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Als wir vier Wochen vor Abreise unser Fährticket für die Strecke Genua – Tunis buchten, stellten wir fest, dass Freunde mit sieben Fahrzeugen die gleiche Fähre nutzen um in Süd-Tunesien im Sand zu spielen. Eine Woche wollten wir mit ihnen mitfahren, was aber bedeutete, dass wir unsere Reiseplanung für Tunesien ändern mussten. Nicht wie geplant langsam von Nord nach Süd, sondern schnellstmöglich von Tunis in den Süden. Die Überfahrt von Genua nach Tunis verlief bei ruhiger See und die 24 Stunden auf dem Schiff reichten um zu der Erkenntnis zu kommen, dass wir Kreuzfahrten erst in einem Alter machen, in dem uns Langeweile nicht mehr stört.
Zwei Tage später sind wir auf dem Camping von Douz und treffen uns mit Ute und Florian, die schon ein paar Wochen in Tunesien unterwegs waren und mit unserer Gruppe erste Sanderfahrungen sammeln wollen.
Am nächsten Tag tanken wir die Autos voll und versuchen die Strecke Douz – Ksar Gilane auf direkter Linie durch die Dünen zu fahren.

Zwei Tage kämpfen wir uns durch den Sand. Allen macht es viel Spaß, die Aufgabe schweißt zusammen und neue Freundschaften entstehen. In der Oase Ksar-Gilane erwartet uns, neben Martin und Karl-Heinz, ein Quellteich mit warmen Wasser. Um den Teich gruppieren sich einige Cafes und wir lassen es uns zwei Tage gut gehen.
Wir trennen uns von der Gruppe und starten mit Jan und Heike eine Tour ins Dahar-Gebirge und anschließend eine Badewoche am Strand bei Djerba. Die Höhlenwohnungen bei Matmata im Dahar-Gebirge sind inzwischen zu Touristenattraktionen verkommen. Restaurants und Souvenirläden befinden sich jetzt in den verschandelten Wohnungen.
Im Reiseführer ist von einer überwältigenden, atemberaubenden, grandiosen Schlucht die Rede, die einzigartig in ganz Tunesien sein soll. Wir fragen zweimal nach, ob wir wirklich in der richtigen Schlucht sind. Zum Glück war der Umweg nur etwas mehr als 100 Kilometer.
Am Strand bei Djerba haben wir Glück. Wir finden einen unbebauten Strandabschnitt mit schönem Sand direkt neben einer Clubanlage. Deutsche laden uns zu einem Drink in die Anlage ein. Alles sehr gepflegt, schöner Pool, Palmengarten, wie im Prospekt, echt klasse.
Von Jan und Heike haben wir uns inzwischen getrennt und sind seit dem jeden Tag im Club. Die Deutschen laden uns ein, Nachmittags Kaffee und Kuchen, Abends Pizza und zum Schluss ein Cocktail in der Bar. Am nächsten Tag möchte ich mich revanchieren und die Rechnung übernehmen. Keine Chance, man kann in dem Club nicht zahlen, man kann sich nur am Büffet bedienen, denn im Club ist alles all inclusiv.
Ein besonderes Schauspiel bietet sich an unserem freien Strand. Ältere Damen (ab 60) gehen hier oben ohne mit jungen tunesischen Männern (unter 25) umarmt spazieren und verschwinden im nahe gelegenen Palmengarten. Büsche verdecken den Blick durchs Fernglass, so kann ich leider keine Einzelheiten berichten, trotz jeder erdenklichen Mühe. Im Gespräch erfahren wir, das viele europäische Frauen wegen der Palmengärten Djerba besuchen. Eine Führung kostet ca. 30,- Euro, all inclusiv.
Für das libysche Visa ist eine Einladung erforderlich und ein Führer muss organisiert und im Voraus bezahlt werden. Der Führer kostet 35,- Euro pro Tag, die Einladung 50,- Euro und das Visa nochmals 50,- Euro. Da wir Libyen im Transit nach Ägypten durchqueren wollen, kommen nochmals 80,- Euro für den Rückflug des Führers hinzu. Insgesamt sind schon 420,- Euro (für 4 Tage) im Voraus fällig. An der Grenze entstehen weitere Kosten: 8,- Euro KFZ-Versicherung für 14 Tage und ca. 80,- Euro für KFZ-Kennzeichen, von denen man ca. 40,- Euro bei der Ausreise zurück bekommt. Wer ohne Carnet der Passage reist zahlt nochmals 150,- Euro Einreisegebühr.
Der Behördengang nimmt seinen Lauf: Zur Bank Geld tauschen, einen Schwarzmarkt gibt es nicht mehr, die Straßenhändler in Tunesien boten schlechtere Kurse als die Bank. Im Versicherungsbüro sind wir schnell fertig, anschließend werde ich zum Zoll geführt. Meinen Führer habe ich mehrmals gesagt, dass wir ein Carnet haben, dennoch wird ein Formular ausgefüllt und anschließend soll ich 150,- Euro Gebühren zahlen. Ich protestiere. Das Formular wird zerrissen und weggeworfen und mein Carnet gestempelt, ohne Gebühren. Zwei Stunden später sind wir in Libyen und der erste von vier Tagen geht fast zu Ende.
1.600 Kilometer sind es bis zur Ägyptischen Grenze, wir müssen Gas geben.

Wir fahren über Tripolis an der Küste entlang, die Straßen sind gut und wir haben Zeit, die alte Römerstadt Leptis Magna zu besichtigen. Sonst sehen wir nicht viel von dem Land. Unser Führer schläft die meiste Zeit auf dem Beifahrersitz.
Die Dieselpreise sind auch nicht mehr so billig wie ich es gelesen hatte. Inzwischen kostet der Liter umgerechnet 9 Eurocent. So sind für 1038 Liter 96 Euro fällig. Aber wir wollen nicht klagen. Wie geplant erreichen wir 4 Tage später die Grenze zu Ägypten.
Die Ausreise aus Libyen verläuft korrekt. Selbst die 40,- Euro für das Kennzeichen bekommen wir zurück.
An der ägyptischen Grenze herrscht Chaos. An keiner der afrikanischen Grenzen habe ich solch ein Treiben erlebt.
Wir stehen in einer langen Reihe an einem Schalter an, wo unser Pass gestempelt werden soll. Wir rechnen mit mehr als einer Stunde Wartezeit. Nach 5 Minuten werden wir von einem Polizisten angesprochen, der uns an den Wartenden vorbei an den Schalter führt und unser Pass wird gestempelt.
Anschließend wird dreimal unser Auto durchsucht. Wobei die Durchsuchung sich auf das Öffnen der Klappen beschränkt und in wenigen Minuten erledigt war. Einheimische wurden ausnahmslos komplett durchsucht. Auf die Frage nach Alkohol, GPS und Waffen waren wir vorbereitet, doch die Frage lautet: “Haben Sie Maschinengewehre, Granaten oder Bomben ?“
Ein Polizist wird für uns abgestellt und führt uns durch die Bürokratie. Zur Bank Geld tauschen. Ich tausche 150,- Euro. Anschließend zum Copy-Shop. Alle Papiere werden kopiert und in einer Mappe abgelegt. Ca. 2,- Euro sind fällig. Beim Zoll wird mein Carnet gestempelt, zuvor muss ich jedoch bei der Zahlstelle umgerechnet 150,- Euro zahlen. Ich weis nicht wofür, aber die 1002 ägypt.Pfund sind abhängig von der Zylinderzahl des Motors. 4 Zylinder hätten die Hälfte gekostet und weniger als 4 die Hälfte der Hälfte. Ich protestiere, verhandele und diskutiere. Keine Chance, die 150,- Euro sind fällig. Wieder zur Bank, neues Geld tauschen, diesmal 300,- Euro, die Grenze scheint teuer zu werden. Die KFZ-Versicherung gilt drei Monate und kostet weniger als 8,- Euro und auch die Kennzeichen sind mit 8,- relativ billig. Zu unser großen Überraschung gelten die Kennzeichen 3 Monate genau wie die Versicherung und unser Visa.
Von Freunden haben wir gehört, das diese nach Kairo zu Verlängerung müssten, da deren Kennzeichen nur 4 Wochen galten. Nach vier Stunden war alles erledigt. Unser erster Eindruck von Ägypten ist äußerst positiv. Schon lange haben wir nicht mehr so freundliche Menschen getroffen wie hier. Man winkt uns freundlich zu, beim Einkaufen gibt man uns von allem zum Probieren und wenn wir was suchen, findet sich sofort jemand, der uns führt, ohne im Anschluss übertriebene Geldgeschenke zu fordern.
„You are wellcome“, das sind die am häufigst gehörten Worte in den letzten zwei Wochen, und wir glauben, die meinen es auch ernst. Offiziell ist das Übernachten am Strand verboten, doch wir haben die Genehmigung von Polizei und Militär in der Nähe von Marsa Matrouh zu stehen. Als es dann so weit ist und dunkel wird, wird uns die Genehmigung wieder entzogen und wir müssen in der Stadt vor der Polizei übernachten. Ärgerlich. Die Polizisten laden uns zum Abendessen ein, doch wir lehnen ab, sind wir doch schon mit einem Ägypter, der seit langem in Amerika arbeitet und hier Urlaub macht, im Restaurant verabredet.
Zwei Minuten später steht der Polizist mit einem Tablett Tee, Brot, Datteln und anderen zugedeckten Schalen am Auto und möchte uns das Abendessen bringen.
Es ist Ramadan, tagsüber schläft die Stadt und nachts ist Leben in allen Gassen. Am Ende des Ramadan beschenkt man sich gegenseitig und so sind die Läden geschmückt und die Straßenbeleuchtung erinnert an Weihnachten in Deutschland, nur das hier alles bunt blinkt. Im Restaurant können wir uns nicht entscheiden. Der Ägypter, der uns einläd, bestellt von allem eine kleine Schale und so haben wir letztendlich ein kleines Büffet auf unserem Tisch. Wir bleiben einen weiteren Tag in der Stadt, nur um am Abend nochmals das komplette Programm im Restaurant zu bestellen. Mit 2,50 Euro incl. Getränke ist es auch bezahlbar, wie alles außerhalb der Touristenzentren.
Die 300 Kilometer in die Oase Siwa sind schnell gefahren.

Alexander der Große lies sich hier im Amun-Tempel zum Kaiser krönen und Cleopatra soll in den zahlreichen Quellen gebadet haben. Am Abend fahren wir raus ins große Sandmeer und erleben einen fantastischen Sonnenuntergang in den Dünen.

Die Landschaft ist eintönig flach, nur gelegentliche Kamelsklette am Straßenrand sorgen für Abwechslung. Zwei Tage bleiben wir in Siwa. Für die weitere Strecke nach Bawiti ist eine Genehmigung erforderlich. Und schon hat uns die Bürokratie zurück. Antrag stellen, Stempel hier, Kopie dort, bezahlen da. Vier Stunden später haben wir die Genehmigung, jedoch nicht nach unserem Wunsch. Wir müssen die 400 Kilometer an einem Tag fahren und in Begleitung eines Militärs. Nochmals eine Stunde Diskussionen, erst mit dem Militär, dann mit der Polizei, dann wieder mit dem Militär, es bleibt dabei, der Führer muss mit. Die Kosten für die Genehmigung betragen 20 US-Dollar und 20 ägyptische Pfund (3,-Euro) Der Führer ist kostenlos. Am nächsten morgen um 9Uhr ist Abfahrt. In Bawiti sind wir wieder frei. Der Führer steigt bei der Kaserne aus und wir machen uns auf den Weg in die Weiße Wüste in der Nähe der Oase Farafra.

Die Weiße Wüste ist die schönste, die wir bisher gesehen haben, aber nicht östlich der Straße, wo alle Touristen hingefahren werden und bizarre Skulpturen besichtigt werden können, sondern der weit aus größere Teil westlich der Teerstraße. Wir lassen Luft aus den Reifen und bleiben fast eine Woche in dem Gebiet.

Zum Glück gibt es digitale Kameratechnik, sonst hätte ich hier alle meine Filme verballert.
Unzählige weiße Kalk-Tafelberge stehen in einem Meer aus gelben Sand. Dünen sind angeweht und so fest, das man sie mühelos befahren kann. Am nächsten Morgen sind alle Spuren verweht (zumindest die im Sand) und man hat den Eindruck man sei der erste Mensch in dieser atemberaubenden Gegend.

An der Tankstelle in Farafra füllen wir Wasser auf. Neben uns halten zwei Toyota-Landcruiser. „Hi, Burkhard – habe die lila Pistenkuh gleich erkannt.“ Ich bin sprachlos, habe keine Ahnung wer mich hier kennt. Es sind Ute und Eberhard aus Siegburg, die selbst einen Magirus haben und jetzt eine zwei Wochentour mit Freunden unternehmen. Sie reisen mit Fahrer und Koch und laden uns zum Abendessen auf ihren Nachtplatz ein. Klein ist die Welt.

