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Pistenkuh · Sabine und Burkhard Koch

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Abenteuer: Unterwegs in Westafrika

Die Route:

Siegen - Luxemburg - Madrid - Lissabon - Ceuta - Casablanca - Marrakech - Tinerhir - Erfoud - Zagora - Laayoune - Nouadhibou - Atar - Chinguetti - Kiffa - Ayoun el Atrous - Nioro - Bamako - Mopti - Timbuktu - Hombori - Ouagadougou - Bolgatanga - Kumasi - Sekondi-Takoradi - Accra - Bamako - Kita - Kayes - Dakar - Nouakchott - Agadir - Ceuta - Siegen

Karte

258 Tage durch Westafrika

Siegen, 04.08.04
Jetzt sind wir endlich unterwegs.
Heute ist unsere letzte Nacht in Frankreich, morgen geht es über die Pyrenäen nach Spanien wo wir einige Wanderungen in verschiedenen Nationalparks unternehmen werden.
Unsere Reise begann gleich mit einer Einladung zum Grillen. Letzte Woche fuhren wir von Siegen an den Rhein, wollten uns eigentlich von dem Streß des Abreisetages erholen und früh zu Bett gehen, als eine Frau uns fragte, ob wir uns nicht zu ihnen ans Ufer setzten wollten und grillen, sie hätten soviel Fleisch eingekauft, das sie auf keinen Fall alles aufgegessen bekommen. Wir revanchierten uns mit Feuerholz, das wir im Lagerraum spazieren fuhren und so war es wieder nach Mitternacht bis wir im Bett waren. Aber ein toller Reisestart, gleich mit kostenloser Mahlzeit und Strandfeuer.
Am nächsten Tag ging es zügig über die Autobahn nach Luxemburg, wo wir 740 Liter Diesel für 69,5 Cent je Liter tankten. Der Sprit müßte bis Marokko reichen.
Durch Frankreich fuhren wir einige Nebenstraßen, die wir noch nicht kannten und verbrachten drei Tage zwischen Sete und Agde direkt am Strand.
Die Tage vergingen mit Schwimmen, Sonnen und Strandspaziergängen.

Jaca, 17.08.2004
Sierra

Heute nur ein paar wenige Zeilen aus Spanien. Die angekündigten Wanderungen in verschiedenen Nationalparks haben wir gestrichen und statt dessen die Zeit in unserer neuen Badewanne in der Sierra de Guara verbracht. Die Zeit vergeht mit baden, sonnen und fotografieren wie im Flug, selbst zum Tagebuch und Briefe schreiben kommen wir nicht.

Etwas schwierig ist es, ein Internetcafe zu finden und am liebsten eines, vor dem man parken kann. Hatten wir endlich eines entdeckt, war es geschlossen und auch am nächsten Tag erschien der Betreiber nicht, obwohl ganz fest zugesichert.
Da war die Zeit der Postkarten doch angenehmer, niemand erwartete mehr als drei Zeilen über das Wetter, ab mit der Karte in den Briefkasten und die Sache war erledigt.
Nette Menschen haben wir auch kennen gelernt, so eine Gruppe Hippies, die in einer Kommune leben, durch Joints ihren Spirit beflügeln und von Love and Peace träumen. Zum Abschied schenkten sie uns eine Hippi-Zeitung in der folgende Internetadresse angegeben ist: http://www.twelvetribes.org/
Achtung: Wir haben die Seite noch nicht besuchen können, haben also keine Ahnung was euch dort erwartet.


felsIn den letzten Tagen oder Wochen waren wir entlang der Kueste in Portugal und Spanien unterwegs, haben immer an einsamen Straenden oder auf Felsklippen uebernachtet und eine tolle Vollmondnacht ( unsere Zweite auf der Reise) erlebt.

Ca. 10 km vor Tarifa, die Straße fuehrte hier direkt am Meer entlang, entdeckten wir mehrere Wohnmobile und Transporter am Strand, sah aus wie ein freier Campingplatz. Wir erkundeten den Strand und suchten uns einen schönen Platz. Das musste wohl die beruehmte Surferbucht von Tarifa sein, die wir vom Hoerensagen schon kannten.
Wir lernten Dirk und Sabine aus Vaterstetten und Christian aus Freiburg kennen. Drei nette Surfer, mit denen wir viel Spaß hatten. Abends saßen wir noch lange am Lagerfeuer und Christian erzaehlte Geschichten aus seinem Arbeitsalltag als Deutschlehrer in einem Internat. Anschliessend hatte ich zwei Tage Muskelkater im Bauch vom vielen Lachen. Zuvor waren wir beim Nachbarn zum Wein eingeladen. Der Biologie – Professor aus Tuebingen, war auf dem Weg nach Marokko, um die Route der Zugvoegel zu beobachten und seine Theorie ueber die Orientierung der Vögel zu untermauern. So haben wir einiges, fuer uns Neues ueber den Orientierungssinn der Voegel gelernt und werden in der nächsten Vollmondnacht in der Westsahara mal verstaerkt den Himmel beobachten und nach unseren Zugvögeln, die bis zu 600 Kilometer in einer Nacht fliegen, Ausschau halten.
Später am Abend lernten wir eine Englaenderin kennen, die seit einiger Zeit am Strand lebt. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich, indem sie am Strand Clothes and Things sellt und diese Clothes and Things zum sellen collected sie in the night.
Zum Schluss waren wir uns alle einig:
Lieber zu Fuss an den Strand, als mit dem Mercedes zur Arbeit.

Sonnenuntergang  

Marokko

Die Einreise nach Marokko war völlig problemlos. Vorbei das Chaos, das vor einigen Jahren an der Grenze herrschte. Jetzt werden Marokkaner von den Touristen getrennt abgefertigt und alles geht schnell und zivilisiert – na ja, halbwegs - ab. Grosses Gedränge und Gehupe gibt es nur noch an dem Schalter, der für die Marokkaner reserviert ist.
Die Uhr stellen wir zwei Stunden zurück, mehr ein symbolischer Akt, denn eigentlich müssten wir die Zeit 200 Jahre und zwei Stunden zurückdrehen.
teeWir fahren über Land nach Rabat. Alles ist wie früher. Wir werden zum Tee eingeladen, am Straßenrand werden erntefrisch Melonen, Tomaten, Pflaumen und Äpfel verkauft, zu Preisen von 30 Eurocent je Kilo. Natürlich decken wir uns für die nächsten Tage ein. In den Ortschaften hängen frisch geschlachtete Hammel und Ziegen in den Metzgergassen. Wir trinken in einem Cafe in Ruhe unseren ersten Minztee und beobachten das Treiben auf den Strassen.
Für unsere erste Nacht finden wir einen absolut einsamen Platz an einem See. Unser erstes Ziel ist die Hauptstadt Rabat, um in der malischen Botschaft ein Visa für Mali zu bekommen.
Gefahren wird wie überall in den großen Städten. Auf vierspurigen Strassen wird in sieben Spuren gefahren. Einer blinkt rechts, biegt aber links – quer über alle sieben Spuren - ab. Rote Ampeln bedeuten: Hupen und Geschwindigkeit verringern. Andere Verkehrszeichen haben keine Bedeutung. Der Bus bleibt auf der dritten Spur stehen und lässt Passanten aussteigen. Auf der rechten Spur steht ein Sattelzug, der seinen Dieseltank verloren hat, die Tankhalter waren durchgerostet. Mich erinnert es an meinen letzten Kirmesbesuch, wobei beim Auto-scooter zumindest alle in der gleichen Richtung fahren und keine Mofa- und Fahrradfahrer in die Quere kommen. Von den Fußgängern ganz zu schweigen.
Von links kommt ein Mofa mit zwei Polizisten, das Vorderrad schlägt, als sei schon mal ein Lkw darüber gerollt, dennoch hängen am Lenker zwei große Plastiktüten mit Brot und der Polizist auf dem Gepäckträger hat ebenfalls in jeder Hand eine große Plastiktüte mit Brot.
Wir müssen dreimal fragen und finden die Botschaft versteckt in einer Seitenstraße. Die Visa sind schnell erteilt und über Landstrassen und Pisten geht es in den Süden von Marokko.

dadesschlucht

Wir fahren durch eine grandiose Bergwelt, kommen nur langsam voran, weil wir ständig aussteigen und den Blick in die tiefen Schluchten genießen.

DadesObwohl die Dadesschlucht inzwischen asphaltiert ist und jede Menge Touristen mit Reisebussen durch die Schlucht gekarrt werden, fasziniert die Schlucht uns jedesmal wieder neu. Erinnerungen werden wach. Vor 15 Jahren waren wir das erste Mal hier, rumpelten über Schotterpisten und die Leidenschaft für Afrika wurde geweckt.

Die Lehrstunde

dadesWir fahren anlässlich Sabines Geburtstages auf unseren Lieblingscampingplatz in der Todrahschlucht (Camping-Atlas). Der Platz ist wie immer, extrem sauber, schön in den Palmen gelegen und mit 4 Euro auch bezahlbar. Das Bild links ist nicht die Todra, sondern die Dadesschlucht.
Wir parken den Deutz und schreiben Tagebuch. Der Campmanager kommt und bittet uns, den Wagen weiter oben abzustellen. Zur Begründung sagt er, der Bach, die Todrah steigt gleich an und überflutet den Platz, weiter oben habe es geregnet.
„ja, ja, ich fahre gleich weg“, warum kann man nicht einmal in Ruhe sitzen und seinen Kaffee trinken. Eine Minute später steht er schon wieder beim Tisch, und fragt, ob ich nicht doch jetzt schon wegfahren könnte. Langsam geht er mir gewaltig auf den Zeiger. Ich steige in den Deutz und fahre auf einen etwas höher gelegenen Platz.
Ich steige aus und höre ein gewaltiges Getose. Ich renne zur Mauer, wo die Todrah als knöcheltiefes Bächlein cirka 4 Meter tiefer entlang fließt.
Eine Flutwelle bahnt sich ihren Weg. Felsbrocken werden mitgerissen und inner halb zwei Minuten steht der Platz unter Wasser. Sabine und ich stehen sprachlos dar. Wie oft haben wir in solchen Wadis übernachtet. Wir hätte keine Chance gehabt.
Zwei Stunden später ist der Spuk vorbei, nur eine Schlammschicht und einige tote Fische liegen auf dem Campingplatz.
Jetzt haben wir ordentlich Respekt vor Schluchten in der Wüste, das war eine eindrucksvolle Lehrstunde.

No Problem Monsieur

Im Internetcafe:
marokkanerAn dem uns zugewiesenen Computer ist das Diskettenlaufwerk defekt, wir wechseln den Computer – No Problem Monsieur.
Der Computer fährt hoch, die rosa Farbe des Bildschirms stört uns nicht, und wir beginnen eine E-Mail zu schreiben. Die Tastatur geht schwer, man muss feste auf die Tasten hauen, aber wir kommen zurecht – no Problem. Ich suche verzweifelt das Fragezeichen auf der arabischen Tastatur und gebe auf. Fast geschafft. Ein Rechtschreibfehler schleicht sich ein und ich tippe die Löschtaste. Shit, die Taste klemmt und bleibt gedrückt, der Courser rast rückwärts über meinen Text und frisst ihn auf. Kommentar des Betreibers: “No Problem Monsieur – it´s Black Life”
In einem anderen Internetcafe hat das Zuleitungskabel einen Wackelkontakt. Ständig bootet der Rechner neu und kostet unsere Nerven. „No Problem Monsieur“.
Ein ca. 14-jaehriger Junge wird herbei gerufen und muss das Kabel so geknickt halten, das kein Wackelkontakt entsteht. Immer wenn ich von dem Monitor aufschaue, grinst er mich an und sagt, “No Problem, Monsieur“.

Die Reparatur

Staubpiste

Wir sind fast 300 Kilometer entlang der marokkanisch – algerischen Grenze über staubige Pisten und größtenteils querfeldein gefahren. Entsprechend dreckig ist unser Deutz, als wir in der Oase Zagora ankommen. Wir werden von Mofafahrern umringt, die uns auf Deutsch zurufen: “Luftfilter ausblasen – abschmieren, no Problem Monsieur, mein Bruder ist großer Mechaniker“.
Wir fahren auf den einzigen Camping, der über einen Pool verfügt und beim Anlassen des Deutz klemmt der Anlasser, wie schon seit über zwei Jahren. Beim zweiten Versuch startet er problemlos, wie immer.
Dieses kleine Problem weckt natürlich den Geschäftsinn der Mechaniker und jeder will meinen Anlasser ausbauen. „No Problem“ antworte ich, was einige aber nicht davon abhält, uns bis zum Campingplatz auf ihren Mofas zu verfolgen.
Ein Mechaniker macht ein verlockendes Angebot: Für 30 Euro baut er den Anlasser auf dem Campingplatz aus, nimmt ihn mit, überholt ihn gründlich und baut ihn am nächsten Morgen wieder ein. Gezahlt wird nur bei Erfolg.
Der Anlasser ist schnell ausgebaut und mit dem Mechaniker und seinem Helfer verschwunden. Nach drei Stunden kommen sie zurück und im Schein der Taschenlampe wird das gute Stück montiert.
„Alles klar – starten“ Ich lege den Batteriehauptschalter um, schalte die Zuendung an und ziehe am Starterknopf. Ein ohrenbetäubender Donnerschlag und ein gleißender Lichtbogen erschüttern die Nacht. Dann ist Ruhe. Selbst die Grillen zirpen nicht mehr und auch der Esel ist ruhig. Der Mechaniker, der sich auf seiner Visitenkarte „Chefmechaniker“ nennt, grinst nicht mehr, sondern guckt mich mit offenem Mund und großen Augen an. Nur sein Lehrling unter dem Auto ruft: “No Problem Monsieur“.
Ich ärgere mich über mich selbst: Nie wieder wird irgendein Chefmechaniker auch nur eine Schraube an meinem Deutz drehen.
Bis ich mich von dem Schock erholt habe und aus dem Führerhaus geklettert bin, ist der Anlasser schon wieder ausgebaut und wieder mit den Mechanikern im Dunkel der Nacht verschwunden.
Nach weiteren zwei Stunden kommen sie diesmal zu dritt zurück. Wahrscheinlich hatte sich bei dem Startversuch Benzin-Luftgemisch entzündet. Die Erklärung scheint mir plausibel, denn ich konnte nichts sehen, was auf einen Kurzschluss deuten lies. Warum man einen Anlasser jedoch mit Benzin statt mit Diesel reinigt, bleibt wohl das Geheimnis des Chefmechanikers.
Ein erneuter Startversuch, diesmal mit weichen Knien und zittrigen Fingern.
Der Anlasser klemmt. Beim Zweiten Versuch springt der Motor an, genau wie vor der Reparatur. Also ist die Reparatur kostenlos.
Falsch: Die Reparatur wäre kostenlos gewesen, wenn der Anlasser nach der Reparatur nicht mehr funktioniert, aber er funktioniert, halt nur nicht besser als vorher.

