Kinshasa (D.R.Kongo), Regen, 31,86 Grad
Liebe Freunde,
die letzten Wochen waren ereignisreich und spannend. Diejenigen mit Herzproblemen oder denen der Arzt jede Aufregung verboten hat, sollten den Abschnitt „Rebellen“ überlesen. Ich will die Spannung nicht vorweg nehmen, aber die Tatsache, dass ihr diesen Bericht im Postfach habt, zeigt ja, das wir noch schreiben können.
Unser Reifenproblem scheint durch das Spureinstellen gelöst, die Reifen fahren sich normal ab. Ich entschuldige mich jetzt schon mal für die Länge des Textes und einer kleinen Passage, die ich abgewandelt dem Erlebnisbericht im Heaven von Henning Stötzel entnommen habe.
Wir verlassen Libreville, die Hauptstadt Gabuns und fahren zunächst über brauchbare Teerstraße Richtung Süden. Seit Tagen steht die Flasche Sekt im Kühlschrank breit für den Fall, dass auf dem GPS aus dem „N“ ein „S“ wird und so fahren wir, wie jeder andere Reisende wohl auch, die ersten Kilometer auf der Südhalbkugel etwas beschwipst.
Wir fahren wie durch einen Zoo, sehen die exotischsten Tiere. Diese springen zwar nicht über die Fahrbahn, sondern werden zum Essen angeboten. Affen, Krokodile, Schlangen, toll gefleckte Katzen und alles andere was sich im Urwald bewegt, wandert in den Kochtopf. Sieht man mal davon ab, dass der Schädel der Tiere eingeschlagen ist, ist es wirklich wie im Zoo.
Der Teer endet und über gute Erdpiste fahren wir einige hundert Kilometer durch Graslandschaft zur Grenze der Republik Kongo.

Urwald gibt es hier schon seit Jahren nicht mehr, alles abgeholzt. Früher bestand Gabun zu 70 % aus tropischem Urwald, heute sind es weniger als 5 %. Die Holzfirmen haben jetzt ihre Geschäfte weiter nach Kongo verlagert. Die Kongolesen sind bei der Einreise freundlich und korrekt.
Die Piste wird schlechter und die Tachonadel steigt in den nächsten Tagen selten über die 30iger Marke. Das Klima bleibt tropisch feucht warm und nervt uns immer mehr. Alles ist feucht, nichts wird trocken und wir schwitzen literweise Wasser aus uns heraus. T-Shirt und Hose kleben an einem und man bekommt das T-Shirt am Abend kaum ausgezogen. Die Duschhandtücher sind noch feucht vom Vortag, das Bettzeug ist feucht, die neuen Klamotten im Schrank sind feucht, der Zucker ist ein fester Klumpen und im Reis und Mehl leben inzwischen kleine Tierchen. Draußen kann man sich kaum aufhalten, sofort kommen Hunderte von kleinen Mangofliegen und setzen sich in die Augen und Ohren. Dazu gesellen sich kleine Stechfliegen, die man kaum sieht, die einem aber recht juckende Stiche zufügen. Und natürlich jede Menge Moskitos, die nicht nur juckende Stiche, sondern auch noch Krankheiten hinterlassen (können).
Wer glaubt, dass der nachmittägliche Wolkenbruch eine Besserung bringt, der glaubt vielleicht auch, das es in der Sauna kühl und frisch wird, wenn eine Kelle Wasser in die Kohlen gegossen wird.
Leider hat die „Reparatur“ des Marokkaners in Libreville an dem Verschleiß unseres Vorderreifens nichts verbessern können und so wechsele ich den Reifen, als großflächig der Stahlgürtel zum Vorschein tritt.
Schweiß rinnt von der Stirn, brennt in den Augen. An den Armen läuft er in kleinen Rinnsalen und tropft schneller als im Sekundentakt von den Handgelenken zu Boden. Alles ist viel schwerer als sonst. Die Radmuttern zu lösen, die Karkasse von der Felge hebeln, alles am Rande meiner Kräfte. Und dann gelingt mir das Aufstellen des Rades nicht. Es kommt mir vor, als hätte ich maximal 80 % meiner Kraft. Neuer Versuch, alle Kraft zusammen und dann kurz bevor das Rad steht, fliegt die Sicherung raus. Mir wird für einen kurzen Moment schwarz vor Augen und ich liege neben meinem Rad im Dreck. Kriege kaum Luft, kommt mir vor, als machte ich das alles auf 5.000 Meter Höhe.
Irgendwann ist das Rad dann doch montiert und Sabine ist geschockt: „Wie siehst du denn aus.“ Ich bin übersät mit roten Punkten, sieht aus wie Masern, sind aber nur Hunderte von juckenden Stichen.
Das Abendessen ist fast fertig gekocht und drei Jugendliche schleichen verlegen um unser Auto. Die Drei sind ganz nett, haben angeblich Hunger, aber das hat jeder Afrikaner, dem wir begegnen. Reis ist genug da, also warum nicht was abgeben und die Drei zum Essen einladen?
Während wir gemeinsam draußen Essen, setzen sich zwei so, dass ich den einen Typ nicht richtig sehen kann. Was soll das? Seltsam. Im Spiegel unserer Backofentür sehe ich dann, wie der Typ versucht meine Schuhe zu stehlen. Zupp, schon ist das Essen beendet, die drei Reisteller bekommen die Ameisen und der Typ bekommt noch einen Arschtritt für den Nachhauseweg verpasst.