Wir sind in Assuan.
In der Zwischenzeit haben wir einige Tempel (Abu Simbel, Amada, Wadi es Sebua, Horus in Edfu) besichtigt, wobei Abu Simbel der Beeindruckendste war. Angeblich braucht man für die 300 Kilometer lange Wüstenstrecke eine Genehmigung und muss sich dem täglich fahrenden Konvoi anschliessen. Wir probieren es erst mal ohne und fahren einfach los. An den Polizei-Check-Points werden wir ohne Diskussionen durch gewunken. Am frühen Nachmittag erreichen wir die Tempelanlage und wundern uns, dass kein einziger Tourist hier ist. Wir können auf dem Parkplatz vor dem Tempel übernachten. Besichtigen wollen wir ihn am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang.
Den Nachmittag verbringen wir am Pool des benachbarten Hotels. Hier lernen wir einen Amerikaner kennen, der uns abends ins Hotel zum Essen einlädt. Wir verzichten auf die in Ägypten üblich höflichen drei Ablehnungen und nehmen die Einladung sofort an. Er ist froh, seit zehn Tagen ist er der einzige Gast in dem Hotel.
Um 5 Uhr früh öffnet der Tempel, wir stellen uns den Wecker und sind die einzigen Besucher in der Tempelanlage. Mir gelingen super tolle Fotos bei Sonnenaufgang und wir gehen bei völliger Stille durch die Tempel. Zwei Stunden später verlassen wir die Tempel. Souvenirhändler bauen ihre Stände auf und dann sehen wir auch schon den Konvoi aus Assuan kommen. Wir zählen über 40 Busse, mehr als 1000 Leute drängen in die Tempel. Besucher winken den Souvenirhändlern als wollten sie lästige Fliegen vertreiben. In drei Stunden wird der Konvoi Abu Simbel verlassen und der Tempel wieder in völliger Stille am Ufer des Nasser-Stausees liegen.
Um nicht noch mal 300 Kilometer durch langweilige Wüstenlandschaft zu fahren, nehmen wir eine kleine Piste, die später in eine Teerstrasse mündet und am See entlang führt. 
Hier sind insgesamt sechs weitere Tempel zu sehen. Wir lassen uns Zeit und brauchen 3 Tage.

Kein einziger Tourist verirrt sich hier her, die angrenzende Wüstenlandschaft ist mit ihren Tafelbergen und Sanddünen deutlich abwechslungsreicher als die Hauptstrecke.
In Kharga war die freie Fahrt durch die Wüste zunächst beendet. Am Polizei-Check-Point vor der Stadt mussten wir warten bis ein Polizeiwagen uns abholt. Als Ziel geben wir die Tourist-Police in der Stadt an und werden dorthin geführt. Wir möchten ein Permit, dass wir direkt ca. 400 Kilometer nach Abu Simbel fahren dürfen. Zudem ein Permit, dass wir ohne Polizeibegleitung reisen können. Beides ist unser Meinung nach aussichtslos und von uns auch nur als dreister Versuch gedacht. Doch zu unserer Überraschung ist beides möglich, beide Permits sind sogar kostenfrei. Wir müssen eine Verzichtserklärung schreiben, das wir ausdrücklich auf eigenen Wunsch auf Polizeischutz verzichten, im Ernstfall niemanden in Regress nehmen und über die Risiken aufgeklärt sind und auf eigene Gefahr reisen. Auf welche auch sonst?
Beide Permits werden von Touristenpolizei und Sicherheitspolizei abgestempelt. Dann geht es quer durch die Stadt zur Militärpolizei. Diese kassiert beide Permits und wir müssen draußen an einem Holztor warten. Nach einer halben Stunde geht eine kleine Klappe auf, mein Name wird gerufen. Ich gehe zur Klappe und der Militär sagt einfach nur: “No“. „Why not?“, „No“ Klappe zu, beide Permits weg, insgesamt über zwei Stunden umsonst gewartet.
Das kleine blaue Auto der Polizei, besetzt mit einem halben Dutzend Polizisten bringt uns an die Stadtgrenze. Wir machen ihnen klar, dass wir die 300 Kilometer nach Isna (bei Luxor) alleine fahren, Touristenpolizei und Sicherheitspolizei haben ja zugestimmt.
Tatsächlich, wir sind frei und dürfen fahren. Fünf Minuten später sehe ich in den Rückspiegel und traue meinen Augen nicht. Mit zwei Meter Abstand werden wir von einem Auto mit Blaulicht verfolgt. Ich gebe Gas, das Auto ebenso. Ich fahre an eine Tankstelle und tanke 100 Liter Diesel nach, das Blaulichtauto mit fünf Polizisten ebenso.
Nach zehn Kilometer ergibt sich eine schöne Möglichkeit Off-Road zu fahren. Ein Straßengraben hält uns nicht auf und dahinter geht es direkt in die Sanddünen. Das Blaulichtauto bleibt stehen und die Polizisten winken wie verrückt. Wir winken wie wild zurueck. Freundlich sind sie ja, selten so einen herzlichen Abschied gehabt.
Das Polizeiauto fährt zurück und wir suchen uns an anderer sichtgeschützten Stelle einen ruhigen Übernachtungsplatz.
Am nächsten Morgen werden wir an allen folgenden Polizei-Check-Points durch gewunken. In Isna müssen wir fast zwei Stunden warten und diskutieren, bis wir ohne Begleitung nach Assuan fahren dürfen. Ich will halten und Tee trinken wo es mir passt, ich will mit Leuten sprechen, ohne das ein Polizist mit am Tisch sitzt. Ich fühle mich nicht sicherer, wenn schwer bewaffnete Bodygards mir beim Pieseln in ihren kugelsicheren Westen Deckung geben. Und sollten wirklich in Ägypten einige Irre umherlaufen, die mich umbringen wollen, dann nichts leichteres als in einem Konvoi. Der Konvoi fährt täglich zu den gleichen Zeiten ab. Hält täglich zur gleichen Zeit vor den gleichen Restaurants, die entgegen allen touristischen Anlagen nicht geschützt sind.
In Edfu besichtigen wir den Tempel von Horus entgegen unserer Gewohnheit zur Haupt-Touristenzeit um 10 Uhr. Kein Bild gelingt, ohne das jemand vor die Linse rennt. Dafür hören wir einen Führer deutsch sprechen. Wir bleiben in der Nähe und lauschen den Worten. Er leiert seinen auswendig gelernten Text runter und wirft mit Jahreszahlen nur so um sich. Seine Ausführungen zu Papyrus waren die Besten: “Wir unterscheiden Papürus und Papirus. Papürus aus Oberägypten kommt und Papirus aus Unterägypten kommt. – Nein, Papürus aus Unterägypten kommt, in diesem aus Unterägypten kommt sind angeordnet die Fasern quer und aus dem aus Oberägypten Papirus kommt angeordnet lang. Später waren auch die Fasern in Unterägypten angeordnet lang. Nein, sorry, erst in Unterägypten hoch, dann angeordnet in Oberägypten auch lang. Im Papürus – sorry Papirus - waren angeordnet Fasern aber nie hoch,- sorry lang,- sorry quer.

Zurück in Assuan sehen wir in der Stadt einen IFA mit niederländischem Kennzeichen. Kurz angehalten und schnell ist vereinbart, dass wir uns am Abend auf dem neu eröffneten Campingplatz „Adams Home“, 9 km außerhalb der Stadt treffen.
Sie sind ebenfalls seit zwei Jahren mit ihrem Lastwagen unterwegs und kommen aus Indien über Oman und Saudi-Arabien. Jetzt geht es weiter nach Sudan. Die Grenze zwischen Ägypten und Sudan ist jedoch auf dem Landweg geschlossen. Einzige Möglichkeit ist die Fähre über den Nasser-Stausee.
Die Fähre befördert jedoch keine Lkw, dazu muss eine Plattform komplett angemietet werden, die dann unabhängig von der Personenfähre befördert wird. Für die Strecke ist mit drei Tagen zu rechnen. In der Stadt steht ein Reise-Lkw eines britischen Reiseveranstalter, der die nächste Plattform gemietet hat. Diese kommt Montag und bietet Platz für weitere Fahrzeuge, so können die Kosten aufgeteilt werden und es wird für alle billiger. Treffpunkt für Preisverhandlungen ist das Restaurant Assuan-Moon in der Stadt.
Am nächsten Tag treffen weitere Fahrzeuge ein. Ein Landrover aus London, ein Motorradfahrer aus Kanada, ein Toyota aus der Schweiz, ein Toyota und ein Landrover aus Belgien, die unabhängig reisen und sich zufällig in Luxor getroffen haben.
Der Campingplatz, der in Wirklichkeit nur ein Parkplatz vor einem Haus ist, ist der Treffpunkt. Wir genießen die Atmosphäre und werden die nächsten Tage bis zur Abreise der Anderen ebenfalls hier verbringen. Mit 15 E-Pound (2,50 Euro) komplett für alles, nicht billig, aber bezahlbar.
Jetzt beginnt das üble Spiel eines gewissen Herrn Salah und Herrn Idris.
Herr Idris führt die Verhandlungen. Jeden Abend wird eine Stunde im Assuan Moon diskutiert. Neues ergibt sich nicht. Selbst der Preis des Ponton wird nicht genannt. Drei Tage vergehen, ohne das Fakten genannt werden. Sonntag wird erstmals der Preis von 4.000 Euro genannt. Normalerweise wäre der Preis noch höher, aber Herr Idris und auch Herr Salah haben die letzten Tage jede freie Minute für diesen guten Preis gekämpft – aus Freundschaft. In der Gruppe entstehen Streitigkeiten, wie die Kosten aufzuteilen sind. Bisher war der Engländer Sprecher der Gruppe. Den Holländern ist der Komplettpreis zu hoch (1000,- Euro je Lkw und 500,- Euro je Geländewagen) und sie wollen ihren Preis mit Herrn Idris selbst verhandeln. Dieser will aber nur mit der Gruppe verhandeln und nicht mit jedem Einzelnen. Streit entsteht – innerhalb der Gruppe und mit Herrn Idris.
Es ist Montag, das Schiff mit dem Ponton ist nicht da. Der Engländer wird nervös, seine Aufenthaltsgenehmigung in Ägypten endet morgen und hohe Strafen werden für jeden Tag der Überschreitung fällig. Er spricht mit Herrn Idris. Herr Idris sichert Hilfe zu, er kennt einflussreiche Leute und gegen Schmiergeld kann er das Problem lösen, aber keine Sorge, das Schiff kommt morgen.
Zwei Stunden später ein Anruf der Fährgesellschaft. Herr Salah teilt mit, dass das Schiff einen Motorschaden erlitten hat und frühestens Mittwoch kommt. Dann aber auch nur, wenn die Gruppe den guten Mechanikern an Bord etwas Trinkgeld verspricht, dass diese Nachts durcharbeiten. Großzügiges Trinkgeld wird versprochen.
Montag geht dann alles ganz schnell. Ein Anruf von Herrn Salah beim Frühstück, in einer Stunde geht die Personenfähre. Auf dem Ponton darf je Fahrzeug nur eine Person mitfahren. Die zweite Person muss mit der Personenfähre voraus fahren und in Wadi Halfa ein paar Tage im Hotel warten. Wer mit zwei Personen auf das Ponton fahren will bleibt hier. Zuvor hatte Herr Idris mehrmals zugesichert das alle mit dem Ponton fahren können. Jetzt kann er sich nicht erinnern.
Ebensolche Gedächtnislücken hat Herr Salah, die Kosten des Personentransports sind in den 4000,- Euro jetzt doch nicht enthalten. Die Entscheidung muss jetzt sofort getroffen werden. Zeit zur Beratung bleibt nicht. In einer Stunde legt die Fähre ab, für den Weg braucht man 30 Minuten. Für die Engländer und die Schweizer ist die Entscheidung klar, die Frauen packen ihre Sachen. Die belgische Toyota-Besatzung schließt sich an. Nur die Holländer und die belgischen Landroverbesatzung bleiben zusammen. Mein Frühstückskaffee ist noch lauwarm und schon sind die Frauen weg. Die Preisverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber die Position derjenigen, die ihre Frauen weggeschickt haben ist nun deutlich schlechter.
Die Holländer haben noch drei Wochen Zeit bis ihre Aufenthalts-genehmigung ausläuft und denken über Alternativen nach, sofern Herr Salah nicht auf ihr maximales Angebot von 550,- Euro eingeht. Zudem haben sie ein Motorrad an Bord, so können sie beide mit dem Ponton fahren. Herr Salah explodiert, als er von dem Motorrad erfährt. Die Belgier denken an einen Abbruch ihrer Reise und an die Rückkehr nach Belgien.
Als der Ponton am nächsten Tag - dank geglückter Reparatur – anlegt, ist es Herrn Salah in letzter Sekunde in schwierigen Verhandlungen gelungen, dass die Holländer mit an Bord können und nur ihre 550,- Euro zahlen. Die Belgier dürfen ausnahmsweise zu Zweit an Bord. Sollte es in Wadi Halfa Probleme geben, kann man sich vertrauensvoll an den Cousin von Herrn Idris wenden, der auf der anderen Seite für die Fährgesellschaft arbeitet und sich aus Freundschaft für jeden einsetzt und kämpft.
Zum Schluss gab es nur noch ein kleines Missverständnis auszuräumen. Der Campingplatzbetreiber sprach immer von 15 Pound komplett für alles, jetzt will er pro Person 15 Pound und so war die Rechnung doppelt so teuer als von uns allen gedacht. „Oh, wir dachten die 15 Pound sei komplett für alle Tage, für die gesamte Gruppe“. Wir einigen uns in der Mitte.
Wir fanden die Tage (obwohl nur als Berater tätig) irrsinnig spannend und haben beschlossen, nächstes Jahr nach Südafrika zu fahren, dann gibt es eine neue Geschichte von Herrn Salah.