Brunnen im Süden

Wir sind in Mauretanien

Die knapp 1000 Kilometer entlang der Atlantikküste in der Westsahara waren schnell zu befahren, kein Verkehr, aber durchgehend zweispurig geteert. Hier stellten wir einen Dieselsparrekord auf: 18,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Bei konstant 70 km/h, 25 Grad Außentemperatur und Windstille. Ansonsten liegt der Verbrauch um die 23 Liter auf Teer.
Unser Auto war von oben bis unten mit Öl besaut, aber nicht unser eigenes, wie ich zunächst erschreckt glaubte, sondern von den Rädern aufgewirbeltes Öl, das gelegentlich in kleinen Rinnsalen über die Straße floss. Immer wieder finden sich kleine Ölseen am Straßenrand oder im Straßengraben, die Marokkaner machen hier ihren Ölwechsel, auch die Lastwagenfahrer lassen hier gerne mal ihre 30 Liter Motorenöl ab.

Rumpeldiepumpel, weg ist der Kumpel

In Dakhla fahren wir zur Polizei, um die Ausreiseformalitäten zu erledigen. Der Umweg von 60 Kilometer wäre nicht nötig gewesen, inzwischen kann man alle Formalitäten in einem Zelt an der Grenze erledigen.
Ich gehe ums Auto herum und am Heck trifft mich fast der Schlag – das Reserverad ist weg, einfach weg. Bei genauer Inspektion stelle ich fest, das es den 20 mm Bolzen, der das Rad gegen Umkippen und Verlieren sichert, durchgebrochen hat.
Ich ärgere mich wahnsinnig über mich selbst, schon längst wollte ich eine zweite Sicherung anbauen und habe dieses Vorhaben immer wieder verschoben und jetzt ist es weg.
Der letzte Stopp, wo es noch da war, liegt 350 Kilometer zurück. Also umdrehen und suchen. Wir fahren die kompletten 350 Kilometer zurück und finden es nicht. Wieder wenden und zurück nach Dakhla.
Ein Reserverad, wir brauchen nur die Decke, in dieser Größe (14:00 R20) ist nicht zubekommen. Der freundliche Reifenhändler telefoniert mit seinem Lieferanten in Laayoune, dann mit der Zentrale in Agadir. Diese meldet sich nach einiger Zeit, dass es möglich wäre einen Neureifen aus Casablanca zu schicken. Das Ding soll 600 Euro kosten plus Transport, Wartezeit ca. 5-6 Tage. Wir fahren erst mal ohne.

Mitten im Minenfeld

Die Teerstrasse endet an einer Baracke. In der Baracke befindet sich die Abfertigung der marokkanischen Polizei und des Zolls. Nach zwei Stunden sind alle erforderlichen Stempel im Pass. Unser Reiseführer warnt eindringlich vor Minen, man soll die Piste zwischen der marokkanischen und der mauretanischen Grenzabfertigung nicht verlassen und auch auf mauretanischem Gebiet bis zum Erreichen der Teerstrasse nicht mal zum Pinkeln neben die gut erkennbare Piste treten.
Den mauretanischen Posten finden wir zufällig in seinem Zelt, von gut zu erkennender Piste kann keine Rede sein. Wir folgen der alten spanischen Teerstrasse, bis diese von einer nicht zu bezwingenden Sanddüne blockiert wird. Wir wenden (neben der Piste) und folgen Fahrspuren Richtung Süd, bis diese vom Wind so zugeweht sind, dass sie nicht mehr zu erkennen sind. Wir wenden, finden neue Spuren und folgen diesen, immer Richtung Süd.
Zirka 1 Kilometer im Osten sehe ich plötzlich einen Lkw fahren, mit hoher Geschwindigkeit und ohne Staubwolke. Wir folgen den nächsten Spuren (wo schon jemand gefahren ist, liegen keine Minen) Richtung Ost und nach einem Kilometer trennt uns nur noch ein Graben von der neuen Teerstrasse nach Nouadhibou. Langsam senkt sich der Puls.

Der teuerste Reifen meines Lebens

ReifenhandlungWir kommen nach Nouadhibou. Zunächst glauben wir, die 100.000 Einwohner zählende Stadt besteht aus 25.000 Blechhütten. Im eigentlichen Zentrum ändert sich wenig, nur die Hütten sind gemauert. Ziegen laufen in der Stadt umher und Müll wird durch die Luft gewirbelt. Autos und selbst die Busse und Taxen würden wir als schrottreif bezeichnen.
Wir gehen auf einen Campingplatz mitten in der Stadt, um zu Fuß die notwendigen Gänge zur Versicherung und Polizei zur Registrierung machen zu können.
Auf den Strassen sehe ich Mercedes Lkw, die raus in die Wüste fahren. Alle haben 14.00 Bereifung, genau die Größe, die wir brauchen. Am nächsten Tag nehmen wir uns einen Führer und fahren von Reifenhändler zu Reifenhändler. Neureifen sind nicht zu bekommen (wollen wir auch keine) nur gebrauchte Bundeswehrreifen aus Deutschland. Diese jedoch zum Preis eines Neureifens. Unser Führer, ein alter klappriger Mann, gibt sich Mühe, kreuz und quer geht es durch die Stadt. Die Preise fallen nur langsam. Letztendlich einigen wir uns auf 200,- Euro für einen abgefahrenen Schrottreifen. Aber die Karkasse scheint okay zu sein und so kaufe ich den teuersten und abgefahrensten Reifen meines bisherigen Lebens.
Unser Führer zeigt uns noch einen Schwarztauscher, der für einen Euro 380 Ouguiya statt der offiziellen 325 gibt. Zum Schluss möchte er für seinen Vormittag Arbeit umgerechnet 3 Euro haben. Für den bescheidenen Preis geben wir ein großzügiges Trinkgeld.

Der längste Zug der Welt

Wir verlassen Nouadhibou genau in Richtung Osten. Die Piste führt entlang der Eisenbahnlinie, die das Erzabbaugebiet Zouerat mit dem 800 Kilometer entfernten Nouadhibou verbindet. Die Erzzüge befahren die Strecke mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h und werden teils von drei schweren Dieselloks gezogen und von zwei Loks geschoben. Der Zug gilt als der längste Zug der Welt.
Erzzug
Wir folgen der Strecke über endlos lange Schotterebenen und einigen Dünenfeldern, die ein Luftablassen der Reifen erforderlich machen. Für die knapp 400 Kilometer lange Piste bis Choum brauchen wir drei Tage. Eine Nacht stehen wir direkt am Bahngleis und werden von den schweren Dieselmotoren der Loks geweckt. Als der Zug endlich auf unserer Höhe ist bietet sich ein spektakuläres Bild: Die Räder der Erzwagen schlagen teilweise Feuerfunken, wenn sie an den Gleisen entlang drehen.
Unterwegs sehen wir zwei oder drei Stellen, wo es zu einem Unglück gekommen sein muss. Erzwagen liegen verbeult auf einem Haufen im Sand neben der Strecke.
In Choum kaufen wir ein. Obwohl wir nur für unser Abendessen Gemüse kaufen haben wir fast den gesamten Markt aufgekauft. Ein Erlebnis war der Metzger, der mit einer Axt das auf dem Boden liegende Kamel in Stücke hackt und verkauft.
Wir ändern die Richtung von 90 Grad Ost auf 180 Grad Süd und erreichen nach 120 Kilometern ausgefahrener Piste die Stadt Atar.

tankstelle

Drei Kilometer vor der Stadt steht ein vollbesetztes Taxi mit plattem Reifen am Straßenrand. Wir halten und bieten unsere Hilfe an. Schnell ist der Druckluftschlauch ausgepackt, mit unserem Kompressor verbunden und der Reifen wieder fahrbereit, zumindest bis in die Stadt. Jetzt fehlt nur noch Diesel, denn das Taxi ist völlig trocken gefahren. Wir holen den Bergegurt aus der Dachbox und binden den Mercedes hinter den Deutz.
An der Tankstelle müssen alle Fahrgäste den Fahrpreis entrichten, es reicht für 6 Liter Diesel und die Taxifahrt geht weiter.
Inzwischen haben wir einige Fahrzeuge mit platten Reifen am Straßenrand wieder flott gemacht, Werkzeug verliehen und abgeschleppt. Immer kostenlos – klar. Die Mauretanier sind allerdings geschäftstüchtiger. Ein Spanier sollte für das Abschleppen seines Pajero 200 Euro zahlen.
Wir füllen unsere Vorräte an Wasser und Lebensmittel, wobei sich Lebensmittel auf Brot, Kartoffel, Zwiebel, Karotten, Mehl, Öl und - zum Glück - Coca-Cola beschränkt, viel mehr gibt es in ganz Mauretanien nicht zu kaufen.

Das Hotel im Krater

Nächstes Ziel ist der Krater Guelb er Richat, ca. 250 Kilometer östlich von Atar. Der kreisrunde Krater mit einem Durchmesser von knapp 50 Kilometer ist einzigartig in der Sahara. Früher ging man von einem riesigen Meteoriteneinschlag aus, inzwischen setzt sich die Meinung durch, es handele sich um eine vulkanische Erscheinungsform. Doch abschließend geklärt ist dieses geologische Phänomen noch immer nicht.
Die Piste lässt sich gut befahren und wir durchfahren den Krater zwei Tage später von Nord nach Süd.
TeezeremonieIn der Mitte des Kraters gibt es einen Brunnen. Hier lebt eine Familie, die an ihrer Strohhütte ein Schild „Auberge - Restaurant“ angebracht hat. Wir halten, um einen Tee zu trinken um ihnen so die Chance zu geben, etwas zu verdienen. Es gibt die obligatorischen drei Teerunden. Für jede Runde wird Tee frisch gekocht und mit jeder Runde stärker gesüßt. Ich darf fotografieren.
BrotbackenFrisch gebackenes, noch heißes Brot wird gereicht. Wir wollen den Backofen sehen und werden zu einem runden Sandplatz geführt. Hier wird nach alter Tradition das Fladenbrot mit Holzfeuer im Sand gebacken.
Als wir nach zwei Stunden aufbrechen, möchte man kein Geld haben, Tee und Brot gehören zur traditionellen Gastfreundschaft, dafür nimmt man kein Geld. Was anderes hätten wir in dem Restaurant aber nicht kaufen können, es gibt nur Tee und Brot.
Wir verabschieden uns und gehen zum Auto. Keiner kommt hinterher gerannt um zu betteln, keine Frage nach Shirts, Taschenlampen, Sonnenbrillen – seltsam.
Ich packe etwas Tee, Zucker und Mehl , so dass es für die doppelte Menge Brot und Tee reicht als wir gegessen und getrunken haben und bringe es zur Hütte. Sie sind wirklich überrascht, dass ich nochmals zurückkomme und freuen sich aufrichtig über das Geschenk.

