenmaß. Ich will, dass die Löcher ausgemessen werden, dass sie alle den gleichen Abstand haben und auf einer Linie sitzen. "Das muss nicht sein, die Halterung hält auch so, wenn ich sie festschraube, ich bin Marokkaner, Gott sei es gedankt.""Ja, das hält, sieht aber nicht ordentlich aus, ich bin doch Deutscher", und statt zu grinsen hätte ich lieber "Gott sei es gedankt" gesagt.Ich gebe ihm meine Bohrer. Zack, ist der 10mm Bohrer abgebrochen. Okay, kann passieren. Mir gehen die Worte meines alten Meisters bei der Stabo durch den Kopf, als mir (wirklich nur einmal) ein 4 mm Bohrer abbrach: "Burkhard, du weist doch warum sich hier jeden Morgen um 6 Uhr 50 Leute treffen. Wir wollen alle zusammen Geld verdienen. Das geht aber nur, wenn jeder sorgsam mit dem Material umgeht. Was soll ich den dem Betriebsleiter sagen, wenn der mich fragt, wo die ganzen Bohrer hin sind? Du willst doch auch nicht, dass ich dem sage, die hat der Burkhard alle abgebrochen. Hier hast du einen neuen, aber pass gut drauf auf." Und nach fünf Minuten stand der Meister wieder neben mir: "Burkhard, wenn der Betriebsleiter nach dem Bohrer fragt, dann nehme ich das auf meine Kappe. Dafür musst du mir aber auch helfen, wenn ich mal in der Klemme bin und mal einen Mann für Samstags brauche."Okay, das Vorbohren hat geklappt und ich gebe ihm meinen 13mm Bohrer. Das Ding ist stumpf. "Ich kann Bohrer schleifen, ich bin Marokkaner, Gott sei es gedankt."Hassan schleift den Bohrer und anschließend löst er nicht mal mehr einen Metallsplitter ab. Kein Problem, Hassan stellt die Bohrmaschine auf Schlagbohren und legt los. Ein Mörderkrach, Hassan grinst "No Problem", aber natürlich ist der Bohrer deswegen nicht scharf. Ich rede auf ihn ein, mich einen neuen Bohrer kaufen zu lassen, denn schließlich ist es ja mein Bohrer, der da stumpf ist.Endlich gibt er auf. Rein ins nächste Taxi und zum Baumarkt. Gigantisch, wie Obi in Siegen und das in Afrika. An der Tür stehen Wachleute, die mit doppelläufigen Gewehren bewaffnet sind. Gestern habe ich ein Interview in der Deutschen Welle gehört zu dem 110 Millionen Euro Kunstraub in der Schweiz und der mangelnden Bewachung. Der Direktor meinte, man müsse sich fragen, ob man bewaffnete Türsteher in den Museen haben will, und ob man wirklich eine Schießerei und Tote wegen der Bilder verantworten kann.Hier kann man eine Schießerei wegen ein paar geklauten Trennscheiben verantworten. Andere Welt.Ich gucke mir die Rasenmäher an, ein Modell heißt "Wheel-Sheep".Ein neuer Bohrer macht 8,- Euro. Nächstes Taxi zurück.Hassan setzt an und zack, der neue Bohrer ist krumm wie eine Banane. Ich mache große Augen."Ich kann den richten, ich bin Marokkaner, Gott sei es gedankt."Der Fäustel kommt zum Einsatz und anschließend eiert der Bohrer, logisch. Zwei Minuten später ist der neue Bohrer abgebrochen. Entsetzen im Gesicht von Hassen. "Kein Problem, wir kaufen einfach einen neuen", sage ich und spiele den Relaxten. Taxi zum Baumarkt. 8,- Euro für neuen Bohrer und Taxi zurück. Der Bohrer hält fünf Minuten und dann ist auch dieser krumm. Hassan fragt: "Soll ich nicht doch besser schweißen."Ich bin geladen, versuche aber, es mir nicht anmerken zu lassen. "Nein, es ist ja nur noch ein Loch, mach dich wegen der Bohrer nicht verrückt. In der Firma, in der ich früher gearbeitet habe, sind die 13er Bohrer auch reihenweise abgebrochen, wie Spagetti." Mein Humor ist immer noch eisenhart.Zum Schluss geht es doch noch gut aus. Hassan richtet den Bohrer mit dem Fäustel und schafft es tatsächlich, damit das letzte Loch zu bohren. Insgesamt kostete so die Trägererweiterung 60,- Euro (Metallplatte, brennen, Bohrer, jede Menge Taxifahrten) und einen ganzen Tag Zeit. Viel zu teuer für das Erwartete und dennoch hat keiner was daran verdient.

Hassan kann man nicht böse sein, nett, freundlich, immer bemüht und ehrlich, aber meine Achtung vor seinem Können ist von Stunde zu Stunde deutlich gesunken und er sagt, er sei in Libreville einer der Besten und das glaube ich sogar.

reifenhalter

 

Ach ja, über den Äquator sind wir auch

aequator

 

 

 feier

 

 

zurück

Direktlinks „Zusatzinfos“

News und Aktuelles

Hilfe im Hochland

In Island gibt es eine Rettungsorganisation, ähnlich der Bergwacht in den Alpen, die in Not geratene Menschen im Hochland hilft. Wir führten ein kurzes Interview mit zwei ehrenamtlichen Helfern.

Artikel lesen

Kleines Pistenkuh-Treffen

Und jetzt ein ganz süßes Bonbon für euch: Der Veranstalter des Höllenlaufes bietet der Pistenkuh und anderen Fahrzeugreisenden die Möglichkeit, das Wochenende nahe dem Veranstaltungsgelände auf einer Wiese zu campen.

Artikel lesen

Drei Tage im Schlamm

Wir stecken fest, im Schlamm. Drei Tage abwarten, ein Gefühl, als säße man beim Monopoly-Spiel im Knast.

Artikel lesen

facebook

Camping-Parade