Wir sind wieder in Edfu, waren ein paar Tage in der arabischen Wüste zwischen Nil-Tal und Rotem Meer unterwegs und fahren weiter in den Sinai. Wir wollten zwar nicht nach Edfu, war aber der einzige Weg, den wir ohne Bewacher fahren konnten und dies auch nur, weil wir auf geheimen Kamelpfaden unterwegs waren.
Atemberaubende Wüstenlandschaft umgibt uns. Schwarze Tafelberge erheben sich im gelben Sand. Traumhaft! Wir sind weit draußen in der arabischen Wüste und suchen eine Verbindung zum Roten Meer.
Am nächsten Morgen hat unser Deutz keine Leistung mehr und 100 Meter später geht der Motor aus. Ausgerechnet hier, an der ungünstigsten Stelle, mitten im Nichts. Shit.
Im Schauglas des Separ-Diesel-Filters sehe ich Wasser schwimmen und eine weiße Masse. Ich baue den Filter auseinander, schütte das Wasser weg und reinige das Filterelement von dem Schmier, der an Hammelfett erinnert.
Als ich den Tankdeckel öffne, trifft mich fast der Schlag, überall schwimmen Klumpen dieser weißen Masse auf dem Diesel. Den Diesel hatten wir vor ein paar Tagen in Qena getankt, aber bisher immer den Diesel aus dem zweiten Tank verfahren bis er leer war.
Ich ärgere mich über mich selbst, warum fahren wir von der Tankstelle weg, ohne den neuen Sprit direkt auszuprobieren, warum verlasse ich mich darauf, das ich Diesel kriege, der auch brennt. Shit.
Dieselfilter zusammenbauen, entlüften, starten. Der Motor läuft, der Ärger weicht der Spannung: Wie lange wird der Motor laufen, bis der nächste Klumpen den Filter verstopft? Ich rechne jeden Moment damit, doch das Problem trat nie wieder auf. Mittags gucke ich in den Tank, das Hammelfett hat sich scheinbar aufgelöst, nichts ist zu erkennen. Die Nacht war frisch, aber so kalt, dass Diesel ausflockt bestimmt nicht, oder?
Nach vier Tagen erreichen wir den Rand der Wüste. An einem Bergfuß sehen wir einen Geländewagen stehen und freuen uns, andere Reisende zu treffen. Als wir näher kommen sehen wir nicht einen, sondern 15 Geländewagen. In jedem werden fünf halbnackte Touristen durch die Wüste gefahren, die gerade einen kleinen Berg besteigen, fürs Fotoalbum. Die 80 Touristen sind auf dem Weg zu den letzten originalen Beduinen in der Wüste, wie eine Frau mir erzählt. Sie möchte die Ruhe und Einsamkeit der Wüste genießen und hat daher den Geländewagenausflug gebucht. Aber jetzt muss sie sich beeilen, die Toyotas hupen zum Aufbruch und schon werden wir in Staub gehüllt. Die Ruhe, die von allen gesucht wird, kehrt zurück.
Ein paar Kilometer später, wir fahren durch ein sandiges Wadi, stehen wir unmittelbar nach einer Biegung vor drei großen Beduinenzelten. Die Beduinen erwarten eine größere Touristengruppe, die noch mit den Geländewagen draußen in der Wüste unterwegs sind. Die Autos fahren einen Bogen um die Tafelberge, um den Touristen Entfernung vorzutäuschen.
In den original Zelten, die keinen einzigen Flicken aufweisen, ist der Boden gefegt. Hühner und Ziegen waren noch nie in den Zelten. Tee wird aus original Mineralwasserflaschen gekocht und in echten Einweg-Plastikbechern angeboten, wie seit alters her. Original Coca-Cola steht auch in ausreichender Menge zu original europäischen Preisen bereit. Ziegenmilch oder geronnene Kamelsmilch als Beduinengetränk, das sind Geschichten der Märchenerzähler. In einem Nebenzelt kann man echten, original Beduinenschmuck kaufen. Die Beduinen sprechen Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch perfekt. Sind halt Original. Wir verabschieden uns bevor der Geländewagenkonvoi eintrifft.
Wir sind einige Kilometer am Strand des Roten Meeres entlang gefahren. Ein Abwasserkanal und die angrenzende Feriensiedlung stoppt unseren Weg. Die Teerstraße verläuft ca. 3 Kilometer in westlicher Richtung.
Wir fahren über eine Schotterfläche und stoßen auf einen Feldweg, dem wir zur Hauptstraße folgen. 50 Meter vor dem Asphalt ist der Feldweg durch fünf leere Ölfässer versperrt. Aus einem kleinen Betonhäuschen stürmen drei uniformierte Soldaten auf den Weg. „Hey, die sind ja gut drauf, so schnell waren noch nie irgendwelche Fässer weggeräumt“, denke ich.
Aber weit gefehlt, die Fässer bleiben stehen. Es folgen die üblichen Fragen: Name, Nationalität, Woher, Wohin, Warum. Die beiden ersten Fragen beantworte ich wahrheitsgemäß, die Anderen so, dass es für einen Afrikaner einen Sinn ergibt.
„Bitte öffnen Sie die Barriere und lassen uns auf die Hauptstraße.“
„Nein, es ist verboten, die Barriere darf niemand passieren, drehen sie um und fahren sie zurück wie sie gekommen sind.“
„Warum, ich will doch nur auf die Hauptstraße“.
„Das ist Militärgebiet hier darf niemand rein.“
„Aber ich bin doch schon drin, ich will hier raus.“
„Wir haben den Befehl, dass jeder an der Barriere umdrehen muss, fahren sie zurück.“
„Es macht doch jetzt keinen Sinn.“
„Befehl ist Befehl.“
Wir umfahren die Fässer mit ein paar Meter Abstand durch weichen Sand. Wenn der Kommandant die Spuren sieht, gibt es bestimmt eine Belobigung für die erfolgreiche Verteidigung der Barriere.
Wir wollen 250 Liter Diesel tanken. Der Tankwart versteht mich nicht und ich gebe ihm das Geld passend für den Sprit. Bei 245 Liter stoppt die Uhr und er hängt den Rüssel in die Zapfsäule. „Hey, was ist los, kein Sprit mehr?“ er beugt sich zu mir und flüstert mir ins Ohr: „It´s Bakschisch.“
Vom dreijährigen bis 80jährigen halten alle die Hand auf und flüstern einem das Wort Bakschisch ins Ohr. Damit meinen sie nicht ein kleines Trinkgeld für eine Gefälligkeit, sondern einen größeren Betrag für Nichts.
Klar, wenn man sieht wie die Touristen mit Geld um sich werfen, kann man die kleinen und großen Bakschisch-Jäger verstehen. Euro Stücke werden verschenkt und 5 Pfund Noten (80 Cent) als Almosen gegeben. Dabei verdient ein Lehrer ca. 2 Euro am Tag und ein Professor an der Uni in Kairo nach 20 Jahren ca. 150,- Euro im Monat.
(Die Kaufkraft ist höher, der Liter Diesel kostet 9 Cent, eine Coca Cola im Restaurant 20 Cent und Obst und Gemüse zwischen 15 und 25 Cent je Kilo.) Wir geben grundsätzlich nur kleine Geldbeträge gegen entsprechende Gegenleistung. (Unsere Tochter kann ein Lied davon singen.)
Im Tal der Könige drehen wir den Spieß um. Ein junger Mann nimmt Kurs auf mich, ich gehe ihm entgegen, schüttele seine Hand, frage nach seinem Namen, stelle mich vor und erzähle eines der vielen Märchen: „Ich bin ein armer Tourist, ich habe mein ganzes Geld für Souvenirs ausgegeben und nach Hause geschickt, jetzt kann ich mir nichts zu essen kaufen und trinke seit Tagen nur Wasser.“ Und dann flüstere ich ihm ins Ohr: „Bitte gib mir etwas Bakschisch.“ Er krümmt sich vor Lachen und gibt mir 25 Piaster (6 Cent). Beim Nächsten sind es 75 Piaster. Ein Souvenirhändler ruft seine Freunde zusammen und alle müssen Geld geben, nachdem ich ihnen das Wort „Bakschisch“ ins Ohr geflüstert habe.
Der Vormittag vergeht, wir alle haben viel Spaß. Die Ausbeute waren 6 Pfund und zwei Einladungen zum Tee.
Am Hatschepsut-Tempel kommen nochmals 2 Pfund dazu und die Pyramiden haben wir noch gar nicht besucht. Am Ende der Reise werden wir den Betrag in einer Moschee abgeben.
Will man den Ägyptern wirklich einen Gefallen tun, dann sollte man ihnen statt Kugelschreiber und Geld, Kondome als Bakschisch geben, damit sie ihren irrsinnigen Bevölkerungswachstum in den Griff kriegen. (Späßle gemacht)
Das Reisen in Ägypten ist nicht immer so lustig wie oben beschrieben.
Fast jeder im Niltal versucht Touristen maßlos auszunehmen. Bei Souvenirs ist das normal und das Handeln macht Spaß.
Tassen mit ägyptischen Motiven, die ich auf dem Markt für 6 Pfund gesehen habe, werden in Abu Simbel zu 120 Pfund angeboten. Touristen, die als ersten Preis 10 Pfund nennen, haben schon verloren.
Internet kostet die Stunde 3 Pfund. Touristen zahlen 20.
Tomaten, Kartoffeln, Coke etc. werden auf dem Markt zu dem dreifachen des lokalen Preises dem Touri angeboten.
Im Supermarkt sind Preise mit arabischen Preisen korrekt ausgezeichnet und der Kassierer tippt einfach den doppelten Preis in die Kasse, im Glauben der Fremde kann keine arabischen Zahlen lesen. (Kann er in der Regel auch nicht.)
Wir füllen 300 Liter Wasser auf. Zuvor vereinbaren wir ein kleines Bakschisch. Okay. Anschließend wird der Monatslohn eines Beamten als Bakschisch gefordert.
Im Cafe und Restaurant zahlen Touris den vierfachen Preis gegenüber dem ägyptischen Tischnachbarn.
Neben diesem täglichen Kampf kommt der tägliche Kampf mit der Polizei, um nicht in den Konvoi zu müssen. Die Terroristen kann man nicht einsperren, also sperrt man die Touristen ein. Und keiner rebelliert, außer Zwei.
Wir fahren auf der Landstraße von Edfu nach Luxor. Die Polizeisperre in Edfu haben wir auf einem Schleichweg umfahren, aber 60 Kilometer vor Luxor ist die freie Fahrt beendet. Wir müssen auf den Konvoi, der aus fast 40 Touristenbussen besteht, warten. Diesmal werden wir sofort zugeparkt, scheinbar erinnert sich die Polizei an uns. Vor drei Wochen waren wir schon einmal auf dieser Strecke unterwegs und sind ohne auf den Konvoi zu warten einfach davon gefahren.