Chinguetti

Wir sind auf der Rückfahrt vom Krater Guelb er Richat. Anstatt der guten Piste über das Felsplateau wählten wir den schwierigeren, aber landschaftlich viel schöneren Weg durch die Dünen nach Chinguetti.
Gulb er richad

Ein junger Mann bietet uns seine Hilfe an. Wir brauchen Wasser, möchten ein paar Lebensmittel (Kartoffeln, Zwiebel, Cola) kaufen, uns den Ort ansehen und einen preiswerten Camping finden. Alles kein Problem. Wir könnten im Garten seiner Familie campen, Wasser bei seinem Haus bekommen, seine Familie könnte für uns kochen wie im Restaurant, er wäre so froh, wenn seine Familie etwas Geld verdienen könnte. Okay, die Chance sollen sie haben, zumal die Preise wirklich günstig sind. Wir bestellen Tagine für 19 Uhr in seinem Haus.
Wasser gibt es dann doch keins, Wasser wird seit Tagen für die Hotels gebunkert. Montag kommen die ersten Touristen und die wollen natürlich in der Wüste duschen.
19 Uhr - Essen wie im Restaurant
Wir betreten das Grundstück durch nur noch an einer Angel hängende Eisentuer. Im Innenhof liegt Müll, vom Altölkanister über Kartoffelschalen hin zu leeren Fischdosen.
Gegenüber der Eingangstuer steht ein Nomadenzelt, vor dem auf einer Matte die Familie im Kreis sitzt. Links ein Lehmhaus ca. drei mal fünf Meter ohne Möbel, lediglich ein paar Decken liegen auf dem Boden und rechts ein Lehmofen.
Wir setzen uns zu der Familie im Kreis, heute ist der erste Tag des Ramadans, gleich ist die Sonne weg und es wird gegessen. In der Mitte des Kreises steht der Weltempfänger aus dem ein religiöser Sprechgesang ertönt. Der Einzige der ernsthaft dem Radio lauscht, ist ein alter Mann, wohl das Familienoberhaupt.
Auf einem Tablett stehen sechs Tassen, scheinbar gefüllt mit schmutzigem Aufwaschwasser. „Ganz schön clever“ denke ich mir, versammeln sich doch alle Fliegen auf den Tassen und man muss nicht ständig die Plagegeister aus dem Gesicht vertreiben. Ich hätte die Tassen nur an eine andere Stelle gestellt, sehen ja nicht sonderlich appetitlich aus, ich gucke am besten nicht so oft hin, dann wird mir auch nicht schlecht.
Endlich, der Prediger im Radio gibt das Signal zum Essen.
Mit einer schnellen Handbewegung vertreibt die alte Frau die Fliegen und reicht mir eine der Tassen mit Getreidesuppe. Mir wird übel.
Zwei Stimmen in mir reden auf mich ein: “Aus Höflichkeit wirst du wenigstens probieren“. „Fass die Tasse nicht an, sonst spuckst du mitten ins Zelt“, „Ist doch nur Wasser und Getreide, esse ruhig“, „Probier auch nur einen Schluck und der Abend ist beendet, lass dir was einfallen.“ Ich spüre Schweißperlen auf meiner Stirn. Endlich die Tasse wird an meinen Nachbarn weitergereicht, auch Sabine hat sich erfolgreich gedrückt.
Als nächstes macht eine Schüssel mit Wasser und geronnener Ziegenmilch die Runde. Jeder greift in die Schüssel und rührt die sich absetzende Milch mit der Hand auf.
Ich drücke mich wieder erfolgreich. Ich würde das Doppelte des Menüpreises zahlen, wenn ich ohne zu essen gehen könnte.
Endlich eine Teerunde. Das dritte Glas halte ich fest, so kann ich bei jedem weiteren Gang sagen: „Ich habe noch Tee, Danke“. Ich gebe das Teeglas nicht mehr her.
Die Tagine wird gebracht. Sieht gut aus, frisch gekocht, ohne Fliegenschwarm. Die Tagine besteht aus Kartoffeln, Zwiebel und Hühnchen und schmeckt. Wir essen uns satt.
Gegen 22 Uhr fahren wir in den Garten.
Der Garten liegt zwei Kilometer außerhalb in einem Palmenhain, ein schöner Platz für die Nacht. Hier sind wir allein mit Ziege, Esel und Kamel. Und einem Hahn, wie wir am nächsten Morgen im Morgengrauen feststellen, vorbei die himmlische Ruhe. Hätte ich das geahnt, hätte ich am Abend vorher ein Hühnchen extra bestellt.

Die Ziege

Inzwischen sind wir in der Sahelzone, die Sahara liegt hinter uns. Ich fotografiere gerade den Sonnenuntergang, als ein Mercedes Geländewagen neben uns hält und ein gut gekleideter Mann uns zu sich in sein Zelt - drei Kilometer weiter - einlädt.
Mauretanier

Wir finden es immer spannend, wie solche Abende ausgehen und fahren spontan hinter ihm her. Es ist dunkel, als wir auf seinem Grundstück ankommen, jedoch ermöglicht der Vollmond einen guten Blick. Das Grundstück ist frei von Müll, dazu hat man extra ein großes Loch gegraben, wo alles versenkt wird. Auf dem Grundstück gibt es ein großes Nomaden-Zelt, einen Lehmofen und einen der typischen Hangars, eine Betonplatte mit einem schattenspendendem Dach. Bei der Teerunde kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: Er wohnt in Nouakchott, der Hauptstadt, hat dort mehrere Geschäfte und Häuser, betreibt ein Importgeschäft und reist dazu regelmäßig vor allem nach Thailand und Malaysia. Hier in Mauretanien gehören ihm über 400 Rinder und unzählige Ziegen, wie viele Leute hier für ihn arbeiten weis er nicht. Er kommt nur zum Urlaub hier her, wo sein Großvater als Nomade lebte. Sein Vater ist damals in der großen Dürre in die Hauptstadt gezogen, um hier nicht zu verhungern.
Der schwarze Diener (wir gehen davon aus, dass es sich um einen Diener und nicht um einen Sklaven handelt, Sklaverei wird in Mauretanien noch betrieben, ist aber seit Mitte der 80iger Jahre verboten worden) bringt frisch gemolkene Milch in einer großen Schüssel. Dazu frische süße Datteln. „Was möchtet ihr Essen, lieber jetzt Couscous oder später ein Stück von der Ziege ?“ „Wir haben keinen Hunger, wir essen lieber später von der Ziege.“
Der Diener ruft und ich bekomme das Zeichen mitzukommen. Im Taschenlampenlicht liegt eine Ziege gefesselt und mäht um ihr Leben. Der Diener wetzt das Messer und gibt es seinem Herren, der es gleich an mich weiterreicht, die Ziege auf den Rücken dreht und den Kopf überstreckt. Mir rasen Gedanken durch den Kopf: Ich soll doch wohl nicht die Ziege abstechen. Die wird doch wohl nicht wegen uns geschlachtet.
Ich gebe das Messer zurück und sage: “Ich kann damit nur Kartoffeln und Zwiebeln schälen, wir können auch gerne Couscous essen.“ Ahmed lacht, nimmt das Messer und mit einem Schnitt verstummt das Mähen der Ziege. Blut versickert im Sand und langsam verstummt auch das Röcheln. Wir gehen zur Teerunde, der Diener entfacht Feuer und eine Stunde später serviert er Sabine und mir zwei herrlich gegrillte Ziegenkeulen.

Am nächsten Tag möchte Ahmed uns das Grab seines Großvaters zeigen und uns zur Jagd mitnehmen. So bleiben wir über Nacht.
Am nächsten Morgen hat der Diener bereits Brot gebacken, Tee gekocht und Wasser und Öl im Mercedes kontrolliert.
Es geht raus in die Steppe. Wir drehen eine Runde um das Grab des Großvaters und hüllen es in eine Staubwolke. Es findet sich nichts zum Jagen. In einem Baum sitzen Tauben, das Gewehr wird geladen und aus dem Auto heraus geschossen. Die Tauben fliegen davon, nur eine stürzt zu Boden und läuft hin und her. Ahmed ist stolz auf seinen Treffer. Ein Flügel ist getroffen. Wir lassen die Taube zurück und fahren wieder zu Ahmeds Zelt.
Unterwegs begegnet uns der Landcruiser des Polizeichefs. Beide halten an und die Fahrzeuge stehen 20 Schritte voneinander entfernt. Nichts passiert, Spannung liegt in der Luft. Endlich, der Polizeichef setzt seinen Wagen zurück und eine herzliche Umarmung und Begrüßung findet statt. Anschließend fragt Ahmed mich dreimal, ob ich bemerkt hätte, das der Polizeichef zurückgefahren sei und nicht er.
Wir verabschieden uns bei seinem Zelt. Uns ist klar, dass unsere üblichen Gastgeschenke wie Zucker, Tee und Öl eher eine Beleidigung darstellen. Aber für so eine großzügige Gastfreundschaft haben wir kein angemessenes Geschenk. Wir sagen, dass wir uns gerne bedanken würden, aber nur Kleinigkeiten haben und überreichen eine Flasche kostbares Parfüm. „Ich habe soviel Geld, ich kann alles kaufen was ich will, gebt eure Geschenke den armen Leuten auf der Strasse oder denen in Mali. Ich habe euch eingeladen und erwarte keine Geschenke. Im Moment sind zwei Container Parfüm aus Asien auf dem Weg zu mir.“ Er weigert sich, die Flasche anzunehmen, dafür lädt er uns zu seiner Familie in Nouakchott ein, wenn wir auf der Rückreise sind. Zudem gibt er uns seine Visitenkarte, schreibt seine private Mobilnummer drauf und meint: “Wenn ihr in Mauretanien Probleme habt, ruft mich an. Ich habe viel Geld und Einfluss. Ich kann fast alle Probleme lösen.“
Wir fahren von Ayoun el Atrous in Richtung Süden. Zu unserer Überraschung gibt es eine völlig neue Asphaltstrasse und so sind die 140 Kilometer schnell gefahren.

Mercedes

Die Ausreise aus Mauretanien verläuft zunächst freundlich und unkompliziert, bis der Zöllner 10 Euro Stempelgebühr verlangt. Diese Stempelgebühr zahlten wir auch schon bei der Einreise und bekamen als Quittung einen fotokopierten Zettel mit einem Stempel. Ich fragte mich die ganze Zeit, wie will jemand kontrollieren, wie viele Zettel ausgegeben werden und wie viel Euros der Zöllner einnimmt. Zumal offiziell nirgends etwas von einer Stempelgebühr zu lesen ist. Also zahlen wir erst mal nichts. Der Zöllner meint, 10 Euro seien ja nicht viel Geld für Europäer. Wir bleiben dabei, heute gibt es kein Geld von uns. Nach einer halben Stunde gibt er auf. Er haut die Stempel in den Pass und sagt: Er hätte vier Jahre Dienst an der senegalesischen Grenze getan, es sei immer das Gleiche. Italiener, Spanier, Franzosen, selbst Holländer und Schweizer zahlen immer sofort, nur Deutsche und Engländer diskutieren lieber zwei Stunden, bevor sie 10 Euro zahlen.
Er gibt mir die Pässe zurück und es folgt die Frage nach einem Geschenk, wo doch schon der Stempel kostenlos war. Ich mache den Vorschlag, dass er Tee kocht und ich den Zucker als Geschenk beisteuere und wir zum Abschluss Tee zusammen trinken. Er hat keine Lust und wir können fahren. Zum Abschluss winkt er uns noch freundlich hinterher.

Afrika wie im Bilderbuch

Die Landschaft ändert sich von Kilometer zu Kilometer. Wir fahren an den ersten Wasserlöchern vorbei, wo riesige Rinderherden getränkt werden. Wir sehen den ersten Baobab, einen riesigen Urwaldbaum.
Wir freuen uns über die ersten Hirse- und Maisfelder, wird doch jetzt unser Speiseplan etwas abwechslungsreicher.

Bilderbuch

Wir fahren durch Dörfer, Kinder winken uns zu, Frauen in bunten Kleidern tragen Wassertröge und Schüsseln mit Wäsche oder Essen auf dem Kopf. Der Einkauf auf dem Markt wird nicht in Plastiktüten verpackt, sondern in große Schüsseln auf dem Kopf nach Hause getragen.
MenschenEs sieht genau so aus wie in einem Bilderbuch, das ich als Kind hatte. Runde Lehmhütten mit Bast gedeckt, daneben ein paar Esel und Ziegen. Feuer, auf dem gekocht wird und Brunnen, aus denen mit Eimern das Wasser gezogen wird. Nur die Baströcke der Frauen sind durch bunte Tücher ersetzt. Und in meinem Kinderbuch stand nicht, dass alle nach Geschenken betteln.
Die Märkte werden bunter, Erdnüsse, Orangen, Bananen, Wassermelonen und Früchte, die wir (noch) nicht kennen, gibt es zu kaufen.
lagerfeuerWir fahren weiter, Bäume mit frischen grünen Blättern kommen ins Bild. Morgens werden wir von vielfältigem Vogelgesang geweckt. Einige Vögel sehen aus wie unsere Wellensittiche, nur in der Größe einer Elster. Vielleicht kleine Papagaien ? Schmetterlinge fliegen umher. Das Reisen macht richtig Spaß.
Allemande, c´est bon
Wir genießen überall hohes Ansehen. „Allemande, c´est bon“ und dazu den gehobenen Daumen. Zum einen, weil wir aus dem Land kommen, wo die guten Mercedes her sind und wegen unserer Politik im Irak. Wir nehmen das Lob immer gerne an, ohne sie zu belehren, dass wir den Schröder gar nicht gewählt haben.
Von der Qualität einer Mercedes bin ich inzwischen selbst überzeugt. Fast alle Lastwagen und Taxis sind hier von Mercedes und werden erbarmungslos gequält. Schlaglochpisten, wo man in Deutschland denkt, dass dies kein Auto länger als 100 Kilometer bei vorsichtiger Fahrweise übersteht, werden hier Jahrein Jahraus mit Vollgas in völlig überladenem Zustand befahren.