Wir warten. Die Polizisten sind nett, ich mache ein paar Späße und werde zum Tee eingeladen. Die ersten Touristenbusse kommen und sofort erscheint eine Traube Souvenirhändler mit Badetüchern, T-Shirts und sonstigem Kram. Kein Tourist interessiert sich für den Plunder.
Ich zeige den Souvenirhändlern, wie man in Hamburg Fisch verkauft. Eine große Tüte und statt Aal, Makrele und Bückling, alles für 2,- Euro, packe ich das Badehandtuch, das Papyrus und das T-Shirt in die Tüte und obendrauf gibt es noch die Sphinx gratis dazu. Die Touristen bleiben stehen. Die Händler freuen sich, dass die Touristen nicht so schnell davon laufen und laden mich zum Tee ein. Die Polizisten lachen sich kaputt. Die Touristen sind alle im Cafe verschwunden, keiner hat gekauft, nur eine ältere Dame um die 60 Jahre alt, kommt auf mich zu und sagt: „Helfen Sie mir, ich bin gekidnappt, die bringen mich um“.
Zuerst denke ich an einen schlechten Scherz, die Revanche für das Badehandtuch. Doch die Frau scherzt nicht, ihr Lippen sind blass, sie zittert, ich spüre ihre Angst.
„Wer will sie umbringen?“
„Die beiden Männer in der dunkeln Limousine. Schauen sie nicht hin, bitte helfen sie mir, ich will nicht mehr in das Auto steigen.“
Ich hole das Badehandtuch aus der Tüte und tue so, als erklärte ich ihr die gestickten Hieroglyphen.
„Was ist passiert?“
„Die haben mich eingesperrt und geschlagen, mir meinen Pass und mein Geld weggenommen, einer ist mein Freund.“
„Warum gehen sie nicht zur Polizei.“
„Die haben gesagt, sie geben der Polizei Geld und dann wird die Polizei mir nicht glauben und ich muss wieder zu ihnen ins Auto, dann bringen sie mich um, weil ich mit der Polizei gesprochen habe.“
„Was soll ich machen?“
„Bitte helfen sie mir.“
„Okay, sie können bei uns in dem lila Truck mitfahren, ich hole ihre Sachen.“
Sie zittert noch immer. Ich weis nicht was ich machen soll. Gedanken schießen durch meinen Kopf. Zur Polizei gehen? Würde ich der Polizei trauen? Dann hätte sie auch gleich zur Polizei gehen können. Was ist, wenn die Polizei wirklich korrupt ist? Die Frau hat sich mir anvertraut und nicht der Polizei. Ich muss mit den Entführern reden. Ich wollte nicht in den Konvoi. Die 30 Meter zu dem schwarzen VW-Jetta sind schnell gegangen. Ich habe mir noch keine Strategie überlegt, meine Gedanken hängen fest: Kann man der Polizei trauen oder nicht. Der Fahrer sitzt hinter dem Steuer. Ein Mann vielleicht 25 Jahre, Markenjeans, Lederjacke, gegeeltes Haar, Ray-Ben Sonnenbrille, saubere Lederschuhe, steht an der Beifahrertür gelehnt und raucht.
„Hallo, ich will die Tasche der Frau holen, sie fährt bei uns mit, wir wollen uns etwas unterhalten.“
Der Mann schnippt die Zigarette weg und steht jetzt direkt vor mir.
„Die Frau fährt hier mit, warum sprichst du mit der Frau? Du hast nichts mit ihr zu reden.“
„Ich rede mit wem ich will, gib die Tasche.“
„Du hast mich zu fragen, wenn du mit ihr sprechen willst, die Tasche bleibt hier.“
„Ich hab´ keinen zu fragen, du bist für mich ein nichts. Bei drei habe ich die Tasche oder ich hole die Polizei. Eins, zwei, drei.“
Ich drehe mich um und gehe in schnellen Schritten zur Polizei. Der Polizist versteht überraschend schnell. Ein paar Befehle auf arabisch. Zwei Zivilpolizisten gehen los, gefolgt von drei Polizisten mit Maschinengewehren. Kurze Zeit später sind sie zurück mit der Tasche der Frau und den beiden Männern. Die Frau sagt, dass sie ihr Geld und ihre Papiere haben, dass sie seit zwei Tagen eingesperrt ist und geschlagen wird. Jetzt werden den Beiden Handschellen umgelegt und mit dem Einrasten geht die Frau in die Hocke und heult.
Wir bringen sie nach Luxor in ihr Hotel „Zum heiligen Joseph“ und werden zum Essen eingeladen.
Sie hat einen der Männer vor ein paar Jahren per Internet kennen gelernt und wollte ihn jetzt besuchen. Er ist ein Feluken-Mann. (Feluken sind kleine Segelboote, mit denen Touristen über den Nil gesegelt werden.) Sie war in seiner Familie, kennt seine Mutter und Geschwister, hat ihm finanziell geholfen, über 500,- Euro. Mit ihm und seinem Freund (dem Taxifahrer) hat sie eine Zwei-Tagesreise nach Assuan unternommen. Im Hotel in Assuan wollte er, das sie ihn heiratet, damit er mit nach England kommen kann. Sie wollte nicht. Dann sollte sie ihm weitere 200,- Euro geben. Das wollte sie auch nicht. Daraufhin wurde sie geohrfeigt und ins Hotelzimmer eingesperrt. Er nahm ihr das Geld und alle Papiere ab. Im Hotel waren keine anderen Gäste, er hatte das Hotel ausgesucht. Aber jetzt ist alles vorbei. Morgen reist sie zurück nach England.
Später bei der Polizei, wir sind alleine mit dem Polizisten, hören wir eine andere Story:
Das Hotel „Zum heiligen Joseph“ ist bekannt unter älteren Damen aus England, die besondere Abenteuer suchen. Die Steuermänner der Feluken bieten diese spezielle Dienstleistung an. Besonders clevere Frauen gehen am Tag vor ihrer Abreise zur Polizei und zeigen den Felukenmann z.B. wegen Diebstahl an. Dieser wird verhaftet und die Lady spart das Honorar für die schönen Tage und Stunden.
Unser Felukenmann wird für zwei bis drei Monate hinter Gitter sein. Gerichtsverhandlung gibt es nicht. Es herrscht seit den 80ziger Jahren der Ausnahmezustand, welcher der Polizei weite Rechte einräumt. Seit dieser Zeit gibt es auch die Konvoipflicht, die von großen Teilen der Polizei als Unsinn betrachtet wird, aber man sägt nicht an dem Ast auf dem man sitzt.
Der Polizist war gebildet, hatte in Riad und London studiert, sprach natürlich perfekt Englisch und seine Familie begleitet seit Generationen hohe Ämter in Militär und Polizei. Bei der zweiten Teerunde waren wir beim Nahostkonflikt angelangt. Seine Antwort auf meine naive Frage „Was ist so schwierig an einem Friedensvertrag?“, war so dumm, dass ich sie nicht als seine Meinung werte, sondern um mir das Problem zu verdeutlichen, oder war es wirklich seine Meinung?
„Wenn die Israelis Frieden anbieten, wollen Sie keinen wirklichen Frieden. Sie machen immer dann Zugeständnisse wenn ihr Lage schlecht ist. Sie wollen mit einem Friedensvertrag nur Zeit gewinnen, um ihre Waffen zu modernisieren. Sie werden sich nicht auf ihr jetziges Territorium beschränken, sie wollen das Land vom Nil bis zum Euphrat. Wer mit den Israelis Frieden macht, denkt nicht an seine Kinder, die dann vor einem viel größeren Problem stehen. Die Israelis haben im 6-Tage-Krieg den Syrien, Jordaniern und Ägyptern Land geraubt“,
„Moment, die Israelis haben den Krieg nicht begonnen“, unterbrach ich ihn.
„Die Israelis haben so lange provoziert, bis es nur noch diese Möglichkeit der Antwort gab.“ „Aber Ägypten hat einen Friedensvertrag geschlossen.“
„Wir wurden von den Amerikanern erpresst. Sie schenken uns jährlich Weizen für eine Milliarde Dollar, wenn wir nicht zugestimmt hätten, müssten wir hungern, weil wir dann für den Weizen hätten bezahlen müssen. Und deswegen waren wir 1991 mit den USA in Kuwait, und deswegen muss unser Geheimdienst jetzt mit den USA zusammenarbeiten. Aber die Amerikaner sind nicht unsere Freunde, sie schenken die modernsten Waffen den Israelis und wir bekommen nur veraltete drittklassige Waffensysteme geliefert. Die Amerikaner sind nicht fair.“
„Wie sieht die Zukunft aus?“
„In 20 Jahren wird alles anders sein. Wir brauchen mehr Einwohner. 100 oder 120 Millionen, dann haben wir mehr Gewicht in der Region und man hört auf unsere Stimme, dann können wir auch mit alten Waffen kämpfen, weil wir so viele sind. Wir werden unabhängig von den USA sein. Wir bauen einen riesigen Wasserkanal vom Nassersee in die Wüste, wenn der fertig ist können wir 120 Millionen ernähren und die Amerikaner können ihren Weizen ins Meer kippen.“
(Den Kanal haben wir auf dem Weg nach Abu Simbel gesehen. Ein wirklich gigantisches Projekt. Überall sieht man Schilder, die auf die Geldgeber aus Dubai, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate und sonstige Scheichs hinweisen.)
Wir fahren durch Kairo. So schlimm wie in vielen Büchern beschrieben, finde ich es gar nicht. Nicht anders als in Rabat, Dakar, Bamako oder einer anderen afrikanischen Hauptstadt. Busse halten auf der zweiten Spur und lassen Passagiere aussteigen. Man ordnet sich rechts ein, biegt aber links ab. Geblinkt wird nicht, ist unfair gegenüber denen, deren Blinker nicht funktioniert. Man ersetzt den Blinker durch die Hupe. Fußgänger – meist um ihr Leben rennend – überqueren die Straße.
Einer hat es nicht geschafft und wird in einen Rettungswagen verladen. Später stehen wir neben dem Rettungswagen im Stau und ich kann von oben zu den nicht vollständig sichtgeschützten Scheiben ins Innere sehen. Das Unfallopfer liegt auf der Trage und der Notarzt sitzt auf einem Hocker und raucht.
Wir fahren einige Kilometer westlich von Kairo raus in die Wüste, ins Fayoum. Wir wollen uns von dem Streß in Kairo erholen und ein paar Tage Einsamkeit genießen.

Beim zweiten Frühstück in einem Straßencafe erzählt uns ein älterer Ägypter, das man da draußen in der Wüste Walknochen finden kann. Unser Forschungsdrang ist geweckt und sofort machen wir uns auf den Weg. Die Vorräte an Diesel, Wasser und Lebensmittel reichen für ein paar Tage, wenn nicht gar Wochen. Doch angesichts des rießigen Gebiets wird uns schnell klar: Ohne Koordinaten finden wir hier nichts. Die schönen Übernachtungsplätze entschädigen aber für die Mühe.

Am Morgen des dritten Tages hören wir Motorengeräusche aus der Ferne näher kommen. Es ist ein Geologenteam, das nach Öl sucht und Koordinaten der Fundstellen der Knochen dabei hat. 
Gemeinsam machen wir uns auf den Weg und finden am Nachmittag die Überreste der Säugetiere im Sand.
Weihnachten kommt Nicole nach Sharm el Sheik geflogen. Weihnachten werden wir bei Beduinen im Zelt sein. Wir werden den Sonnenuntergang von einem Berggipfel beobachten, von dem man weit in den Sinai sehen kann und dann ein paar Hühnchen grillen.

Wir haben die Beduinen vor ein paar Tagen kennen gelernt, ganz nette Leute.
Nach Weihnachten fahren wir nochmals nach Kairo, wollen Nicole die Pyramiden zeigen, die wir uns dafür aufgehoben haben und selbst noch nicht besichtigt haben. Dann geht es zurück auf den Sinai nach Nuweiba, wo wir ein tolles Hippi-camp gefunden haben. Wir haben eine Bambushütte am Strand gemietet und werden hier Silvester feiern.
Der Bericht ist von unserer Tochter Nicole, die uns Weihnachten besuchte und zwei Wochen mit uns reiste. Viel Spaß beim Lesen.
Nachdem ich den unten folgenden Bericht noch mal gelesen habe, musste ich feststellen, dass er vielleicht etwas spitze Kommentare gegen die „Pauschaltouristen“ enthält. Deshalb kurz vorweg: Alles was ich so „verallgemeinernd“ geschrieben habe, ist nicht persönlich zu nehmen, auch dann nicht, wenn man selber doch eher Pauschaltourist ist. Die meisten Touristen fallen nicht negativ auf, jedenfalls nicht mehr als ich und meine Eltern auch, unten aufgeführte Beispiele haben sich allerdings so ereignet und mich persönlich verärgert. Man kann selbstverständlich einfach nur in den Urlaub fliegen - nach Mallorca oder Italien, da kann man dann auch FKK machen und sich frei fühlen. Aber wenn ich mir ein Reiseland mit so unterschiedlicher Kultur und Religion aussuche, kann ich mich darüber etwas informieren und es ist nicht mehr als anständig, fremde Kulturen zu respektieren und diesen Respekt auch zu zollen, erst recht, wenn ich mich in diesem Land aufhalte. Von daher die betreffenden Zeilen nicht persönlich nehmen, denn die meisten Touristen sind ja lieb und für das Land notwenig und diejenigen unter euch, die tatsächlich mit Minirock und Oben ohne durch einen Canyon wandern, dürfen’s auch persönlich nehmen!! Und nur so zum Trost: die meisten Ägypter werden sich davon nicht halb so angegriffen fühlen wie ich!
Ich lande um 14.00 Uhr Ortszeit am Flughafen von Sharm El-Sheik. Ein Gewusel von ägyptischen Hotelangestellten schreit um die Wette, damit die ankommenden Touristen den Bus zum Hotel finden. Irgendwo dazwischen entdecke ich meine Eltern, zum Glück schreien sie nicht auch so laut.
Ich möchte noch mal zurück in die Ankunftshalle, um meinen Rückflugtermin zu bestätigen, aber ich werde nicht hineingelassen. Ich muss die Schuhe ausziehen, denn da sind Metallösen dran, dann geht’s weiter. Auf Socken durch die Departure-Hall, meine geliebten Schuhe (die einzigen, die ich für die zwei Wochen dabei habe) laufen irgendwo auf einem Fließband im Kreis.
„Herrlich“, denke ich, „ das gibt’s auch nur in Afrika“ und fühle mich gleich wohl und zu Hause. Unverrichteter Dinge, kehre ich mit meine Schuhen und schwarzen Socken zurück, den Rückflug kann ich am Flughafen nicht bestätigen, sondern nur im Büro in der Stadt. Ich bin belustigt, meine Eltern genervt - am Anfang sei’s ja noch witzig, aber ich würd’ schon noch sehen, das ginge immer so…
Wir fahren nach Dahab, wo meine Eltern die letzten Tage schon verbracht haben, um die besten Restaurants zu testen. Denn wenn’s kleine Baby kommt, dann gibt’s nur das Beste! – das war mir auch neu, so bin ich nicht erzogen worden! Am Anfang dachte ich, mein lieber Daddy übertreibt ein bisschen in seiner Euphorie, er sprach von frühstücken gehen, abends essen gehen, einfach ein bisschen am Feuer im Café sitzen und Säfte trinken… Nie hätte ich gedacht, dass ich tatsächlich wähle zwischen Pfannekuchen, Omelett, Sandwich, Beduinenfrühstück, frischem Säften aller Art, Hähnchen, Rind und Fisch, mit Pommes, Reis und Gemüse, Pizza, Riesotto, Burger…na ja, aber die Aufgabe, über’s Essen zu berichten, überlasse ich mal den typischen Pauschaltouris, die auf Grund ihrer „all inclusive Buchung“ von keinem weiteren Erlebnis als dem abendlichen Büffet berichten können.
In Dahab stehen wir in der Lagune, etwas abseits der Stadt, es ist ein ruhiger Ort und nachts ungestört, die Lichter der Hotelanlagen schaffen eine ganz nette Atmosphäre. Bei guter Sicht kann man über das rote Meer hinweg sogar Saudi-Arabien sehen. Tagsüber werden die Touristen in Geländewagen in Scharen an den Strand gefahren, man kann Pferde leihen und zeigen wie gut man reiten kann - oder sich schrecklich blamieren. Die vielen Tauchschulen gehen hier mit den Anfängern ins Wasser, man hat immer was zu beobachten.
In das Vergnügen des Tauchens bin ich auch gekommen, bei einer deutschen Tauchschule habe ich einen Schnupperkurs machen dürfen, 8 Meter in die Tiefe zu den bunten Fischen. Man glaubt gar nicht wie schwer es ist, in diese verflixten Neopren anzüge hineinzukommen und hinterher wieder hinaus, wenn das Ding auch noch nass ist! Da kommt man richtig ins Schwitzen! Und dann noch die Flasche und der Bleigürtel, gut dass es bald ins Wasser ging! Hier ist dann alles nicht mehr so anstrengend, jedenfalls dann nicht, wenn man sich von seinem Tauchbegleiter durch die Gegend schieben lässt und vor lauter Umherschauen das Paddeln ganz vergisst, aber das hat ihm nichts ausgemacht, der war groß und kräftig!
Ein beliebter Ausflugsort für Schnorcheler und Taucher ist auch das Blue Hole. Unheimlich viele verschiedenartige Fische in allen unglaublichen Formen und Farben und jeglichen nur vorstellbaren Kombinationen kann man hier munter tollen, raufen, schwimmen, jagen und fressen sehen, man mag sich gar nicht vorstellen, dass die hübschen Viecher abends tranchiert und flambiert werden. Und an meinen Fisch vom Abend vorher mochte ich da auch nicht mehr denken… was es wohl für einer war? So ein roter mit blauen Punkten? Oder eher der, der da in allen Farben schillert, je nachdem wie die Sonne scheint? Vielleicht auch der Lilafarbene, mit den gelben Flossen und den blauen Streifen… Aber es scheint Eigenschaft des Menschen zu sein, sich seine Nahrung vorher erst mal anzusehen.
Die Hotelausflügler bekommen in mütterlicher Weise Care-Pakete von ihrem Hotel gepackt, schön mit viel Plastik und Folien. Später fliegen die leergefutterten Pakete in der Gegend umher. Und da in Ägypten ja eh alles nicht ganz so europäisch sauber und rein ist, kommt es auf den Müll auch nicht mehr an, der Wind verweht es ja eh. Man tut halt was man kann, um sich den Sitten des Landes anzupassen, nicht das es hinterher heißt, man habe sich nicht über Kultur und Begebenheiten informiert!
Wir verlassen Dahab, um die Wüsten- und Gebirgslandschaften des Sinai zu erkunden. Auch hier haben meine Eltern vorausgekundschaftet, sodass ein müheloses Anfahren der schönen Gegenden gesichert war. Am Abend des 24. fahren wir in den „Coloured Canyon“, der wegen seiner verschieden Gesteins- und Sandfarben „farbig“ genannt wird. Wir bringen Gemüse, frisch geschlachtete Hähnchen und Reis mit, die Beduinen, die dort ein schönes modernes Café eröffnet haben, sollten es uns lecker zubereiten und mit uns den Abend am Feuer verbringen.

Doch leider stellte sich heraus, dass der allein zurückgelassene Beduine (der ohne Zweifel sehr freundlich war), kein Wort englisch sprach und auch nicht kochen konnte. Aber zum Glück kann das ja meine Mama, so gab’s dann doch noch leckere gegrillte Hähnchen und Obstsalat.

Am nächsten Morgen haben wir noch vor dem Frühstück den Abstieg in den Canyon gemacht, man musste schon ein bisschen klettern und so mancher Pauschal-Deutscher hätte da mit Sicherheit nicht durch jedes Loch gepasst - ob das wohl bei der Reisekoordination berücksichtigt wird? Nicht das man da viel Geld für eine begleitete Canyontour bezahlt und in der Mitte stecken bleibt?

Ob wohl bei der Reisekoordination darauf hingewiesen wird, dass es da eventuell staubig sein könnte oder dass man in Kontakt mit Gestein kommt? Ob man wohl im Hotel weiß, dass der Weg nicht geteert sondern uneben ist? Ich glaube nicht, denn sonst wären mir doch sicher nicht so viele Touristen mit Minirock, Gucci-Handtäschchen, weißem Kostüm oder Stöckelschuhen begegnet? Aber so sind sie halt, woher soll’n sie’s auch wissen?
Neben dem Coloured Canyon haben wir auch noch den „White Canyon“ (weißes Gestein) und einen dritten, dessen Namen ich jetzt nicht mehr weiß (was nicht so schlimm ist, da die meisten Ägypter selber nicht wissen, dass sie den überhaupt haben) besucht und durchklettert. Das ist wirklich ein schönes Erlebnis, wie beeindruckend es doch ist, wenn man in mitten von einem Canyon läuft, hohe Felswände links und rechts emporsteigen und der Weg sich nicht einsichtbar schlängelt und man nicht sieht wie es um die nächste Biegung weiter geht. Es ist schon gewaltig, wie viel Macht die Natur doch hat, da hat der Mensch wirklich ganz kleine Brötchen zu backen.

Da wir nun einmal in Ägypten sind, und man nicht nach Ägypten reisen kann, ohne die historischen Bauwerke der alten Ägypter zu besichtigen, haben auch wir uns nach Kairo gewagt, um die Pyramiden zu bestaunen. Mitten in der Stadt stehen sie im Dunst, und wenn man nicht wüsste, dass sie jetzt hier irgendwo sein müssen, würde man sie wohl glatt übersehen.
Wir kommen bei Nacht in Kairo an und verlieren durch einen Tankstopp die Anbindung an die Ringroad, so befinden wir uns irgendwo mitten in der 20-Millionen Stadt und fahren erst mal geradeaus, was anderes bleibt auch nicht übrig, da nicht mal eine Handbreite Platz an allen vier Seiten des Autos ist, bis schon das Nächste auch nur geradeaus fährt. Spannend ist es, das Verkehrsleben in Kairo. Am spannendsten wohl als Fußgänger.
Als wir den folgenden Tag zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt unterwegs waren, half uns ein junger Ägypter über die eigentlich vierspurige Autobahn, die aber aufgrund der Fahrweise achtspurig war. Als er einfach loslief und wir ganz brav europäisch warteten, schaute er verständnislos, da könnten wir noch ne Stunde warten! „Lieber `ne Stunde an der Straße, als `ne Woche im Krankenhaus.“, antworteten wir und er schaute noch verständnisloser und lachte unsicher, hielt es wohl für einen Witz.
Am Abend zuvor war ich froh und fühlte mich sicher, ist der Magirus doch höher als die meisten Autos und auch stärker als der ein oder andere Esel. Als es dann aber hieß, in so einen kleinen Minibus, auch „Helldriver“ genannt – und das zu Recht! - einzusteigen, habe ich doch mal einen Moment an meine Freunde zu Hause gedacht und überlegt, ob ich mich von allen verabschiedet habe… Puh, Sitzplätze für neun Personen, aber 15 passen auch irgendwie rein. Türen oder Motorhauben - purer Luxus! Und so fahren wir, mit arabischer Musik im Hintergrund, der Fahrer singt mit, während er, den Fuß auf dem Gas, die Hand an der Hupe, von rechts über alle vier oder sechs oder wie viel auch immer Spuren wechselt um gleich darauf doch wieder am Seitenstreifen einen anderen Minibus zu überholen, der seinerseits auf dem Gehsteig einen LKW überholt. Habe ich schon vom Blinkverhalten geschrieben? Naja, ist auch nicht so wichtig, gibt ja eh keins. Die meisten haben noch nicht mal einen Blinker.
Lichthupe- das einzige Mittel um sich und sein Überholmanöver anzukündigen! Da das Fernlicht in der Regel nicht funktioniert, kann man vorher natürlich nicht mit Licht fahren, sonst funktioniert ja das clever ausgeklügelte Prinzip nicht… Und so fahren wir vorbei, an links entgegenkommenden Eselskarren, einem Moped, natürlich ohne Licht, mit fünf Personen drauf, tote Esel, Hunde, Katzen ,im Graben liegenden umgekippten LKW’s, der Reifen ist geplatzt oder besser: das letzte bisschen Gummi ist gerissen, das hätte man wahrscheinlich auch mit bloßen Händen geschafft…
Kinder laufen zwischen den Fahrbahnen entlang und verkaufen Taschentücher oder blinkende Weihnachtsmannmützen.
Kairo ist furchtbar dreckig. Die Nilkanäle, die durch die Nebenstraßen fließen dienen als Müllhalde. Häufig sieht man kein Wasser mehr, da die Oberfläche übersäht ist mit Flaschen, Tüten und Plastik. Da wird nichts mehr leben, jedenfalls nichts mit mehr als einer Zelle. Kinder waten in dem Wasser herum, tränken ihre Esel oder Ziegen. Frauen waschen Geschirr, Männer ihre Autos. Es stinkt. Fliegen überall. Kein schöner Ort. Wir sehen die Müllabfuhr, freuen uns, denken „na immer hin“. Aber fünf Meter weiter kippen sie es in den Nil. Der Mensch ist schon ganz schön robust. Unter solchen Umständen zu überleben ist sicherlich nicht einfach.
Wiedereinmal wird mir die Bedeutung der Religion bewusst. Wenn man ein solches Leben führt, bleibt einem nichts mehr als die Hoffnung und der Glaube, dass es eines Tages alles besser wird. Das Ausüben der religiösen Praktiken wird akribisch verfolgt. Wir laufen in Kairo durch die Gassen, über die einheimischen Märkte, lassen uns treiben und erleben das Leben, erkunden die Gewürzgasse, die Metzgergasse und die Schmieden. Mir kommt eilig ein Mann entgegen, der die Stirn schmutzig hat. Etwas belustigt denke ich mir: “Oh, wohl zu fest aufgeschlagen beim Beten“ und gehe weiter. Plötzlich fallen mir immer mehr Männer mit dunklen Flecken auf der Stirn auf. Sie beten tatsächlich so hingebungsvoll, dass ihre Stirn darunter leidet.
Auch in der Metro (übrigens ein sicheres und angenehmes Verkehrsmittel) herrscht ein emsiges Gemurmel, da Jeder für die Fahrt von zwei drei Stationen den Koran auspackt und ließt. Die größte Angst für diese Menschen muss es sein, an diesem verfluchten Ort auf der Erde und in dem Leben vergessen oder zurückgelassen zu werden.
Kairo ist die zweitgrößte Stadt der Welt mit über 20 Millionen Einwohnern. Jährlich kommen ca. 1 Million dazu. Die Ägypter sind also emsig damit beschäftigt, eine Stadt um die andere an Kairo dran zu bauen. Nur so zum Vergleich: Siegen hat hunderttausend Einwohner, also ca. 10 mal Siegen im Jahr. Um die vielen Toten zu bestatten, werden sogenannte Totenstädte erbaut, jede Familie hat ein Totenhaus, wo alle Leichen hereinkommen. Die Armut nimmt überhand, so müssen die Totenstädte teilweise mit Elektrizität versorgt werden, weil sich die Familie kein weiteres Haus in der Stadt leisten kann und dort lebt.
Die Menschen die uns begegnet sind, sind durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Den meisten ist es wichtig, ihr Land international gut darzustellen. „Die Europäer sollen sehen, dass in Ägypten gute Menschen leben, denen man vertrauen kann.“ Sie scheinen mit ihrem derzeitigen Bild in der Öffentlichkeit nicht zufrieden zu sein. Einige Gefälligkeiten sind wohl auch meinetwegen, oder besser, wegen meines deutschen Passes erfüllt worden. Das scheint der größte Traum, nach Europa, in den Westen, Hauptsache ein Visum. Da hat sich der ein oder andere natürlich auf der Stelle aus tiefstem Herzen in mich verliebt… Meine Eltern erzählten von einem Ägypter, den sie getroffen haben. Er würde heiraten, er ginge nach Europa, er hätte es geschafft. Bei genauem Nachfragen stellt sich heraus, dass er eine Russin heiraten wird und nach Moskau geht. Der wird sich wundern- genauso ein scheiß Leben, nur jetzt auch noch in der Kälte.
Wir beschlossen, uns einfach mit der Metro durch Kairo fahren zu lassen, um so einen Rundumeinblick zu bekommen. Ein ägyptischer Bankangestellter bekam das mit und war entsetzt. Zwei Stunden nur Metro vom einen bis zum anderen Ende? Er war traurig, da wir so die schönen, sehenswerten Ecken Kairos nicht sehen würden und vielleicht von der Stadt enttäuscht sein könnten. So bot er an, uns am Abend wiederzutreffen, um uns Kairo bei Nacht und die schönen Stellen zu zeigen. Wir waren gespannt, in welchem Souvenirladen das Ganze enden würde, ließen uns aber darauf ein, hatten ja nichts Besseres zu tun. Zu unserem Erstaunen und entgegen all unseren Erwartungen hatte er wirklich nur im Sinn, Touristen die Stadt zu zeigen (und vielleicht ein bisschen mit mir und meinem Pass zu shakern).
Jetzt hätte ich beinahe ganz vergessen, dass wir natürlich nicht nur an den Pyramiden vorbeigefahren sind, sondern diese auch besichtigt haben. Wir beschlossen, in einem etwas größeren Radius um die Anlage herum zu spazieren, um auch wirklich jeden Fotowinkel genutzt zu haben. Camel- und Pferdbesitzer bieten ihre Transportdienste, für fußmüde oder abendteuerlustige Touristen. „You need a camel?“ „No, I am the camel!“ – die Antwort meines Vaters, woraufhin die Guides belustigt über diesen blöden Deutschen das Weite suchten.
Die Pyramiden sind gar nicht so groß wie man sie sich vorstellt. Natürlich immer noch gewaltig, wenn man bedenkt, in welchem Zeitraum und mit welcher Mühe und Anstrengung damals Stein auf Stein geschichtet wurde.