Bamako

Die Piste mündet in eine gute Teerstrasse, wir kommen schneller voran als geplant und könnten gegen Mittag die Hauptstadt Bamako erreichen. Dort muessen wir Geld tauschen, eine Versicherung fürs Auto abschließen und das Visa für Burkina Faso besorgen.
Bamako

Wir beeilen uns, vielleicht können wir einige Dinge noch heute (Freitag) erledigen und brauchen nicht das Wochenende in der Stadt bleiben. Ich gebe Gas.
Shit, vor der Stadt winkt ein Polizist zum Halten. Es kommt schlimmer, ich soll vor der Polizeistation parken, den Motor abstellen und mit allen Papieren mitkommen. Schade, das war es dann wohl. Die Papiere werden zurückgegeben, zu schnell waren wir nicht, gut.
Der Polizist zeigt auf ein Schild, das die Tonnage auf 5,5 Tonnen begrenzt. Aber das Schild steht vor uns, wir haben also noch kein Verbrechen begangen. Der Polizist erklärt mir einen Weg in die Stadt, der recht kompliziert zu sein scheint, zudem müssen wir ca. 10 Kilometer zurück, um einen anderen Weg an der Abzweigung zu nehmen.
Ich will dadurch! Preisverhandlungen beginnen, damit die Polizei weg sieht, wenn ich das Verbotsschild passiere. 12 Euro soll es kosten. Ich erzähle Geschichten, die Polizisten lachen, wir haben Spaß, langsam senkt sich der Preis. Die Verhandlungen gehen weiter und wir kommen zu einem guten Ergebnis: Wir zahlen 1,20 Euro in bar, also ein Zehntel, keine Geschenke, keine Bettelei, dafür muss aber ein Polizist mit dem Moped vor uns her fahren und uns zur Botschaft von Burkina führen.
Wir fahren dem Moped hinterher und wundern uns über den Weg, es geht quer durch die Stadt und nicht zu dem im Reiseführer beschriebenen Viertel. Die Botschaft ist umgezogen. Wir hätten sie nie gefunden.
Die Investition von 1,20 Euro hat sich gelohnt. Das Visa bekommen wir innerhalb 30 Minuten. Jetzt fehlt uns nur noch Geld und die Versicherung.
Ich frage den Polizisten, wo ich Geld tauschen kann, am Besten schwarz.
Sabine bleibt beim Deutz und ich setze mich als Sozius hinten auf sein Moped. In wilder Fahrt geht es durch Bamako. Auf der Kreuzung von links ein Bus, von rechts ein LKW und wir mitten durch. Ich habe Angst.
Wir biegen in eine Seitengasse und uns werden bündelweise Geldscheine entgegen gehalten. Mit den Händlern bin ich schnell einig, doch nach dem Tausch beginnen lange Verhandlungen über Provisionen zwischen Händler und Polizist. Geld wird zugesteckt, die Summe darf ich nicht sehen, Geschäftsgeheimnis.
Wieder auf´s Moped und zurück.
Die Versicherung hat inzwischen geschlossen, doch der Polizist versichert uns, dass wir keine Probleme mit der Polizei bekommen, wenn wir ohne Versicherung nach Segou fahren und sie dort abschließen. Nach vier Stunden war alles erledigt, wir bedanken uns und geben dem Polizisten die Differenz zwischen Schwarzmarktkurs und Bankkurs, ca. 8 Euro. Mit soviel hatte er bei uns wohl nicht gerechnet, denn die Freude sah man ihm deutlich an, auch gab es wie verabredet zum Schluss keine Bettelei und keine Frage nach weiteren Geschenken.
In einer Apotheke wollen wir einige Medikamente kaufen. Der Apotheker kennt weder den Namen des Medikamentes noch den Wirkstoff. Er holt ein dickes rotes Buch aus dem Schrank, scheinbar die Bibel der Apotheker, und sucht vergeblich. Er sagt, dass Medikament muss ein ganz Neues sein, was in seinem Buch noch nicht aufgeführt ist. Die neuen Medikamente gibt es in Mali nicht.
Als er sein Buch zuschlägt, sehe ich, es ist von 1991.
Über gute Asphaltstrasse fahren wir von Bamako nach Mopti.

Mopti stinkt

Nur wenige reiche Bewohner können sich einen Wasser- und Abwasseranschluss leisten. Die Abwässer werden direkt in die schmalen Kanäle neben der Strasse geleitet. Während der Regenzeit schwimmt die Stadt in ihrer eigenen Sch... Viele Hausbrunnen sind dann verseucht und es kommt regelmäßig zu Epidemien.
BuschtaxiWir machen einen Rundgang durch die Altstadt und über den Markt hin zum Hafen.
Von der Terrasse eines Restaurants haben wir einen schönen Blick auf das Treiben im Hafen. Pirogen werden be- und entladen mit Getreide, Salz, Stoffballen und Tieren. Aber auch Ölfässer, Mofas und Holzkisten werden verstaut.
Im Hafenbecken werden Mofas gewaschen. Direkt daneben waschen sich einige Männer von Kopf bis Fuß und Frauen ihre Wäsche. Als ein Viehhändler seine Ziegen waschen will, rückt man ein bisschen dichter zusammen und so passen auch die Ziegen mit ins Wasser.

Kopfarbeit

Wir sind immer wieder überrascht, wie geschickt die Frauen ihre Tröge, Kalebassen und Schüsseln auf dem Kopf balancieren können. Geübt wird schon im Kindesalter, wenn die kleinen Mädchen Wasser vom Brunnen holen und es in Eimern, die sie von Erwachsenen auf den Kopf gestellt bekommen, weil sie so schwer sind, dass sie diese selbst nicht gehoben bekommen, nach Hause tragen.
KopfarbeitDie Eimer sind fast randvoll und es geht kein Tropfen verloren.
Auch ihre Schultaschen werden auf dem Kopf zur Schule getragen.
Ich sehe eine Frau, die mit einer Schüssel auf dem Kopf Fahrrad fährt.
Eine andere trägt ihren gesamten Marktstand auf dem Kopf. Dazu wurde der Tisch verkehrt herum auf den Kopf gestellt und auf den Tisch sechs große Körbe mit geräuchertem Fisch.
Das kurioseste sahen wir in Segou. Fünf sehr gut gekleidete, vornehme Frauen schlenderten durch die Stadt. Auf dem Kopf trugen sie ihre Designer-Handtaschen.
Am Straßenrand steht ein Tanklastzug, der seinen Auflieger verloren hat. Dieser ist die Böschung hinunter und der Fahrer wartet seit zwei Wochen auf einen Kran, der aus dem knapp 400 Kilometer entfernten Bamako kommen soll. Wie selbstverständlich wird er aus dem nahen Dorf mit Essen und Wasser versorgt. „In ein paar Tagen wird der Kran kommen“.
120 Kilometer weiter sehen wir einen Kranwagen am Straßenrand, das Getriebegehäuse ist geplatzt und nicht mehr zu reparieren. Seit Tagen liegt der Fahrer im Schatten seines Kranes und wartet auf ein neues Getriebe. „In ein paar Tagen wird ein Getriebe kommen“.
Insgesamt sehen wir fast alle 20 Kilometer einen Lkw am Straßenrand mit unlösbaren Problemen, die Fahrer schlafen unter ihren Autos und warten wochenlang auf Hilfe oder Ersatzteile. Völlig normal.
Verschiede Sichtweise
Wir lernen einen netten Studenten in Timbuktu kennen. Wir verbringen den Nachmittag zusammen und laden ihn Abends zum Essen ein.
„Ich habe Europa gesehen.“
„Warst du schon mal dort?“
„Nicht direkt, aber so gut wie. Ich habe mal Urlaub in Marokko gemacht, das ist wie Europa. Ganz viele Autos, sogar Ampeln und Häuser mit drei Etagen.“
„Ich kenne Leute, die haben Urlaub in Marokko gemacht und die sagen, sie hätten Afrika gesehen“ Er kriegt sich vor Lachen kaum noch ein.
Wir fahren ins Land der Dogon östlich von Mopti.
Dogon

Die Dogon leben entlang einer ca. 150 Kilometer langen und 300 Meter hohen Felswand aus Sandstein. Die Dörfer kleben teilweise in der Felswand und sind nur durch Fußwege zu erreichen. Aufgrund ihres relativ isolierten Lebensraum haben sie ihre alten traditionellen Riten und ihren Maskenkult beibehalten, trotz einer massiven Islamisierung und zahlreicher Touristen.
Wir fahren in den Ort Songo, wo unter einem Felsüberhang ein Initiationsplatz liegt, auf dem die Jugendlichen nach altem Kult durch die Beschneidung in die Glaubens- und Erwachsenenwelt eingeführt werden.
Die Beschneidung der Mädchen ist inzwischen offiziell verboten, ob sie noch durchgeführt wird, wollte uns keiner sagen.
Für die Besichtigung des Ortes ist eine Gebühr von 1,20 Euro zu zahlen und ein Führer ist obligatorisch, dieser kostet ebenfalls 1,20 Euro. Unser Führer spricht gut Englisch und ist der Dorflehrer. Wir können fotografieren, bekommen viele Dinge erklärt und werden auf dem Rückweg zum Dorfplatz, wo unser Deutz steht, gefragt, ob wir eine der drei Wasserpumpen des Dorfes reparieren können.

Die Reparatur

Die Pumpe ist eine der vielen Handpumpen, wie sie als Entwicklungshilfe zahlreich nach Mali geliefert wurden. Sie ist demontiert und ein Pumpenteil steckt im Brunnen in 25 Meter Tiefe fest.
Brunnen ReparaturWir sollen es mit dem Deutz nach oben ziehen, Esel und Pferd seien zu schwach. Schnell ist der Deutz geholt und das Seil eingehackt. Das Seil spannt sich und reißt. Inzwischen ist das ganze Dorf am Brunnen versammelt. Das Seil wird geknotet und doppelt genommen. Ich drehe den Deutz um, damit ich mit der Seilwinde gleichmäßiger ziehen kann. Neuer Versuch. Der eiserne Haken, der in der Tiefe an der Pumpe befestigt ist, biegt sich auf und rutscht ab. Der Dorf-Schmied muss kommen. Ein neuer Haken wird schnell mit einfachsten Mitteln gebogen. Der Schmied ist ein wahrer Meister. Beim erneuten Versuch bricht der Haken ab.
Inzwischen ist es später Nachmittag. Wir brechen ab. Über Nacht soll der Schmied einen neuen Haken bauen. Wir dürfen kostenlos auf dem Campingplatz übernachten. Der Buergermeister lässt uns Reis mit Hühnchen zum Abendessen bringen. Die Souvenirhändler beschenken uns und die Bauern bringen einen großen Korb mit Erdnüssen. Man ist wirklich dankbar für unsere Hilfe, auch wenn sie leider erfolglos blieb.

Schluss mit Lustig

Im letzten Sonnenlicht kommt eine Frau mit ihrem vielleicht sechsjährigen Mädchen zu uns und zeigt uns eine fürchterliche Wunde am Bein des Kindes. Der Verband, bestehend aus einem Stofffetzen war seit Tagen, vielleicht noch nie gewechselt worden und entsprechend schmutzig. Fliegen umschwärmten die Wunde und waren in großer Zahl unter dem Verband. Grausam. Sabine reinigte und desinfizierte die eitrige Wunde und legte einen neuen Salben-Verband an. Mich ärgerte es, dass die Mutter nicht sorgfältiger die Wunde versorgte, doch scheinbar hatte sie von Hygiene noch nie etwas gehört.
Inzwischen waren zahlreiche Kranke und vor allem Mütter mit Kindern um unser Lager versammelt. Wir waren geschockt von den deutlich unterernährten und mangelernährten Kindern, vor allem Mädchen. Fast alle Kinder waren übersät mit eitrigen Hautinfektionen und scheinbar seit Wochen nicht gewaschen worden. Hygiene – noch nie gehört.
Ich will, dass der Dorflehrer kommt. Er soll mir sagen, warum die Mütter ihre Kinder so verwahrlosen lassen, warum sie die Infektionen nicht behandeln, warum sie nicht zum Arzt gehen.
Die Antwort des Lehrers ist einfach, das Krankenhaus ist zu weit weg, der Arzt und Medikamente zu teuer.
Ich mache den Vorschlag, dass wir einen weiteren Tag bleiben, ich am nächsten Morgen die schlimmsten Infektionen fotografiere und zum Krankenhaus fahre, um die Behandlung mit einem Arzt zu besprechen.
Der Lehrer ist einverstanden.
Am nächsten Morgen nehmen uns zwei Touristen aus Frankreich in ihrem Gelaendwagen mit in die 12 Kilometer entfernte Stadt Bandiagara. Der Arzt im Krankenhaus ist überhaupt nicht begeistert von meiner Idee.
„Die Touristen sollen aufhören irgendwelche Medikamente in der Bevölkerung zu verteilen, gebt eure Medikamente hier im Krankenhaus ab und kümmert euch nicht um Dinge, die euch nichts angehen.“ Schock, mit der Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Wie naiv sind wir eigentlich ? Was machen wir hier überhaupt ? Warum sitzen wir nicht mit den anderen Touristen in einem guten Restaurant und zeigen den hungernden Kindern auf der Strasse, wie viel leckere Sachen in so einen weißen Bauch rein gehen ?
(Abends hören wir auf der Deutschen Welle im Radio, dass es in Deutschland ein Gesundheitsprogramm gegen die Fettleibigkeit von Kindern geben soll.) „Würden wir einfach Medikamente verteilen, wären wir jetzt nicht hier. Wir möchten eine medizinische Beratung und zahlen auch dafür.“
Wir werden in ein Büro geführt und warten. Nach 15 Minuten kommt der Arzt in Begleitung einer belgischen Ärztin, die Deutsch spricht.
Wir erläutern unsere Idee: Ich möchte am Abend in der Dorfschule ein Kurs in Hygiene anbieten. Wie man durch Auskochen von Stoff einen sterilen Verband herstellen kann, wie man mit abgekochtem Wasser und etwas Salz Wunden reinigen kann, wie wichtig es ist, Wäsche nicht im Fluss zu waschen, sondern zu kochen, insbesondere bei Erkrankungen durch Würmer und Milben.
Die Atmosphäre entspannt sich, die Ärzte erzählen, das es viele solcher Kurse gegeben hat, in jedem Dorf ist ein Hygienebeauftragter, der auch eine kleine Sanitäterausbildung hat, aber die Bewohner sind zu nachlässig.
Kinder werden in der Regel nicht zum Arzt gebracht, Mädchen schon gar nicht. Wenn ein Kind stirbt ist das der Wille der Geister, im nächsten Jahr gibt es ein neues Kind. Das zu zeugen ist einfacher und billiger als der Arztbesuch.
Kranke Kinder werden den Touristen gezeigt, weil viele Touristen dann Geld für Medikamente geben, doch das Geld wird für andere Dinge ausgegeben.
Im übrigen kostet eine medizinische Untersuchung mit Diagnose soviel wie eine Flasche Bier und die Entfernung spielt keine Rolle, laufen die Väter und Mütter doch jede Woche auf den Markt in die Stadt. „Das Leben ist grausamer als man es sich vorstellt“ ,sagte die Ärztin.
Ich zeige den Ärzten die Bilder, alle Infektionen kommen durch Mangelernährung und mangelnde Hygiene.