Total verrückt! Aber immerhin führt es dazu, das Ägypten im Gegensatz zu so manchem anderen Land eine glorreiche, königliche Geschichte mit Traditionen hat, schade nur, dass die Ägypter daraus heutzutage nicht mehr schöpfen.
In Dahab freunden wir uns mit einem Restaurantangestellten an, er heißt Rudi – wie Rudi Völler, da legt er Wert drauf!
Er konnte gar nicht glauben, dass man an deutschen Schulen im Geschichtsunterricht etwas über sein Land lernt. Wir führen nette Gespräche und besuchen ihn nahezu jeden Abend, manchmal begleitet er uns durch die Strandpassage von Dahab. Am letzten Abend ist er nicht in seinem Restaurant und wir begegnen ihm zufällig in der Stadt. Er hat gekündigt. Und er hat ein Grundstück gepachtet, wo er sein eigenes Restaurant eröffnen will. Wir freuen uns und überlegen an einem geeigneten Namen. „Revolution“ möchte er es nicht nennen.
Es macht Spaß, über die Avenue zu schlendern, mit dem Schleppern zu reden, mit ihnen Konditionen für Essen und Getränke auszuhandeln oder Rätsel und Spiele zu machen, immer darum, ob wir bei ihm einkehren oder nicht. In den Restaurants und Cafes sitzen wir auf Teppichen um ein Lagerfeuer, zwischen Palmen. Überall werden abends gemütliche Feuer entzündet, der Koch spielt ein bisschen mit der Ölflasche auf seinem Grill, hohe Flammen lodern auf und die Ägypter tanzen zur Musik. Es hat schon seinen Sinn, dass der Koran Alkohol verbietet, sonst würde da keine einzige Bude mehr stehen. Die Cafes befinden sich direkt an der Küste, man hört das Meerrauschen, bekommt bisweilen sogar den ein oder anderen Gischtspritzer ab. Wir lernen einen Deutschen Lehrer kennen, der in Kairo an einer deutschen Schule unterrichtet - es weckt bei mir gleich ganz neue berufliche Reize. Auch ein deutsches Paar, welches eine Weltumsegelung plant, leistet uns an mehreren Abenden angenehme Gesellschaft. So vergeht die Zeit, ein lauer Abendwind weht, die Stimmung ist gut und man vergisst sogar, dass man irgendwann Silvester feiern muss. 12 Uhr haben wir einfach in einem Café verquatscht. Ägypten reizt mit unheimlich tollen, vielfältigen Landschaften, mit wirklich sehr gastfreundlichen Menschen, die Kinder betteln nicht und man bekommt außer Tee nichts aufgedrängt.
Mein Papa versucht sich immer wieder als Geschäftsmann und übernimmt für eine Stunde das T-Shirtgeschäft eines Freundes - ohne Erfolg. Aber er hat es wirklich versucht. Überhaupt ist mein Papa schon sehr hilfsbereit, wenn wir abends Richtung Auto laufen, werden wir immer gefragt:“ Taxi, Sir. Taxi?“ „No, sir, I have no taxi, you need one? Wait, I get you a taxi!” Nett, oder? Auch versucht er Überlebensstrategien zu vermitteln. An einem Schmuckstand entdecke ich eine Kette, mein Vater versucht sie gegen zwei Hunde einzutauschen. „I give you two dogs. One black, one white. Than you have food for about five days! I’ll catch them on the street.” Die Ägypter erkennen früher oder später den Joke, lachen sich kaputt, feixen, es folgen Einladungen zum Tee, man grüßt sich. So vergehen die Tage, der Abflug naht und bevor in Ägypten noch irgendetwas schief geht, bin ich schon drei Stunden eher am Flughafen. Ich befürchte, dass die Maschine vielleicht nicht pünktlich starten würde und es Probleme mit meinem Anschlussflug von Nürnberg nach Köln geben könnte, doch es läuft alles prima. Nach der Landung in Nürnberg wähne ich mich zu Hause, sind wir doch wieder in Europa, wo alles seine Ordnung hat und vor allem Wert auf Pünktlichkeit und genaue Zeiteinhaltung gelegt wird. Entsetzt lese ich auf dem Bildschirm, dass mein Flug vier Stunden später als geplant weiterfliegen würde, und ich denke, dass gibt’s doch nicht, wir sind doch in Deutschland! Bis sich heraus stellt, dass man auf Passagiere einer zweiten Maschine wartet, die, ich mag’s kaum sagen, aus Ägypten kommt und dort Probleme beim Abflug hatte!
Kunstwerk in Sinai
Ein belgischer Künstler hat hier mit zig Tonnen blauer Farbe die Felsen angemalt.
Wir sind in Aqaba (Jordanien) und stehen am Strand des Roten Meeres. In Sichtweite liegen die Hochhäuser von Israel, die Küste Ägyptens und Nachts sieht man die beleuchtete Grenzstation zu Saudi-Arabien.
Unser Stellplatz ist klasse. Jeden Tag kommt die Müllabfuhr und leert die Mülleimer und reinigt den Strand. Wasser und Stromanschlüsse sind kostenlos, ebenso die Duschen und Toiletten, die ebenfalls täglich gereinigt werden und wirklich sauber sind. Zudem stehen wir hier nicht allein, so ergeben sich viele Gespräche Abends am Lagefeuer oder bei unzähligen Kaffeerunden. Es macht richtig Spaß und wir wollen gar nicht mehr hier weg.
Spektakuläres erleben wir hier natürlich nicht, und so gibt es auch nichts aufregendes zu berichten. Dafür sind die Menschen, denen wir begegnen ganz interessant.
So zum Beispiel ein Lehrerehepaar aus Wetzlar, das in ihrem Sabbatjahr in einem Wohnmobil rund ums Mittelmeer fährt. Mehrere Abende sitzen wir zusammen, trinken Wein und kochen gemeinsam. Irgendwann werden wir gefragt, wie lange wir noch hier bleiben. „Warum“, frage ich zurück.
„Wir wollten schon längst weiter sein, wir sind nur hier, weil die Abende mit euch so schön sind. Wenn ihr aufbrecht, wollen wir auch los.“
„Genau das habe ich vor zwei Tagen zu Sabine gesagt, wenn die Lehrer aufbrechen, packen wir auch.“
Leider haben sie kein Allradfahrzeug, so können wir nicht gemeinsam ins Wadi Rum, aber in drei Wochen hat Thomas Geburtstag und dann werden wir uns irgendwo treffen.

Tagelang fahren wir durch die grandiose Wüstenwelt des Wadi Rum. Laurenz von Arabien sammelte hier die Beduinenstämme hinter sich um die Türkenherrschaft zu beenden. Wir haben Glück, sind fast alleine unterwegs, denn die Mohamedkarikaturen lassen viele Pauschaltouristen zu Hause bleiben.
wir sind in Petra, jener weltbekannten Kulturstadt der Nabatäer. Von der Stadt ist nichts mehr zu sehen nur die Totenstadt mit über 3000 in den Sandstein gemeißelten Gräbern ist zu besichtigen. Wir betreten die Stadt durch eine tiefe und einige hundert Meter lange Schlucht.
Die Schlucht ist schon beeindruckend und plötzlich sehen wir die Säulen des Schatzhauses in der Sonne stehen. Zum Glück fotografieren wir digital, sonst hätte ich hier schon wieder ein grossteil meiner Filme verballert. Weiter geht´s zum Zentrum, den Königsgräbern und dem Theater. Der Sandstein hat unterschiedliche Farben. Von hellgelb über ocker bis tief rot. In den Gräbern sehen wir tolle Marmorierungen, sie sind schon ein eigenes Kunstwerk.
Wir wandern zwei Tage durch die Stadt, dann verschlechtert sich das Wetter. Es wird kalt. Das Thermometer sinkt nachts auf den Gefrierpunkt und auch tagsüber erreicht es die 10 Grad Marke so eben. Regen setzt ein. Wir finden einen schönen ruhigen Übernachtungsplatz in der wilden Berglandschaft unweit der antiken Totenstadt. Wir warten drei Tage auf besseres Wetter, aber die Wetterlage scheint stabil zu sein.
Wir sind übrigens nicht allein, in Petra haben wir Thomas und Christiane, das Lehrerehepaar aus Wetzlar, wiedergetroffen.
Die Beiden fahren angesichts des schlechten Wetters wieder zurück nach Aqaba, wo man wenigstens in der Sonne sitzen und im Roten Meer schwimmen kann.
Wir fahren weiter zum Toten Meer. Das Tote Meer liegt ca. 400 Meter unter dem Meeresspiegel und Petra 1000 Meter darüber. Wir hoffen, durch die Höhendifferenz auf wenigstens warme Temperaturen.
Normalerweise werden wir häufig nach unserer Nationalität gefragt. Jetzt ist es etwas anders. Man fragt nur ob wir Dänen seien oder nicht.
Für die Araber scheint die Welt nur noch aus Dänen und Nicht-Dänen zu bestehen. Immer wieder schaffen es selbst einfache Beduinen das Gespräch auf die aktuelle Politik zu bringen, obwohl wir das Thema gerne umgehen.
Grundsätzlich sind alle Dänen schlechte Menschen. Gotteslästerer, ungläubig, dumm. Denen würde man nie helfen, nicht mit ihnen sprechen. Man wird ihre Wirtschaft ruinieren indem man keine Butter mehr von ihnen kauft.
Auf mein Einwand, das nicht alle Dänen schlecht sind, das nur eine handvoll Redakteure die Entscheidung zum Druck der Zeichnungen getroffen haben wird erwidert: „Alle Dänen sind böse, es gab keine Demonstrationen des Volks gegen die Zeitung und somit steht das Volk hinter den Karikaturen.“
„Warum gab es keine Demonstrationen der Muslime nach dem 11. September 2001, warum jetzt nicht gegen die brennenden Botschaften, sind alle Muslime Terroristen ?“ war meine Gegenfrage.
„Hinter dem 11.September steht der Israelische Geheimdienst, die Juden haben den Anschlag verübt. Die brennenden Botschaften sind nicht wahr. Das wird in der westlichen Welt hochgespielt und aufgepuscht um Hass gegen die Muslime zu erzeugen.“
Erschreckend ist, dass nicht Einzelne dieser Ansicht sind, sondern ein Grossteil der Bevölkerung. Vom Viehhirten über die Händler auf dem Markt bis hin zum Polizisten.
Wir haben zum Glück ein Visum für Syrien an der Grenze erhalten, zwar mit Schwierigkeiten, aber wir haben es geschafft.
Wir verlassen Jordanien und fahren Richtung Nord zur syrischen Grenze. Die Ausreise ist schnell erledigt und ein verblasstes, kaum lesbares Schild „Welcome in Syria“ empfängt uns.
Im Empfangsgebäude blickt der Präsident von einem Bild furchterregend auf uns herab.
Noch mehr Angst bekommen wir als wir das große Plakat lesen. Es gibt kein Visum für Ausländer an der Grenze, sofern in deren Heimatland eine syrische Vertretung existiert.
Ich mime wieder mal Stan Laurel und zu unserer Überraschung wird meine Frage nach einem Visum nicht abgelehnt. Der Beamte ist freundlich, wir sind es auch und er leitet unser Anliegen zur Prüfung weiter. Wir sollen einen Moment warten. Wir warten zwei Stunden, dann Frage ich nochmals nach. Vielleicht hat er uns vergessen. Noch einen kleinen Moment. Wir warten nochmals drei Stunden. Jetzt hat er uns doch vergessen. Nein - nur noch einen Moment, ich brauche nicht mehr nachfragen, er kommt zu unserem Auto, wenn die Prüfung abgeschlossen ist. Nach 27 Stunden (in Worten siebenundzwanzig) klopft es an der Tür und es gibt die erfreuliche Nachricht: Wir bekommen ein Visum für fünf Tage. Wir wollten sieben Tage, aber besser als abgewiesen werden.
Das Visum kostet 32 US-Dollar pro Person zuzüglich 100 US-Dollar Dieselsteuer plus 65 US-Dollar für eine Versicherung, dann sind wir drin.
Der erste Eindruck ist sehr positiv. Die Menschen sind nett und korrekt. Niemand versucht uns über den Tisch zu ziehen. Wir zahlen den Preis den alle zahlen, es gibt nicht mal den Versuch überzogene Preise zu verlangen. Wir können im Cafe oder Restaurant bestellen ohne vorher nach dem Preis zu fragen, ebenso auf dem Markt.
Das Leben ist im Sozialismus für Kapitalisten äußerst angenehm. Eintrittspreise übersteigen zwei Euro nicht, ganz im Gegensatz zu Jordanien. Die medizinische Versorgung ist kostenlos, ebenso die Bespitzelung durch die Geheimpolizei und Brot ist so billig, das man es an die Tiere verfüttert. Lang lebe der Sozialismus.
Zur Zeit werden Apfelsinen, Tomaten, Pampelmusen, Erdbeeren und Kartoffel geerntet. Das Kilo kostet auf dem Markt ca. 15 Eurocent. Das Sahnetortenstück beim Konditor gibt es ebenfalls für 15 Cent und einen Hamburger oder Kebab mit Pommes kostet 30 Cent. Wir nehmen in den fünf Tagen bestimmt 5 Kilo zu.
Und das Wichtigste für uns: Diesel gibt es für 10 Cent den Liter.

Ausgelastet
Die Frauen sind bunter gekleidet, nicht mehr nur schwarz. Es gibt wieder Mopeds, die in Jordanien verboten waren und abends sitzen die Männer und auch Frauen draußen auf der Straße und trinken Tee oder rauchen ihre Wasserpfeife. Auf den Straßen fahren bunte Lastwagen und Busse, dazwischen motorisierte Dreiräder, völlig überladen und bunt angemalt. Es erinnert ein wenig an Indien. Hier vermischt sich Afrika mit Asien.
Wir sehen einen Militärlastwagen. Die Tarnlackierung ist aufgepeppt durch verchromte Stoßstangen, Spiegel, Tankhalter, Trittstufen, Druckluftkessel und so fort. Der Laster fällt sofort ins Auge, egal ob Freund oder Feind.
Toll ist der Sound der Taxis. Es sind uralte Ami-Schlitten mit dicken V8-Motoren. Die Motorhaube nimmt einen Grossteil der Gesamtlänge des Autos ein.
Ich erinnere mich beim Anblick der Autos an einen Araber nahe der Grenze zu den Saudis in Jordanien.
Wir stehen neben der Hauptstraße und kochen einen Kaffee. Von weitem hören wir das Blubbern eines großvolumigen Benzinmotors. Auf unserer Höhe angekommen wird er langsamer. Ein amerikanisches Sportcoupe, gesteuert von einem Scheich in weißem Gewand, Vollbart und Sonnenbrille. Plötzlich ein lautes metallisches „Ratsch“ und direkt danach noch mal „Ratsch“. Ich glaube es nicht. Der Scheich ist mit dem Sportwagen durch den Straßengraben gefahren, um eine Runde um uns zu drehen. Und wieder „Ratsch - Ratsch“ und er ist zurück auf dem Asphalt. Und das Ganze noch mal. Der Saudi dreht eine zweite Runde. Sein schöner Sportwagen, jedes mal setzt er vorne und hinten auf, völlig egal. Er grinst nur. Zurück auf dem Teer gibt er Gas. Die Automatik schaltet runter, Räder quietschen, es richt nach verbranntem Gummi und der Scheich verschwindet am Horizont.
Wir fahren nach Palmyra. Die alte Römerstadt kostet keinen Eintritt, wir können stundenlang durch die ehemalige Stadt laufen. Leider ist sie kaum restauriert und die restaurierten Stellen sind nicht fachmännisch ausgeführt. Fehlende Säulen sind einfach aus Stahlbeton nachgebaut.

Wer wirklich tolle alte Römerstädte sehen will, muss wohl nach Libyen, nach Sabrata oder besser noch Leptis Magna.
Aus der Wüste geht es 200 Kilometer Richtung Westen. Wir trauen unseren Augen nicht. Die Wüste geht fast unvermittelt in saftig grünes Fruchtland über. Am Horizont tauchen die schneebedeckten Berge des Libanongebirges auf. Die Landschaft erinnert an die Schweiz. Hier leben kaum noch Muslime, dafür sehen wir in jedem Ort schöne, im Verhältnis zum Ort etwas zu groß geratene Kirchen.
Unser Ziel, die Kreuzritterfestung „Krak des Chevaliers“ ist erreicht.

Wir zahlen zwei Euro Eintritt und können stundenlang alle unterirdischen Gänge, alle Türme, Bäder und Geheimgänge erkunden.
Wir nehmen eine Abkürzung nach Hama und irren stundenlang auf engen Straßen im Wald umher. Alle Schilder sind verblast und diejenigen, die lesbar sind, sind nur auf arabisch. In den kleinen Dörfern wird es richtig eng. Wir reißen ein Werbe- oder Wahlplakat, das zu tief über der Straße hängt, ab. Stromleitungen (zum Glück isoliert) wackeln, aber bleiben oben.
Auf den Millimeter passt unser Deutz durch die verwinkelten Gassen. Entschädigt werden wir mit traumhaften Blicken ins Libanongebirge. Alle Hügel und Berge sind in unvorstellbarer Arbeit terrassenförmig bearbeitet worden. Hier blühen jetzt die Aprikosen- und Apfelbäume. Leider ist die Fernsicht schlecht. Hier wollen wir unbedingt noch mal mit mehr Zeit und schönerem Wetter hin. Traumhaft schön.
Am nächsten Tag besichtigen wir Hama, den Souk, die Zitadelle und natürlich die riesigen Wasserräder, von denen sich kein einziges dreht. Auf geht´s zur Grenze. Vorher noch mal 800 Liter Diesel in den Tank und dann heißt es schon Abschied nehmen von dem böse dreinschauenden Präsidenten.
Aber die Bevölkerung liebt ihren Präsidenten, sie haben ihn mit 99,3 % in freien, geheimen Wahlen gewählt. Und in den großen Städten ist er überlebensgroß in Beton gegossen oder als Mosaik in Beton gelegt. Ich bin sicher, er wird auch die nächste Wahl gewinnen, sonst würden sie sich diese Arbeit nicht machen.
Die letzte Nacht in Syrien verbringen wir auf einem Geflügelhof (keine Angst – auf dem Hof, nicht im Stall). Am nächsten Morgen verabschieden wir uns und übergeben der Frau eine angebrochene Packung Kaffee (der Kaffee war ein Fehlkauf, er schmeckt uns nicht) und zwei Tortenstücke aus der Bäckerei vom Vortag.
Die Frau ist so gerührt, das ihr die Tränen kommen. Es ist schon lange her, dass ihr jemand etwas geschenkt hat. Jetzt müssen wir doch mit in den Stall und sollen uns ein paar lebende Hühner aussuchen. Aber wir wollen auf gar keinen Fall mit Hühnern an der Grenze auftauchen und so kann die Frau nichts tun außer uns hinterher winken.
Die Türkei ist noch so, wie wir sie in Erinnerung von unserer Reise vor 17 Jahren hatten. Die Menschen sind einfach nur nett. Jeder winkt uns zu.
In einem kleinen Dorf wird Brot gebacken und natürlich müssen wir anhalten, probieren und bekommen nach der Teerunde ein Brot für den Weg geschenkt. Unterwegs überholt uns ein Ford Transit und macht Zeichen zum Halten. Der Fahrer steigt aus, überreicht uns eine Hand voll frischen Apfelsinen und Erbsen und noch ehe ich mich richtig bedankt habe, ist er schon wieder im Auto und davon.
Wir haben ein paar Tage am Meer verbracht. Schönes warmes Wetter, tolle Sonnenuntergänge einfach nur schön.
Heute (13.03.06) machten wir uns auf den Weg in die schneebedeckten Berge ins Landesinnere mit dem Ziel die Tuffsteinlandschaft Göreme.
Der Himmel wird grau-braun – Wind kommt auf. Ich freue mich, er kommt von hinten. Der Wind wird stärker, Papier, Pappe Plastik fliegt durch die Luft – egal, Hauptsache Rückenwind. Der Wind wird stärker, kleine und große Äste kommen dazu, unser Deutz schwankt, Staub liegt wie Nebel in der Luft. Plötzlich ist es absolut Windstill. Seltsam.