Die Reparatur zweiter Teil

Wir kommen aus der Stadt zurück und werden bereits erwartet.Der Schmied hat einen neuen Haken gefertigt. Dazu wurde aus einem der vornehmeren Häuser ein Fenstergitter ausgebaut und zu einem Haken gebogen.Wir fahren zum Brunnen, das Dorf ist bereits versammelt. Doch bevor es los geht muss der Iman aus der Moschee kommen und seinen bzw. Gottes Segen geben. Diskussionen beginnen, schließlich kommt man zu der Überzeugung, das der Zauberer mit dem Haken zum Ritualienplatz geht und das Vorhaben mit den Geistern und Ahnen bespricht.
Inzwischen bringt jemand ein neues Seil und dann geht es los. Das Seil spannt sich und tatsächlich kommt die Pumpe Meter für Meter nach oben. Wir freuen uns und auch das Dorf ist euphorisch.
Plötzlich ein Schlag, der Haken bricht und das Seil reißt gleichzeitig. Wir sind traurig. Die Bewohner gehen in ihre Hütten.
Den Nachmittag verbringen wir auf dem Campingplatz und bereiten uns auf den Kurs am Abend in der Schule vor. Der Lehrer ist dabei und soll übersetzen, er ist wirklich ernsthaft an Allem interessiert. Ich möchte den Hygienebeauftragten des Dorfes sehen und werde zu ihm geführt. Mich trifft fast der Schlag. In seiner Hütte lagern zahlreiche Medikamente, dazwischen Lebensmittel und dreckiges Geschirr. Ratten laufen in den Ecken entlang. Hygiene – noch nie gehört.
Am Abend nach der Moschee ist es so weit. In der Schule versammeln sich neun Männer. Genau diejenigen, die jeden Abend in die Schule kommen und vom Dorflehrer unterrichtet werden. Alle sind sehr interessiert und aufmerksam. Vom Rest der Dorfleute kommt leider niemand, wie der Arzt es schon vermutet hatte.
Die Nacht dürfen wir wieder kostenlos auf dem Camping übernachten. Wieder bringt uns das Dorf ein Hühnchen mit Reis. Am nächsten Morgen ist wieder die Mutter mit dem Mädchen bei uns und möchte, das wir den Verband wechseln. Abdulai, der Dorflehrer soll sie nach Hause schicken. Sie soll Feuerholz und Wasser holen und wir zeigen ihr, wie sie den Verband selbst wechseln kann.
Eine Viertelstunde später sitzen wir bei ihrer Hütte. In einem gusseisernen Topf ohne Henkel kocht Wasser. Darin ein Stoffstreifen, den wir als Verband nehmen wollen. Fünf Minuten lassen wir das Wasser brodeln, erklären ausführlich die Wichtigkeit des Kochens. Sabine wäscht sich demonstrativ intensiv die Hände mit Seife.
Als die Frau den Topf vom Feuer nimmt, traue ich meinen Augen nicht. Hätte ich es im Fernsehen gesehen, würde ich sagen es ist ein Trick. Sie greift mit bloßen Händen unter den Topf, nimmt ihn von der Glut und stellt in zwei Meter weiter auf den Boden.
Wir lassen den Stoffstreifen trocknen, berühren ihn nur an einem Zipfel und fertigen daraus einen Verband.
Jetzt hoffen wir, das der Verband jeden Tag gewechselt und ausgekocht wird. Der Lehrer versprach jeden Tag nach dem Mädchen zu sehen und an den Verbandwechsel zu erinnern.

Timbuktu

TombouctouLange war nicht klar, ob wir nach Timbuktu fahren oder nicht. Die Einen raten dringend vor Reisen in die Region ab, wegen umherziehender Banditen, Andere halten lediglich die Strecke Gao – Timbuktu für gefährlich und sagen, die neue Piste Douentza – Timbuktu sei sicher.
Nach langer Überlegung entschließen wir uns, das Risiko in Kauf zu nehmen und machen uns auf den Weg.
Die Strecke ist langweilig, aber schnell zu befahren.
Die Stadt selbst ist etwas enttäuschend. Von der einstigen Pracht ist nicht mehr viel vorhanden, außer den prächtigen Preisen in den Restaurants und Hotels. Hätte man die Stadt nicht gesehen, hätte man nichts verpasst.

Peng – kaputt ist der Kumpel

Wir wollen nach Burkina Faso. Für die Fahrt von Mali nach Burkina haben wir uns eine kleine Piste bei Hombori ausgesucht. Hier erwarten wir ursprüngliche Dörfer und einsame Landschaft. Was wir nicht erwarteten, war, dass es gar keine Piste gibt. Die Landschaft ist flach, keine Berge nur trockenes Gras und vereinzelt ein paar Büsche und Bäume. Sieht aus wie bei Daktari.
Also warum nicht die 30 Kilometer ins nächste Dorf querfeldein fahren, es wird bestimmt eine Piste kommen. Schlimmstenfalls fahren wir 200 Kilometer durch den Busch bis zur Hauptpiste bei Dijabo in Burkina.
Wir fahren auf den Horizont zu und werden nach einigen Kilometern durch dichten Buschwald gestoppt. Die Bäume und Büsche sind zu groß, als das ich sie einfach überfahren könnte. Zu den Dörfern gehen nur noch Fußpfade. Wir fahren durchs Gras am Wald entlang Richtung Westen, irgendwann muss der Wald ja mal aufhören.

ReifenpannePlötzlich ein lautes Zischen und der Deutz sackt vorne links 15 Zentimeter tiefer. Ich springe aus dem Führerhaus und sehe einen zirka zehn Zentimeter langen Riss in der Seitenwand des Reifens. Im hohen Gras bin ich auf einen Überrest eines mit der Machete abgeschlagenen Baumes gefahren. Dummerweise hat der Baumfäller den Baum so gefällt, das der Überrest angespitzt wie ein Marterpfahl im Gras verborgen blieb.
Gedanken rasen durch meinen Kopf. Wie viele solcher Reifenkiller stehen noch im hohen Gras. Das schöne liebliche Gras, in dem es soviel Spaß machte zu fahren, kommt mir jetzt beängstigend und bedrohlich vor.

Ich ärgere mich über den kaputten Reifen und freue mich gleichzeitig über die in Mauretanien für viel Geld gekaufte Karkasse.
Ich habe den Wagenheber noch nicht ausgepackt, da sind schon alle schattigen Plätze unter den Bäumen von Zuschauern belegt. Keine Ahnung wo die alle plötzlich her kamen.
Heute bieten wir das komplette Programm, nicht nur Rad wechseln, sondern Reifen wechseln, denn unser komplettes Reserverad haben wir ja in der Westsahara verloren und seit Mauretanien nur eine Karkasse als Ersatz dabei.
Der Reifen ist schnell gewechselt und auch das alte Ding aus Mauretanien ist überraschender Weise dicht. (Wir fahren schlauchlos.) Es zeigen sich keine Risse in den Flanken und auch bei hohem Tempo läuft der Reifen völlig ruhig. War doch nicht so schrottig wie ich beim Kauf dachte.
Nach zwei Stunden ist für die Zuschauer das Kino beendet und wir fahren weiter durchs hohe Gras. Jetzt mit Herzklopfen.
Nach Tagen durch Savannenlandschaft erreichen wir die Hauptstadt von Burkina Faso,
Ouagadougou.
ganz normalKurz vor der Stadt haben wir endlich noch mal Teer unter den Rädern. Überall gibt es Interessantes zu sehen. Am entgegenkommenden Bus sind bestimmt 30 lebende Hühner am Dachgepäckträger festgebunden. Aus der Seitenstrasse kommt ein Mofa mit drei Ziegen auf dem Gepäckträger. Frauen tragen große Tabletts mit allerlei tropischen Früchten auf dem Kopf. Aus den Garküchen weht Essensduft zu uns ins Auto. Links ein Autoteilehändler, der auf einer Pappe in einem Wust aus Getriebeteilen und Radlagern sein Mittagsschlaf hält. Am liebsten würde ich alles fotografieren, mir wird in Deutschland niemand glauben, was hier ab geht.
Zwei Tage müssen wir auf unser Visa für Ghana warten.
Unser Auto steht auf einem Campingplatz in der Nähe des Flughafens, bzw. dem, was von einem Camping übrig geblieben ist. Weil keine Touristen mehr kommen ist der Camping inzwischen ein Puff. Die Räume sind an Mädchen vermietet, die hier leben und arbeiten. Unser Auto steht im Innenhof und wir können zwei Tage campen zu einem guten Preis. Allerdings gibt es kein Wasser und keine sanitären Einrichtungen, aber das alles brauchen wir sowieso nicht. Hauptsache der Karren steht bewacht.
Wir unterhalten uns mit einem der Mädchen. Sie kommt aus Nigeria, hat schon auf dem Straßenstrich in Italien und in einem Bordell in Amsterdam gearbeitet. Sie kennt auch die Bordelle in Libyen und Niger. Nur nach Marokko möchte sie nicht mehr, da nehmen ihr die Polizisten ihr ganzes Geld ab und wollen Sex ohne zu zahlen.
Hier in Burkina ist alles familiär. Der Puff und Campingplatzbetreiber ist nett und wenn sie nichts zu essen hat, weil kein Kunde kam, gibt er ihr auch Brot und Spaghetti ohne Geld zu verlangen. Dafür ist es hier sehr schwer Geld zu verdienen, denn für viele Männer sind die umgerechnet 1,20 Euro, die sie verlangt, schon zu viel, entspricht es doch dem Tageslohn eines Bauarbeiters.
Nachmittags sitzen wir im benachbarten Hotel Okinn mit zwei Engländern zusammen, die wir zuvor im Internetcafe kennen lernten. Das Hotel gehört zur gehobenen Klasse hat einen sauberen Swimmingpool in einem schön angelegtem Garten. Herrlich, ein sauberer, ruhiger und schattiger Platz, eiskalte Cola, nette Gespräche und die Zeit vergeht wie im Flug. Gegen Abend wird ein Grill-Büffet aufgebaut, Lautsprecher werden herbei geschleppt und ein französischer DJ spielt die neuesten Hits aus Europa. Wir bleiben. Die Preise sind zwar fünfmal so teuer wie landesüblich, aber ein Menü ist mit 8 Euro immer noch bezahlbar.
Das Hotel füllt sich. Immer mehr Franzosen kommen. Später erfahren wir, es sind ca. 50 französische Soldaten, die zum Vorauskommando des französischen Präsidenten gehören. Dieser war für zwei Tage in Ouaga auf dem Kongress der Francophonie und die Soldaten sorgten schon seit drei Wochen für Sicherheit.
Das Abendessen ist erstklassig. Die Musik ebenfalls und die Engländer ziehen das Bier weg, das der Kellner von der Lauferei ins Schwitzen kommt.
Gegen Mitternacht steht einer der Engländer auf, zieht sich die Badehose an und geht in den Pool schwimmen. Alle gucken.
Zwei ebenfalls betrunkene Franzosen machen es ihm nach. Ein Franzose im Anzug steht am Beckenrand und lacht, er bekommt von einem seiner Kollegen einen Stoss und fliegt mit Anzug und Sektglas in den Pool.
Jeder stößt oder wirft jeden in den Pool. Wer es schafft, seinen Anzug auszuziehen hat Glück, sonst fliegt er mit Klamotten ins Wasser. Eine Verwechslung: Zwei Mann packen mich und tragen mich zum Pool. Ich rufe noch :“Ich bin Deutscher, Je suis allemagne, I am from germany“ und kann in letzter Sekunde noch den Reisverschluss meiner Hosentasche mit dem Kleingeld schließen, und schon schlägt das Wasser über mir zusammen. Als ich auftauche sehe ich, dass auch Sabine im Pool liegt.
Jetzt ist die Party im Gange.
Freigetränke für alle, gezahlt wird von der französischen Regierung.
Trotz nasser Klamotten und einiger Blessuren war es ein schöner Abend.

Zauberer - Geister - Dämonen

Daimler Vertretung

Der Glaube an Geister und Zauberei ist hier in Mali, Burkina und Ghana weit verbreitet. Nichts geschieht hier zufällig. Jemand verunglückt mit seinem Auto tödlich. Warum hat ausgerechnet er einen Unfall erlitten. Die Europäer machen es sich leicht, untersuchen das Auto und stellen fest, das z.B. die Bremsen defekt waren. Aber an diesem Tag waren Tausende von Autos mit defekten Bremsen unterwegs. Nein, der Fahrer ist umgekommen, weil ein Zauber gegen ihn gesprochen war. Jetzt gilt es herauszufinden, wer den Zauber gesprochen hat, um sich zu rächen.
Um einen Zauber zu sprechen geht man zu einem Zauberer, den es in fast jedem Ort gibt. Wenn ich will, dass mein Feind ein Auge verliert, dann wird der Zauberer aus Lehm eine Figur – das Ebenbild meines Feindes – formen und mit einem Dorn, den er vorher in Hühnerblut tauchte in das Auge der Lehmfigur stechen und ab dem Zeitpunkt ist das Auge verwünscht. Eines Nachts wird unser Feind durch den Busch laufen und mit dem Auge gegen einen Zweig rennen und ein Dorn wird sich in sein Auge bohren.
Als wir die Geschichte im Dogondorf hörten glaubten wir zunächst an ein Relikt vergangener Zeiten. Aber den Zauberer gibt es wirklich und täglich kommen Dorfbewohner zu ihm. Der Preis für einen Zauber variiert. Soll sich der Betreffende nur in den Finger schneiden ist es mit einem Huhn getan. Soll hingegen seine Frau unfruchtbar sein, sind schon zwei Ziegen fällig.
Der Voodoo-Glaube ist inzwischen mit dem christlichen Glauben vermischt. Häufig sehen wir kleine Lederbeutel, die schon kleine Kinder an einem Lederriemen tragen, ähnlich einer Brusttasche für Geld.
In dem Lederbeutel waren früher von einem Zauberer besprochene Steine oder Kerne. Heute hat man darin einen Bibel- oder Koranvers, je nachdem welcher Missionar schneller war.
Aber auch diese Bibelverse müssen jedes Jahr von einem Zauberer neu besprochen werden, damit sie ihre schützende Kraft behalten.
Missionare gibt es inzwischen mehr als Zauberer. In Ghana gibt es mehr als 230 protestantische Glaubensrichtungen, hauptsächlich aus USA und daraus ergeben sich häufig Konflikte. Das ungeschriebene Gesetz, das derjenige der missioniert ist, nicht mehr missioniert wird, gilt für diese Sekten nicht. Sie gehen in die Islamgebiete und missionieren. Der daraus entstehende Konflikt ist dann ein Konflikt zwischen Christen und Moslems, weil die Moslems nicht unterscheiden zwischen jenen 230 Glaubensrichtungen der Christen.
In der täglichen Praxis sieht es meist so aus: In Ouagadougou sehen wir zwei Männer, die einen Weihnachtsbaum (Plastik-Tanne) über die Strasse tragen. Ich möchte sie fotografieren, doch das wird mit der Begründung verweigert, weil man Moslem sei. Ich bin verdutzt. „Weihnachten ist doch ein schönes Fest, die Christen feiern ja auch mit uns das Ende des Ramadans. Wenn es was zu feiern gibt, dann feiern wir alle miteinander“, war die Antwort.

Ghana, das Paradies

Die Formalitäten an der Grenze zwischen Burkina Faso und Ghana sind schnell erledigt und über gute Teerstrasse erreichen wir Tamale. Die Luft wird deutlich feuchter, es wird tropisch.
In einer Bank tauschen wir unsere Euros in Cedis und erhalten für 1.000 Euro 12.000.000 Cedis. Der größte Schein ist ein Zwanzig-Tausender, die gebräuchlichsten Scheine sind jedoch die Fünf-Tausender. Wir verlassen die Bank mit zwei Plastik-Tragetaschen voll Geld. Genug für die kommenden Wochen.
In den nächsten Tagen fahren wir durch verschiedene Nationalparks. Mit einem Ranger der Parkverwaltung unternehmen wir einen Morgenspaziergang. Wir sehen Antilopen, Affen, Warzenschweine und am Wasserloch können wir Elefanten und Krokodile beobachten. Die gefährlichsten Tiere sind für uns die Affen, sie turnen am Auto herum und brechen alles ab, was nicht richtig fest ist. Am nächsten Tag chartern wir ein Kanu und lassen uns über den Volta-Fluss in die Mangrovenwälder paddeln um Flusspferde zu beobachten. Leider kommen wir für ein gutes Foto nicht dicht genug heran. Die riesigen Kolosse sind scheu und tauchen weg.
Der Eintrittspreis für den Park ist mit 4 Euro bescheiden und auch der Ranger ist mit 75 Eurocent je Stunde zufrieden. Ansonsten sind die Preise superniedrig, eben paradiesisch. Coca-Cola kostet 18 Cent, Frühstück im Cafe 40 Cent, Mittagessen im Restaurant 2,00 Euro und das Wichtigste, der Diesel kostet 30 Cent.

LandroverAuf dem Campingplatz im Park lernen wir Jeffrey und Paula kennen, die mit ihrem alten Landrover vor drei Monaten von Amsterdam nach Südafrika gestartet sind. Wir sind uns sofort sympathisch und reisen seit dem zusammen.
Weiter im Süden lassen wir uns von einem Ranger durch den tropischen Urwald führen. Leider sind die großen Urwaldgebiete in Ghana inzwischen abgeholzt und so blieb nur ein kleines Reservart von unberührtem Dschungel übrig.
Kanadier haben hier sieben Hängebrücken in die Gipfel der Urwaldriesen gebaut.
In schwindelerregender Höhe laufen wir über die schaukelnden Seilkonstruktionen. Langsam werden meine Tritte sicherer und ich traue mich freihändig zu stehen, um ein paar Fotos zu machen. Obwohl wir keine Tiere sahen, wahrscheinlich weil wir unsere ganze Konzentration und Augenmerk auf sicheren Halt legten, war der Dschungelbesuch ein interessantes Erlebnis.
Weihnachten steht vor der Tür. Wir wollen die Tage an einem schönen Strand verbringen und fahren von Cape Coast in Richtung Westen. In Busua-Beach finden wir das Paradies.
Ein langer, fast menschenleerer Sandstrand. Unsere Autos stehen 30 Meter vom Meer entfernt im Schatten der Kokosnusspalmen. Keine 100 Schritte weiter gibt es eine kleine Strandbar, von der afrikanische Musik zu uns herüber klingt. Das Wasser ist klar und jeden Morgen laufe ich mit Anlauf in die warmen Fluten.
Nach zwei Tagen haben wir alles, was wir zum Leben brauchen, organisiert. Morgens bringt ein Farmer frische Kokosnüsse, Bananen und Ananas. Im nahegelegenen Dorf suchten wir uns eine Köchin, die Mittags vorbei kommt und fragt, was wir abends essen wollen. Am Abend steht alles frisch zubereitet auf unserem Tisch.
Wir haben das Paradies entdeckt. Zwei Tage wollten wir bleiben, inzwischen sind fast drei Wochen vergangen.
Weihnachten im Paradies
Traumstrand bei Sekondi
In unserer Strandbar bestellten wir für Heiligabend 4 Kilo fangfrische Langusten und stellten uns auf eine ruhige und besinnliche Weihnachten am Strand unter Palmen ein. Doch es kam ganz anders. Nachmittags kam ein Geländewagen nach dem Anderen an den Strand. Die reichen Arbeiter der nahe gelegenen Goldmine, hauptsächlich aus Südafrika und Alaska, verbringen traditionell hier ihre Weihnachten. Unsere Strandbar spielte Pop-Musik. Jede Menge hübsche junge Frauen trafen ein, damit kein Arbeiter die Nacht allein verbringen muss. Ein großes Feuer wurde entfacht und alle haben viel getanzt und getrunken. Wir dachten schon, es sei Silvester.
Erstmals in unserem Leben waren wir am Heiligabend betrunken.

SchweinebratenAm ersten Weihnachtsfeiertag kauften wir im Dorf ein Ferkel und beauftragten zwei Männer, die am Strand Feuer machten, das Schwein schlachteten und es auf dem Spies grillten.
Wir aßen soviel wir konnten, dennoch schafften wir zu viert nur das halbe Ferkel und gaben den Rest an die Grillmannschaft, die es ins Dorf zu ihren Familien brachten.
Das Schwein kostete umgerechnet 12 Euro und 4 Euro das Schlachten und Grillen.

Horror im Paradies

Sabine geht es schlecht. Fieber kommt hinzu. Vorsorglich behandeln wir auf Malaria. Sabine geht es besser, doch nach einigen Tagen kommt es heftig zurück. Im Ort möchte ich ein Taxi für die Fahrt ins 5 Kilometer entfernte Hospital organisieren, weil unser Deutz als Anker für Sonnensegel und Hängematte am Strand gebraucht wird. Das erste Taxi springt nicht an, das zweite Taxi hat nicht genügend Benzin für die 5 Kilometer und das dritte, letzte Taxi ist gerade auf dem Weg, Benzin für das zweite Taxi zu holen.
Ich will gerade gehen, als das erste Taxi doch anspringt.
In der Krankenhaus-Rezeption empfängt uns laute Musik. Auch beim Arzt ist eine Verständigung kaum möglich, weil das Radio volle Lautstärke Ghana-Musik spielt. In den Fluren sitzen Menschen dicht gedrängt, spucken auf den Boden und unterhalten sich lautstark. Hier wird man schneller krank als gesund.
Im Laborzimmer arbeiten zwei Mitarbeiter, natürlich mit zwei Radios, die verschiedene Sender in voller Lautstärke spielen. Sie stellen fest, dass es sich nicht um Malaria, sondern um eine Lebensmittelvergiftung handelt. Wir kündigen noch am gleichen Tag unserer Köchin. Nach drei Tagen geht es Sabine wieder gut.

Das Deutsche Restaurant

Im Dorf hält man mir eine ledergebundene Speisekarte eines Berliner Edel-Restaurants hin. Der Ghanaer spricht Deutsch und sagt er sei Koch in diesem Restaurant gewesen und habe jetzt hier im Dorf ein deutsches Restaurant. Obwohl mich inzwischen nur noch wenig überrascht, will ich das Restaurant sehen. Er führt mich in ein unscheinbares Haus und zeigt voller Stolz sein aus einem Tisch mit vier Plastikstühlen bestehendes Restaurant.
Ich will die Küche sehen. Zehnkilo-Dosen mit Sauerkraut, Rotkohl und Grünkohl stehen auf dem staubigen Regal. Dazu einige Dosen Hackfleisch und Rouladen, alles aus Deutschland importiert. Ich wundere mich über den Rost auf den Dosen und suche das Verfallsdatum. 1999 oder 2000 ist auf allen Dosen zu lesen.
Auf meine Frage, ob die Lebensmittel denn noch gut seien, führt er mich zu einer Gefriertruhe, öffnet diese und zeigt mir Töpfe und Schüsseln, die mit einer dicken Eisschicht überzogen sind. „Ich habe schon alles vorgekocht, wenn Gäste kommen mache ich es nur warm.“ Später stellt sich heraus, das ein Freund die Speisekarte in Deutschland geklaut hatte, er dachte wohl, die Karte sei im Menüpreis enthalten.

Zu Gast bei Nana

Nana betreibt ein kleines Restaurant im Dorf, es besteht aus einem Tisch mit vier Stühlen. Als er uns die Karte bringt, kniet er sich neben den Tisch, bekreuzigt sich und dankt Gott für seine Gäste. Es ist noch früh am Morgen, so frühstücken wir nur Rührei mit Brot und reservieren den Tisch für das Abendessen. Nana wird zum Hafen gehen und zwei schöne große Fische aussuchen. Am Abend kommt die Enttäuschung, er hat die Fische zu lange auf dem Grill gelassen und sie sind verbrannt. Kein Problem, Nana gibt uns die Haifischstücke, welche die Gäste bestellt haben, die den Tisch nach uns reserviert haben. Für diese wird er irgendwo noch ein paar andere Fische organisieren.
Nachdem wir gegessen haben tritt Nana hinter jeden einzelnen, legt die Hand auf die Schulter, schließt seine Augen und spricht ein Gebet, damit wir sein Essen gut vertragen. Wir mögen ihn und kommen jeden Tag. Kein einziges Mal gelingt ihm das Gericht, was er uns zuvor angekündigt hat. Meist kauft er dann im Nachbarrestaurant Essen, was er uns serviert.

The International Rasterman Taxi Company

Wir sitzen mit den Holländern zusammen am Strand vor unseren Autos.
Philip, ein junger Joint-rauchender Raster-Mann setzt sich zu uns und erzählt, dass er bald ein Taxiunternehmen hat. Vor zwei Jahren hat ein Engländer ihm versprochen, wenn er aus seinem Urlaub zurück in England ist, 1000 Euro zu senden. Seit dem wartet Philip auf das Geld.
„Könnt ihr mir nicht 1000 Euro leihen ? Dann kann ich in Accra ein gutes Taxi kaufen und Touristen fahren, dann gebe ich euch 2000 Euro zurück.“
„Wenn man so schnell Geld verdienen kann, dann verkaufen wir unsere Autos und kaufen 50 Taxis.“ Wir fangen an zu spinnen, planen eine internationale Taxi Company. Von New York über Rio bis nach Tokio nur jointrauchende Rastermänner in den Taxis.
Am nächsten Tag, die Spinnereien haben wir schon längst vergessen, kommt Philip mit einem potentiellen Käufer für unsere Autos. Sein Vater kommt ebenfalls in seinem besten Anzug und zeigt uns all seine Papiere und will eines der Taxis fahren. Joints rauchen ist kein Problem.
Wir erklären die Situation, schieben den schönen Traum auf zuviel Palmwein und Joints, obwohl wir wirklich nichts getrunken oder geraucht haben.
Philip tut uns leid, wir werden nie wieder solche Scherze machen, die Einheimischen glauben den Weißen einfach alles. Jetzt ist uns auch klar, warum so viele Missionare hier ihr Paradies gefunden haben.