Dann kommt der Wind mit Wucht von vorn. Verkehrsschilder und Reklametafeln fliegen durch die Luft. Kieselsteine prasseln gegen die Windschutzscheibe, schon toll was so eine Scheibe alles aushält. Ziegelsteine werden aufgewirbelt und fliegen durch die Luft -Wahnsinn. Danach liegen Dächer neben den Häusern, Tanksäulen liegen um, Lastwagen stehen mit zerrissenen Planen da, die Ladung liegt daneben, Autoscheiben gingen zu Bruch. Der Deutz hat ordentlich geschaukelt, aber außer ein paar Schrammen nichts abgekriegt.
Wir werden unseren Schutzengel wohl eines Tages etwas zerzaust abgeben – hoffentlich gibt das keinen Ärger.
Kamera läuft, Ton läuft - wir geben unser erstes Interview in Englisch für´s türkische Fernsehen. Mein Englischlehrer hätte sich in Anbetracht meiner sprachlichen Fähigkeiten vor 20 Jahren todgelacht und Haus und Hof dagegen gewettet, dass es jemals soweit kommen würde.
Wer sich von euch ebenfalls belustigen will, muss Mittwoch oder Samstag (mein Englisch ist so schlecht, dass ich es nicht genau verstanden habe) um 19:30 Uhr den türkischen Sender „Channel 7“ einschalten, dann kommt irgendein „Travel-Magazin“. Mein schlechtes Englisch wird übrigens in gutes Türkisch übersetzt.
Aber wie kam es dazu.
Es ist früher Nachmittag und wir sind auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Die Erdstraße, die in den Wald führt endet überraschend an einem Bauernhaus. Wir wenden und bleiben im bodenlosen Schlamm und Moder fast stecken. Plötzlich stinkt es bestialisch.
„Scheiß die Wand an, das ist Mist und Gülle, wir stehen in der Jauchegrube“. Ich gebe Gas. Mist fliegt durch die Luft, aber der Deutz kämpft sich raus. Glück gehabt, mir bleibt das Freischaufeln erspart. Ich werde unseren Schutzengel vor der Rückgabe parfümieren.
Stinkend fahren wir zurück auf die Hauptstraße. Die Duftwolke, die uns bei jedem Ampelstop umgibt ist widerlich, trotz geschlossenem Fenster. Im nächsten Fluss werden wir die Pistenkuh baden und anschließend schön einölen. Eine geeignete Stelle ist schnell gefunden, Die Kuh ist noch nicht im Wasser als auch schon ein neuer Ford Transit neben uns hält.
Vier Männer kommen ohne zögern auf uns zu.
„Ich bin Yümüklü (Name von mir frei erfunden) kennen sie mich?“ Er guckt mich fragend an.
„Wie bitte,“ ich gucke genauso fragend, und stelle fest, mir fällt kein einziger türkischer Politiker ein - außer Atatürk. Der hält mich jetzt bestimmt für doof.
„Ich bin Yümüklü, Moderator beim Fernsehsender Channel 7, jeder kennt mich.“
„I am so sorry, Sir, ich kenne noch nicht mal den Sender.“
Er stellt sich und sein Team kurz vor. Sie sind auf dem Weg nach Istanbul zum Sender, sie reisen um die Welt und bringen in dem wohl landesweit bekannten Sender wöchentlich ein Magazin „Reisen mit Yümüklü“. Sie haben unser Auto von der Straße aus gesehen und dachten, die haben bestimmt eine große Tour vor oder hinter sich. Das wäre doch was für die Sendung am Mittwoch oder am Samstag.
„Ja, nach Istanbul wollen wir auch, das machen wir!“
„Nein, wir haben alles dabei, wir drehen hier vor Ort, machen das Interview und wir schneiden es dann im Studio passend.“
„Okay, ich zieh mir nur noch ein neues T-Shirt über, ich kriege sonst den größten Ärger, wenn meine Mutter mich mit dem alten T-Shirt im türkischen Fernsehen sieht.“
So war das.
Am ersten Tag in der Türkei gehen wir in einen Supermarkt und sind geschockt. Soviel tolle Sachen, aber die Preise sind höher als in Deutschland. So sehen wir uns satt ohne was zu essen und kaufen erst mal nichts. Schade.
Zum Glück haben wir unsere Vorräte in Syrien aufgefüllt und der Diesel reicht bis Griechenland, wahrscheinlich sogar bis Albanien, so haben wir eine Chance in den drei bis vier Wochen, die wir in der Türkei bleiben, nicht mehr als die 50,- Euro, die wir an der Grenze tauschten, auszugeben.
Wir bleiben ein paar Tage an der Küste und fahren dann nach Göreme, dem zentralen Ort in der Tuffsteinlandschaft Kappadokiens. Auf dem Weg dorthin geraten wir in einen Sturm (wir berichteten), wie wir ihn nur aus Reportagen kannten.
Das Wetter ist schlecht, wolkenverhangen, kalt. Wir wollen Fotos machen und wir wollen blauen Himmel, vorher fahren wir hier nicht weg.
Wir warten. Das Wetter wird schlechter, Schneeregen setzt ein. Wir verbringen die Zeit mit Brot backen, lesen, schlafen und gehen öfter ins Internetcafe.
Nach sechs Tagen ist es dann soweit: Strahlend blauer Himmel, tolles Fotolicht und los geht´s. den ganzen Tag sind wir unterwegs, abends fallen wir todmüde ins Bett und am nächsten Morgen ist es wieder wolkenverhangen und regnerisch.
Wir reisen ab. Unser Ziel sind die Kalksteinterrassen in Pamukkale. Jeder kennt wahrscheinlich die Bilder weißer Wasserbassins über die das kristallklare Wasser kaskadenartig herunter fließt und in dem sich der blaue Himmel spiegelt. Wir sind enttäuscht. Die Bilder gibt es nur auf Postkarten und im Prospekt.

Ein grossteil des Wassers wird für die inzwischen zahlreichen Hotels abgezapft und Tausende von Touristen, die mit zig Bussen hierher gekarrt werden können nur die leeren, trostlosen Becken fotografieren. Lediglich an einer kleinen Stelle wird Wasser in die Becken geleitet und mit dem richtigem Fotostandpunkt gelingt der Eindruck einer Postkartenidylle.
Auf dem Weg nach Istanbul stoppen wir bei einer Textilfabrik mit eigenem Laden. Wir brauchen neue Hosen. Die Verkäuferin spricht gut Englisch und zu unserer Überraschung perfekt Deutsch.
Sie ist nett und überaus freundlich. Schnell ist uns klar, dass sie keine passenden Hosen haben. Diesmal bin nicht ich, sondern der Preis zu fett.
Beim Abschied frage ich: „Wo haben sie so gut deutsch gelernt?“
„Ich bin in Deutschland geboren, und habe dort 16 Jahre gelebt und bin dort zur Schule gegangen.“
„Und dann sind sie zurück in die Türkei gegangen?“
„Ja – leider, ich wäre gerne in Deutschland geblieben.“
„Warum mussten sie zurück?“
„Ich habe hier meinen Mann geheiratet, meine Eltern wollten es so.“
Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt, wir zahlen 10 Euro pro Person fürs Visum und 5 Euro für die Durchfahrt durch eine Wasserpfütze, die unsere Reifen desinfizieren soll. Die Fahrt geht durch tolle Berglandschaft mit schneebedeckten Gipfel und tiefen Schluchten, leider alles im Regen. Dort wo keine Menschen siedeln ist die Natur unberührt, Bären und Wölfe leben in den Wäldern.
Die Straße wird schlechter. Schlagloch reiht sich an Schlagloch. Tiefe Schlaglöcher. Die Straßen sind schmal und unterm Strich die schlechtesten, die wir auf dieser Reise hatten. Nur die Straßen im westafrikanischen Gambia waren etwas schlechter.
In jedem Dorf steht fast vor jedem Haus ein Küchentisch an der Straße und alte Männer sitzen im Regen neben dem Tisch und versuchen ihre handgefertigten Reisigbesen verkaufen.
Frauen versuchen selbstgestrickte Pullover, Socken oder selbstgebackenen Kuchen zu verkaufen.
Unser Fahrt geht in die Hauptstadt Tirana. Müll liegt überall herum, genau wie auf dem Land. Wenn Müll abgefahren wird, wird er vor der Stadt einfach in den Fluss gekippt. Es erinnert an Westafrika. Viele Straßen in der Hauptstadt sind nicht geteert, bzw. der Teer ist nicht mehr vorhanden. Durch den Regen steht die Stadt im Schlamm. Teilweise fehlen die Kanaldeckel, stattdessen wird das Loch mit einem Steinbrocken gekennzeichnet.
Die Häuser sehen verfallen aus, typische sozialistische Plattenbauten, aus denen Betonbrocken heraus gebrochen sind. Das die Häuser bewohnt sind erkennt man an den Sattelitenschüsseln und den kreuz und quer über die Straße verlaufenden Stromkabel. Fast jeder klaut sich ganz offen den Strom von der vorbeiführenden Stromleitung. Straßenbrücken sind verfallen und können nur noch einspurig genutzt werden und dann auch nur im Schritttempo wegen der Löcher.
Straßenschilder gibt es in den Städten kaum, die Orientierung ist schwierig.
Aber es gibt auch neue Gebäude, mit verspiegelten Fassaden. Edle Restaurants und schöne gepflegte Straßencafes, sogar italienische Eisdielen haben wir gesehen. Es gibt alles zu kaufen. Nichts, was es nicht gibt.
Vor der Stadt gibt es ausgedehnte Industrieanlagen, sieht aus wie ein Stahlwerk, doch die Dächer und Wände sind teilweise eingefallen, Schrott liegt überall herum. Entgleiste Güterwagen stehen scheinbar schon länger neben oder auf den Gleisen und verrotten. Aber dennoch rauchen die Schornsteine, unglaublich aber in dieser Ruine wird gearbeitet. Die Zerstörungskraft des Kommunismus übertrifft die eines Krieges.
Und dann gibt es dass, was nicht ins Bild passt.
Die Frauen sind super gut und vor allem sexy gekleidet. In High Heels und Minirock laufen sie durch den Schlamm. Sie stehen den griechischen jungen Frauen in nichts nach. Obwohl die Albaner zu 70% Muslime sind. Moscheen oder Kirchen haben wir nur ganz wenige gesehen.
Es gibt kaum noch Pferdefuhrwerke, man fährt Mercedes. Nirgends haben wir so viele Mercedes gesehen wie in Albanien. Ich schätze 90% der Autos sind Mercedes, der Rest BMW und nicht etwa alte Karren wie ihr sie in Deutschland fahrt, sondern E oder S Klasse neueren Baujahres. Es ist unglaublich.
Die Ausreise ist problemlos. Es sind 4,- Euro pro Tag Straßenbenutzungsgebühr zu zahlen. Ein Witz, so wie die Desinfektionspfütze bei der Einreise.

Dubrovnik an der Dalmatinischen Küste auf dem Weg zurück nach Deutschland
Von der Rückfahrt gibt es wenig zu berichten. Viel Regen, wenig Abenteuer. In Kroatien trafen wir Christiane und Thomas wieder, die wir zu letzt in Syrien sahen.
Der kürzeste Weg führt zwar durch Österreich, aber wir wollten die armen Bergbauern in Livignio zwischen Italien und der Schweiz besuchen. Vor ein paar hundert Jahren wurde ihnen wegen der schwer zugänglichen Region Steuerfreiheit gewährt, damit sie eine Chance haben ihren Ziegenkäse und Schafsmilch zu verkaufen. Heute betreiben die Bergbauern Tankstellen, Spirituosen- und Zigarettenläden. Wir tanken für 0,71 Euro je Liter randvoll und machen uns auf den Weg nach Deutschland. Das Wetter bleibt schlecht.
Wir müssen uns an einiges wieder gewöhnen. Besonders an die Wörter „verboten“ und „widerrechtlich“. Parken verboten, Wenden verboten, Betreten verboten , Benutzen verboten. Warum nagelt man nicht gleich ein Schild „Alles verboten“ an den Gartenzaun. Aber die Schilder reichen den Deutschen nicht, Zäune, Schranken und Ketten müssen her, damit niemand sich widerrechtlich über das Verbot hinwegsetzen kann. Selbst in Schrebergärten und Feriensiedlungen wird jede Parzelle eingezäunt und mit Schildern gegen Widerrechtliches abgesichert. So sitzen sie in ihrem von Maschendraht umgebenen Besitz und träumen von einem freien Leben ohne Schranken.
Wir sind in Bötzingen, besuchen Freunde. Morgens werden wir von einem älteren Mann geweckt: „Dürft ihr hier parken?“ fragt er mit gereiztem Tonfall.
„Ich habe kein Verbotsschild gesehen, ich denke ich darf das.“ „Wir wollen solche Autos hier nicht haben, verschwindet.“
Ich kläre ihn auf, das wir nur Freunde in der Straße besuchen und bald wieder fahren. Er beruhigt sich und geht. So etwas gibt es nur in Deutschland.
Tage später parken bei einem Schwimmbad. Aus einem Wasserhahn tropft Wasser. Ich frage den Hausmeister ob ich meinen Wassertank füllen darf. „Nein, Wasser kostet Geld, das geht nur mit einer Genehmigung der Stadtverwaltung.“ Nach langem Zureden riskiert er seinen Job und gibt uns (widerrechtlich) kostenlos 200 Liter Wasser. Ein echter Held.
Deutschland scheint ein wirklich armes Land geworden zu sein. Jeder Beduine ist reicher und besitzt die Großzügigkeit, von seinem Brunnen Wasser abzugeben. Okay, er hat auch keinen Job zu verlieren.
Entlang der Autobahn sehen wir Schilder: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Wir sind gespannt ob ein einziger Ausländer von uns (den Deutschen) zum Kaffee, Tee oder Essen eingeladen wird, oder ob sich unsere Gastlichkeit darauf beschränkt, ihn nicht zu beleidigen.

Die Bildershow zu dieser Reise gibt es in unserem Shop.
In der Online Ausgabe der "Zeit" gibt es einen Interview-Ausschnit von uns.
Pistenkuh war zu Gast bei dem Expeditionmobil Hersteller Bocklet und zeigte eine Kurzfassung der Show "Kapstadt - Kairo"
Unsere Planungen für die nächste Reise stehen fest. Es geht für sechs Monate nach Marokko, wo wir einige Projekte mit einem Freund umsetzen möchten.