Der Schock

Jeffrey, der Holländer ist von einem unbekannten Tier gebissen oder gestochen worden. Sein Arm wird schnell dick und verursacht höllische Schmerzen. Der Arzt empfiehlt das Hafenkrankenhaus in der 50 Kilometer entfernten Kreisstadt. Eine Spritze muss gegeben werden. Ich sitze in der Empfangshalle und warte.
Alles ganz ordentlich, keine Spinnenweben in den Ecken, kein abgeplatzter Putz um die Türpfosten und auch die Steckdosen und Lichtschalter sind nicht aus der Wand gerissen, wie ich es in dem Krankenhaus gesehen habe, wo Sabine behandelt wurde.
Vor der Eingangshalle hält ein Pick-up Geländewagen. Ein Krankenbett wird gebracht und der Kranke, der auf der Ladefläche lag, wird in die Empfangshalle geschoben.
Oh mein Gott. Ein Arm ist abgerissen und liegt neben dem schwer Verletzten. Blut überall. Der Bauchraum ist offen und blutet stark, aber der Verletzte lebt, er stöhnt und bewegt sich. Sofort springen die Passanten und Kranken auf, die mit mir in der Empfangshalle warten, stehen im Halbkreis ums Bett und gaffen. Die Krankenschwester geht in aller Ruhe eine Schere holen und schneidet ihm die Kleider vom Leib. Der Verletzte macht eine Bewegung und der Arm fällt auf den Boden. Die Schwester legt den Arm ans Fußende. Keinerlei Hektik. Der Arzt kommt, wirft einen kurzen Blick auf den Verletzten und verschwindet wieder. Nach ein paar Minuten ist er mit zwei Blutkonserven zurück. Alles in Ruhe, nicht mal der Ansatz eines Laufschrittes ist zu sehen. Immer mehr Passanten kommen ins Krankenhaus und schauen zu. Einer telefoniert mit seinem Handy und beschreibt was er sieht. Der Schwerverletzte liegt nach 10 Minuten immer noch in der Empfangshalle. Jeffrey kommt aus dem Behandlungszimmer und wir gehen.

Das Glück ist bei uns

Wir verlassen die Küste Ghanas und fahren in Richtung Nord-Ost zur Grenze von Togo.
Bei den Wasserfällen von Wli, noch in Ghana, begegnen wir Sabine und Bernhard, einem deutsches Ehepaar. Vor fünf Jahren wollten sie zwei Jahre durch Afrika reisen, haben dann diesen tollen Platz entdeckt und sind geblieben. Inzwischen haben sie einen kleinen Campingplatz, mit Restaurant und vermieten ein paar Zimmer.
Wir richten uns auf dem Camping ein. Die meiste Zeit verbringen wir mit Bernhard und Sabine auf deren Terrasse. Von hier blicken wir über tropischen Regenwald bis hin zur Gebirgskette, welche die Grenze zwischen Ghana und Togo bildet. Wir beobachten abends das Farbenspiel des Sonnenunterganges und obwohl es jeden Abend gleich ist, fasziniert es uns immer wieder neu.
Von Paula und Jeffrey, den Holländern, mit denen wir sieben Wochen in Ghana zusammen gereist sind, haben wir uns hier getrennt, sie sind jetzt auf dem Weg in den Kongo.

Ungeliebter Chef ?

Der Chef einer Truppe deutscher Entwicklungshelfer hat Geburtstag. Er möchte groß feiern und bestellt für 18 Mann ein opulentes warmes Büffet im Restaurant.Doch der Chef scheint nicht sonderlich beliebt, denn seine Mannschaft wurde reihenweise krank, Autos blieben liegen und alle fünf Minuten entschuldigte sich einer seiner Mitarbeiter telefonisch. So waren am Ende nur 5 Personen anwesend. Wir wurden kurzerhand zur Geburtstagsfete eingeladen, hatten einen schönen Abend mit interessanten Gesprächen und viel Essen und Trinken.Von den Entwicklungshelfern erfahren wir, das eine Deutsche Baufirma nur 50 km entfernt ein großes Baucamp unterhält und eine Strasse baut. Die könnten bestimmt unseren immer noch kaputten Reifen reparieren. Am nächsten Tag fahren wir zu dem Camp. Fünf Deutsche arbeiten hier und 500 Arbeiter aus Ghana. Ich bin baff als ich die Werkstatt und die vollen Container mit Ersatzteilen sehe. Wir werden zum Mittagessen eingeladen und lernen einen weiteren Gast kennen. Er kommt aus Kanada und ist Missionar. Seit 14 Jahren lebt er mit seiner Frau in einem kleinen unbekannten Dorf und übersetzt die Bibel in eine Sprache, die nur in diesem und drei weiteren Dörfern gesprochen wird. Nach dem Essen bekommen wir einen gebrauchten Reifen geschenkt. Zudem wird eine große Inspektion an unserem Deutz durchgeführt und als ich ihn aus der Werkstatt hole, ist sogar das kaputte Blinkerglas ersetzt.
Nach acht Tagen verlassen wir den Campingplatz bei Sabine und Bernhard und stehen nach ein paar Stunden an der Grenze zu Togo.
Wir haben kein Visa, weil uns jeder erzählte, das Visa gibt es schnell, problemlos und billig an der Grenze. Aber nicht hier an diesem kleinen Grenzübergang. Der Grenzbeamte will seinen Vorgesetzten anrufen, doch die Verbindung kommt nicht zustande. Wir warten. Vier Stunden später, inzwischen ist es dunkel, klappt es tatsächlich und wir sollen persönlich zum Chef kommen. Zum Glück ist die Stadt nur 12 Kilometer entfernt und sowieso auf unserem Weg.
Wir werden freundlich empfangen. Der Chef möchte, das wir im Hotel übernachten und am nächsten Morgen unter Polizeischutz in die 250 Kilometer entfernte Hauptstadt gebracht werden, um dort ein reguläres Visa zu beantragen. Shit, ich will nicht in die Hauptstadt, sie liegt in entgegengesetzter Richtung und bedeutet 500 Kilometer Umweg, ich will keinen Polizeischutz, den ich natürlich zahlen muss und ich will nicht ins teure Hotel.
Unsere Lage ist beschissen, wir müssen ganz kleine Brötchen backen. Aber es gelingt uns, das wir für die Nacht auf dem Polizeihof campen dürfen – kostenlos.
Weiter Verhandlungen ergeben, dass wir unter Polizeischutz zur Grenze nach Benin gebracht werden, da wollen wir ja schließlich hin. Zudem ist diese nur 150 Kilometer entfernt. Wir einigen uns, dass wir dem Polizisten, der bei uns im Auto mitfährt, die Busfahrkarte zurück bezahlen, zudem seinen Tagesverdienst und ein Mittagessen, alles zusammen 15,- Euro. Das ist der halbe Preis des regulären Visa. Glück gehabt.
In Benin ändert sich unsere Richtung. Die Kompassnadel zeigt nun wieder nach Norden. Einige Tausend Kilometer später sind wir wieder in Bamako, der Hauptstadt von Mali. Wir suchen die Botschaft von Guinea, um Visa zu beantragen. Alle Anträge sind ausgefüllt, Kopien von diversen Dokumenten gefertigt und dann trifft uns fast der Schlag, als wir den Preis für die Visa erfahren. Umgerechnet 150,- Euro sollen wir bezahlen. Wir rechneten mit 40 Euro, wie für die meisten anderen Länder auch. Aber 150 Euro, das wären ja 300 DM und diese haben oder nicht haben sind schon 600 DM. Wie wir auch rechnen es ist uns zu teuer. Also machen wir uns auf den Weg in den Senegal, planen einen Abstecher nach Gambia und wollen ein paar Wochen am Strand relaxen, bevor wir uns auf die knapp 7000 Kilometer lange Heimreise machen.

Unterwegs auf dem Eselskarrenweg

Doch 200 Kilometer hinter Bamako hat uns das Abenteuer zurück. Auf der Landkarte ist die 500 Kilometer lange Verbindung zwischen Bamako und Kayes als gute Erdstrasse eingezeichnet. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Eselskarrenweg, der schon lange nicht mehr von einem motorisierten Fahrzeug befahren wurde.

Im Busch

Äste ziehen tiefe Kratzer in den Lack, egal. Jeden Abend fehlt ein Teil am Fahrzeug, mal ist es ein Nebelscheinwerfer, mal die Antenne, mal eine Staubschutzkappe, alles hängt jetzt irgendwo in den Bäumen. Ein dicker Ast verkeilt sich zwischen Führerhaus und Wohnaufbau. Als ich ihn ,auf der Motorhaube stehend, absäge ist soviel Spannung auf dem Baum, dass er mich mit samt der Säge von der Haube haut und der Ast selbst auf die Haube stürzt. Eine dicke Beule bleibt als Erinnerung im Blech.
ReifenpanneAm nächsten Tag kostet ein brandgerodetes Waldstück einen Reifen. Wie vor einigen Monaten in Burkina Faso übersehe ich den Überrest eines mit der Machete gefällten Baumes und fahre mir einen langen Riss in die Reifenflanke. Der vor einigen Wochen von der Baufirma in Ghana geschenkte Reifen wird unsere Retter. Jetzt wird es spannend, noch so ein grober Schnitzer darf uns nicht passieren – 300 Kilometer durch Wald und Busch liegen noch vor uns und wir haben kein Reserverad mehr.
Die Flüsse sind nur mit Mühe zu durchfahren. Nicht wegen des Wasserstandes, Wasser gibt es jetzt in der Trockenzeit nur wenig, sondern weil die Böschungen so steil sind, dass wir kaum Ab- und Auffahrten finden.
Wir brauchen für die 500 Kilometer fast eine Woche.

Man glaubt mir

Wir stehen auf der Piste und ich flicke gerade ein kleines Loch im Reifen. Drei Fahrradfahrer kommen, auf dem Gepäckträger sitzt ein Mann, der gerade mit dem Fahrrad gestürzt sei und nun Medikamente und Verbandszeug braucht. Ein Blick reicht und man erkennt deutlich das gebrochene Schlüsselbein unter der Haut.Wir können nichts machen, er muss unbedingt zu einem Arzt. Sie glauben mir nicht, dass ich nichts machen kann.Ich erzähle, dass ich vor 15 Jahren mal einen Schlüsselbeinbruch hatte, und dieser mit vielen dicken Pflasterstreifen von der Brust zum Rücken stabilisiert wurde. Aber wir haben keine so langen Pflasterstreifen dabei. Ich könnte den Bruch versuchen zu richten und mit Panzerband, das ich für Reparaturen am Auto dabei habe, verkleben.
Ich hole statt des Verbandkasten meinen Werkzeugkasten.
Jetzt glauben sie mir, das ich keine Ahnung habe und wollen sich – zu meinem Glück – nicht auf solch eine Reparatur einlassen. Wir schenken ihnen Verbandszeug und der Verletzte wird auf dem Gepäckträger abtransportiert.

Der Unfall

Wir sind in Dakar, der Hauptstadt Senegals. Das Taxi vor mir hält am rechten Fahrbahnrand und ich wechsele auf die Seite des Gegenverkehrs. Das mir entgegenkommende Auto hat überhaupt keinen Respekt vor mir und hält nicht an. Gibt’s doch gar nicht. Jetzt wird’s eng – zu eng. Ich fahre dem parkenden Taxi den Seitenspiegel, das Blinkerglas und eine Radkappe ab. An unserem Deutz ist, außer das an einem Reifen etwas Dreck fehlt, kein Schaden zu erkennen.
Der Taxifahrer rechnet kurz zusammen und verlangt 100,- Euro. Ich sehe mir den Schaden genauer an und stelle fest, dass der Außenspiegel der jetzt auf der Strasse liegt, nur mit Isolierband festgebunden war und der Spiegel selbst eine Scherbe eines Kosmetikspiegels war.
Das Blinkerglas war ebenfalls nur mit Isolierband festgeklebt und ist nur abgefallen.
100,- Euro ist das ganze Taxi nicht wert. Bleibt die Radkappe, die wirklich zu Bruch ging. Ich biete 25,- Euro. Wir können uns nicht einigen und sitzen zwei Stunden später auf Verlangen des Taxifahrers bei der Polizei.
„Warum haben Sie den Gegenverkehr missachtet ?“
„Weil ich das größere Auto hab.“
„Wir fahren in Dakar europäisch.“
Der Taxifahrer wird gefragt: „Haben Sie jemals Geld für einen abgefahrenen Spiegel bekommen oder bezahlt ?“
„Nein.“
„Dann nehmen Sie die 25,- Euro und seien froh dass Sie soviel Geld bekommen.“
Zehn Minuten später sind wir wieder auf der Strasse und es wird wirklich europäisch gefahren. Naja, fast.
Dakar gefällt uns gut. Es ist eine europäische Oase. Es gibt italienische Eisdielen und Pizzarien, Läden mit französischem Käse und Wurst. Konditoreien und Metzger mit großer Auswahl und sauberen Kühltheken. Im Internetcafe geht es rasend schnell und Stromausfall scheint man hier auch nicht zu kennen.
Wir genießen es. Endlich ein Stück Fleisch, wo das Tier zerlegt und nicht mit der Machete in Stücke gehauen wurde. Das Fleisch wird nicht in Zeitungspapier oder in ein Stück alten Zementsack gewickelt sondern in unbenutzte Folie und neuem Papier. Die Brote sind ohne Sand gebacken. Hier kann man herrlich leben, sofern man es sich leisten kann, denn die Preise sind ebenfalls europäisch. Auf den Strassen sind neue Mercedes und BMW so selbstverständlich wie in Frankfurts Bankenviertel. Porsche Cayenne und Rolls Roys gehören zum Stadtbild wie die Slums am Rand des Bahnhofes.

Technische Probleme

Eine brüllende Affenherde rennt vor uns über die Straße, suchen vielleicht die Kokosnuss. Ich bremse ab und will einen Gang runter schalten, doch das Kupplungspedal tritt ins Leere. Keine Wirkung. Mal was anderes als Reifenpannen.
Die letzten Reste der Kupplungsflüssigkeit tropfen auf die Straße, der Kupplungsnehmerzylinder leckt. Wir füllen den Vorratsbehälter auf, entlüften das System, und schon beginnt es unter dem Auto stark zu tropfen. Schade, Ersatzteile habe ich dafür nicht mit, aber inzwischen kenne ich den Deutz so gut, dass ich ihn auch ohne Kupplung schalten und fahren kann. In der nächsten Stadt wird sich bestimmt etwas finden, woraus man etwas basteln kann. Tatsächlich finden wir eine passende, neue Ersatzmembran für wenige Eurocent und nach zwei Stunden ist die Kupplung wieder voll funktionsfähig.
Schwieriger war die Reparatur am folgenden Tag. Zuerst dachte ich es sei ein Scherz, als jemand zu mir sagte: „Dein Auto fährt schief“. Ich habe nichts gemerkt, aber bei genauer Hinsicht zeigt sich, dass die Hinterachse verschoben ist. Eine Messung mit Zenitmetermaß ergibt eine Differenz von zwei Zentimeter. Wahrscheinlich haben sich auf den langen Rüttelpisten die Federbrieden gelöst und so konnte die Achse verrutschen. Auf einem Feldweg neben der Straße löse ich die Brieden und versuche die Achse mit einem Spanngurt zurück zu ziehen, aber ohne Erfolg. Jetzt wäre eine Stockwinde gut, um den gesamten Aufbau anzuheben und die Feder zu entlasten, aber eine solche Winde hatte ich zu Hause verkauft, weil man solch ein schweres Ding bestimmt nie brauchen wird. Hinterher trauern hilft nicht weiter, also müssen wir uns eine Stockwinde bauen.
StockwindeMit der Säge ist schnell ein Baum gefällt, aus dem Stamm ein schönes gerades Stück von 70 Zentimeter heraus gesägt und mit dem Wagenheber unter den Fahrzeugrahmen geklemmt. Jetzt konnte der Aufbau langsam nach oben gehoben werden. Tatsächlich, die Achse verschiebt sich und kommt zurück in ihre ursprüngliche Stellung. Schnell sind die Federbrieden wieder fest angezogen, der Spanngurt gelöst und der Aufbau abgesenkt. Nach vier Stunden rollt der Deutz wieder gerade aus.

Korruption in Senegal

„Das Parken ist hier verboten“, was will der uniformierte Polizist von mir ? Ich stehe am Straßenrand in Dakar wie viele andere Autos auch, kein Schild zeigt ein Parkverbot an und ich habe nur gehalten um schnell ein Foto von der Stadt zu machen.
„Pass, Führerschein, KFZ-Versicherung“. Der Polizist ist unfreundlich, noch nicht mal ein Guten Tag hat er für mich übrig.
Meine Papiere verschwinden in seiner Tasche und er schreibt einen Strafzettel.
Mit diesem Strafzettel soll ich in die Stadt zurück fahren, auf der Polizeistation die Strafe zahlen, die dort festgesetzt wird und mit der Quittung zurück kommen, dann bekomme ich meine Papiere wieder. Wir sind froh, aus der Stadt raus zu sein, wir wollen nicht noch mal zurück. Diskussionen nützen nichts, ich werde langsam gereizt, denn alles was er sagt ist: „Du zahlst“.
Ich gebe auf, nehme den Strafzettel und gehe zum Auto. Er folgt mir und flüstert mir zu: „Gib mir etwas Geld und du bekommst deine Papiere“.
„Du kriegst kein Geld“. Auf dem Weg zurück in die Stadt ärgere ich mich über mich selbst, warum habe ich ihm nicht etwas Geld gegeben und wir wären jetzt auf dem Weg in unsere Richtung, statt uns hier durch das Verkehrsgewühle zu zwängen.
Bei der Polizeistation beschweren wir uns. Die Strafe wird zur Hälfte erlassen, umgerechnet drei Euro müssen wir zahlen.
Unsere Papiere bekommen wir beim Polizisten ohne Schwierigkeiten zurück.
Tage später die gleiche Situation, diesmal in St. Louis. Der Polizist winkt uns rechts ran, verlangt unsere Papiere. Er lässt sich Warndreieck, Feuerlöscher und Verbandskasten zeigen. Alles in Ordnung. Dann behauptet er, ich hätte beim Anhalten nicht den Blinker nach rechts gesetzt. Wieder ein Strafzettel und die Aufforderung, diesen in der Stadt zu bezahlen oder ihm etwas Geld zu geben. 50,- Euro ist sein Preis. Nach fünf Minuten einigen wir uns auf zwei Euro und ich habe das erste Mal einen Polizisten bestochen, um eine Ordnungswidrigkeit aus der Welt zu schaffen, die ich nicht begangen habe.

Dakar

Schlägerei

Einige Kilometer vor St. Louis gibt es eine schöne Strandbar, die von einem Schweizer geführt wird und sich zu einem Globetrottertreffpunkt entwickelt hat.
Tatsächlich, hier treffen wir erstmals seit langem wieder auf andere Touristen, die ebenfalls mit dem eigenen Geländewagen unterwegs sind. Die „Zebrabar“ liegt wunderschön am Rand eines Naturparks. Wir können Kanutouren unternehmen, vom Aussichtsturm Vögel beobachten oder einfach in der Bar sitzen und Gespräche führen. Super. Auf dem weiten Gelände sucht man sich seinen Stellplatz und sieht von den Anderen nicht viel.
Am zweiten Abend sitzen wir mit Niederländern vor deren Auto. Es ist acht Uhr und die erste Flasche Wein gerade geöffnet, als plötzlich aus dem Dunkeln ein Mann auf unseren Platz kommt: „Was fällt euch ein, hier so ein Krach zu machen, ihr spinnt wohl, ihr Idioten“, waren seine Begrüßungsworte. Es folgt ein Schwall weitere Beschimpfungen und Beleidigungen gegen die Holländer.
„Nicht überreagieren, der ist völlig betrunken“, ich habe die Worte kaum ausgesprochen als mich auch schon ein Schlag ins Gesicht trifft.
Der Holländer springt auf, der Stuhl fliegt um und mit zwei Schlägen geht der Besoffene zu Boden. Die Schlägerei war so schnell zu Ende, ich bin gar nicht zum Austeilen gekommen.
Sabine hat inzwischen den Besitzer geholt, der aber nur sagt: “Da kann ich nichts machen“.
Später erfahren wir, der Besoffene ist ebenfalls Schweizer und verbringt jedes Jahr einige Wochen saufend in der Bar.

Mauretanien und die West-Sahara haben wir in wenigen Tagen durchfahren und verbringen einige Tage an einem einsamen Strand, der nur über eine lange schwierige Piste zu erreichen war. Hier wird nie jemand her kommen. Am nächsten Tag hören wir Motorengeräusch.
StrandlebenEin weißer Lkw kommt am Strand entlang gefahren, sieht uns und fährt auf uns zu. Wir denken an ein Militärfahrzeug, doch die Überraschung ist groß: Es ist Karsten, ein Freund aus Heidelberg, der ebenfalls einen Magirus-Deutz fährt und in Marokko die Wintermonate verbringt. Die folgenden Tage reisen wir zusammen und machen uns auf den Weg nach Agadir.

Agadir

Wohnmobilfahrer erzählten uns von einem Platz bei Agadir, wo viele Rentner aus Deutschland, Frankreich und Spanien die Winterzeit verbringen. Einige hundert Wohnmobile sollen dort Monate am Strand stehen. Wir glauben es nicht und wollen uns diesen Platz ansehen. Wir fahren die Küstenstraße entlang und cirka 15 Kilometer hinter Agadir sehen wir einen riesigen Platz mit weißen Camp-Mobilen. Später erfahren wir, im Dezember waren über 2000 Wohnmobile hier. Wir finden einen schönen Platz direkt am Strand und wollen drei Tage bleiben, doch es werden über zwei Wochen.
Ein typischer Strandtag sieht so aus:
Acht Uhr aufstehen und ausgiebiges Frühstück in der Morgensonne. Dazu sind bereits in den frühen Morgenstunden von Händlern frische Brötchen geliefert worden, die man nachmittags bestellt und bezahlt. Auf unserem Platz wird im Laufe des Tages der komplette Supermarkt vorbei getragen, von der Ananas bis zur Zahnbürste, alles frei Haus. Man muss nicht mal zum Einkaufen den Liegestuhl verlassen. Wahnsinn.
Nach dem Frühstück faulenzen wir in der Sonne. Gegen elf Uhr gibt es das zweite Frühstück mit den Nachbarn in großer Runde. Meist quasselt man sich fest und erst wenn der Teilchen- und Kuchenhändler am frühen Nachmittag kommt (bei dem wir dann auch die Brötchen für den nächsten Morgen bestellen) merken wir, das es schon wieder Zeit ist, Kaffee zu kochen. Am späten Nachmittag sammelten wir sonst etwas Feuerholz am Strand, doch diese Arbeit lassen wir nun gegen geringe Gebühr von einem Marokkaner machen, der sich freut ein paar Dirham zu verdienen.
Nach dem Abendessen betätigen wir uns etwas körperlich, indem wir die Liegestühle an den Feuerplatz tragen und Feuer entfachen. Meist sitzen wir mit 8 bis 12 Leuten zusammen, manchmal auch nur zu viert. Es wird viel Wein getrunken und geraucht und gehascht (nicht von uns). Nur wenn die Whisky-Flasche kreist und mein Getränkehändler genügend Cola geliefert hat, kann es passieren, dass ich am nächsten Tag das erste Frühstück ausfallen lasse und gleich beim Nachbarn mit dem Zweiten beginne.
Die Zeit vergeht so schnell, man kommt nicht dazu etwas zu tun.

Europa

Spanien durchfahren wir in wenigen Tagen. In Andorra, dem kleinen Staat in den Pyrenäen, liegt Schnee. Wir holen dicke Pullover und Jacken aus dem Stauraum, die noch von einer Staubschicht aus der Sahara überzogen sind. In Frankreich regnet es. Tatsächlich, der Scheibenwischer funktioniert noch.
Hinter Lyon werden wir von einem Wohnmobil überholt. Der Fahrer gibt Zeichen zum Anhalten. Ich befürchte, wir haben wieder etwas verloren, oder irgendeinen Defekt.
Der Wohnmobilfahrer, ein Österreicher, ist ganz aufgeregt. Man hat gerade sein Auto aufgebrochen und seine Reisetasche mit allen Papieren und Geld gestohlen. Das Auto ist gar nicht ihm, sondern einem Freund, der einen Schlaganfall erlitten hat und nach Deutschland geflogen wurde. Er soll nur das Auto zurück fahren.
Wir laden ihn erst mal zu einem Kaffee zu uns ins Auto ein, langsam beruhigt er sich.
Er erzählt von seiner Familie zeigt Bilder seinen Kindern und dem Hund. Er ist Gastwirt am Donauradweg bei Linz, muss unbedingt nach Hause, weil in der Osterzeit das Geschäft brummt und seine Frau alleine damit nicht fertig wird.
Es ist Sonntag morgen, keine Bank hat geöffnet, wirklich dumme Situation. Nach fast zwei Stunden mache ich den Vorschlag, ihm Geld für zwei Tankfüllungen und die Autobahngebühr durch Frankreich zu leihen. Er ist überglücklich. Als Sicherheit gibt er mir eine Fotokopie seines Reisepasses und ich notiere mir sein Autokennzeichen.
In Deutschland angekommen können wir keine Geldeingang auf unserem Konto feststellen. Es stellt sich heraus, das die Passkopie gefälscht ist und die Adresse nicht existiert. Selbst das Autokennzeichen ist so falsch wie die ganze Geschichte. Das einzig Echte war das Geld, das ich ihm gegeben habe. Shit.
In Deutschland beginnt der Stress schon auf der Autobahn. Jeder drängelt, keiner hat Zeit. Obwohl die Tachonadel über 80 steigt, habe ich das Gefühl im Weg zu sein.
Der erste Stau. Wahnsinn, soviel Autos, dass man sie auf eine Länge von fünf Kilometer aneinander reihen kann. Ich glaube, soviel Autos gibt es in ganz Afrika nicht, und alles Botschafter, hohe UN-Mitarbeiter oder reiche Geschäftsleute, denn keines der Autos ist älter als 15 Jahre.
Im Supermarkt wollen wir all die Dinge kaufen, von denen wir in den letzten Monaten nur träumten. Süßigkeiten, Käse, Joghurt, Wurst. Wir können uns nicht entscheiden, soviel Auswahl, ich nehme einen Ananas-Joghurt und stelle ihn wieder zurück, doch lieber den mit Mangogeschmack. Letztendlich nehme ich beide und den Erdbeer-, den Kirsch- und den Vanille-Joghurt auch noch. Wir verbringen Stunden im Supermarkt und kaufen ein, wie besoffene Matrosen.
An der Kasse erinnere ich mich an die Autobahn. Obwohl ich mich beeile, meinen Einkauf in den Wagen zu packen, sind alle anderen schneller, wieder habe ich das Gefühl im Weg zu sein. An das Tempo werden wir uns gewöhnen müssen.

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