Ich bin froh, an dem Abend in mein feuchtes Bett kriechen zu können. Warum man den Urwald auch „Grüne Hölle“ nennt, ist mir jetzt klar.
Natürlich waren auch hier zahlreiche Missionare unterwegs. Evangelisten, Katholiken, Baptisten, Advendtisten, Bethlehemisten etc, und haben ihre Kirchen gebaut, die teilweise schon wieder verfallen und ungenutzt in der Landschaft stehen. Die Kreuze, die auf dem Kirchenplatz aufgestellt wurden, sind teilweise deutlich größer als die Kirche selbst und im Maßstab 1:1. Natürlich hat man auch einen lebensgroßen geschnitzten Jesus daran genagelt.
Was wäre, wenn die Römer ihre Verbrecher nicht gekreuzigt, sondern am Galgen aufgehangen hätten? Würden jetzt vor jeder Kirche nachgebaute Galgen stehen mit einer baumelnden Holz- oder Strohfigur? Was wäre, wenn Jesus in heutiger Zeit in der USA gelebt hätte? Würde dann vor jeder Kirche ein elektrischer Stuhl stehen oder die Todesspritze als Symbol der Errettung und Erlösung verehrt?
Drei Tage später sind wir endlich in Point Noire. Ein schöner kühler Wind weht vom Meer her, wir stehen auf dem Gelände des Segelclubs mit Blick auf die Ölplattformen und die reichen Kongolesen, die mit ihren Yachten und ihren Jetski spielen.
Am nächsten Tag geht’s zum Konsulat von Angola. Wir werden noch nicht mal auf das Gelände gelassen, es gibt kein Visa, entgegen allen Versprechungen in Libreville und Abuja. Wieder verspricht man uns: „Ihr bekommt das Visum ganz sicher in Matadi.“ Aber auch ein Transitvisum für die Enklave Cabinda wird uns verwehrt.
Das heißt, um nach Matadi zu kommen, können wir nicht die 300 Kilometer Teerstraße durch Cabinda fahren und auch nicht die Brücke über den Kongofluss nutzen, sondern müssen zurück durch die „Grüne Hölle“. Mindest eine Woche werden wir durch den Dschungel für die 600 Kilometer bis Brazzaville brauchen, dann die Fähre nach Kinshasa und noch mal 250 Kilometer durch Ex-Zaire nach Matadi. Und wenn es dort kein Visum gibt, daran wollen wir gar nicht denken.
Point Noire macht seinem Namen wirklich alle Ehre.
Unsere Gemütslage ändert sich am Abend schlagartig. Wir werden von zwei Deutschen angesprochen, die hier mit ihrem VW-Bus gestrandet sind. Motorschaden. Zudem ist ihre Reisekasse nicht so richtig prall und so arbeiten sie immer wieder unterwegs, z.B. zwei Jahre in Point Noire. Wir werden zum Essen eingeladen und erfahren, dass es in Point Noire schon lange kein Visum mehr gibt und auch schon lange keine Touristen mehr hier her kommen. Aber in Matadi hat bisher jeder ein Transitvisum für Angola bekommen. Ein Lichtblick im schwarzen Punkt. Am nächsten Tag können wir im Büro von Heiko die schnelle Internetverbindung nutzen und am Abend geht’s es in ein tolles Restaurant und zum Sundowner in eines der Edelrestaurants an der Strandpromenade, in denen fast nur Amerikaner und Europäer verkehren, die auf den Ölbohrinseln oder als Manager für ausländische Konzerne arbeiten und über ordentlich Geld verfügen.
Die Piste nach Brazzaville wird kaum befahren. Die wenigen Autos hängen in den Schlammlöchern fest und unsere Winde kommt wieder zum Einsatz. Unser Deutz baggert sich durch den Schlamm als hätte er sich schon lange darauf gefreut.

Vier Tage später, 26.02.2008, Nachmittags gegen 15 Uhr, 35 Kilometer vor Brazzaville. Wir stoßen auf einen chinesischen Bautrupp, der hier die Piste zu einer wahren Autobahn ausbaut. Hinweisschilder dazu sahen wir schon in Point Noire. Die paar Hansels, die hier bauen, kriegen die Autobahn nie fertig. Warum man nicht erst mal nur eine Spur teert, damit der ohnehin kaum vorhandene Verkehr nicht ewig im Schlamm steckt, bleibt das Geheimnis kongolesischer Planung. Später erfahren wir, die Autobahn ist ein „Geschenk“ der Chinesen, wird als Entwicklungshilfe abgerechnet und im Gegenzug gab es dafür Konzessionen im Kongobecken, um Urwald zu roden. Somit haben die Chinesen kein großes Interesse an der Autobahn und die Teerdecke ist so dünn, dass sie jetzt schon Schlaglöcher aufweist.
Nach zwei Kilometer stehen wir vor einer Straßenbarriere aus alten Autoreifen und Ölfässern. Ich halte an und sehe wie aus dem Gebüsch eine Gruppe Jugendlicher zwischen 14 und 20 Jahren kommt und unser Auto umringt. Jemand will die Türe öffnen, aber Scheiben sind oben und Knöpfchen sind unten.
„Wir sind Polizisten, macht das Auto auf, wir wollen es durchsuchen.“
Die Jugendlichen haben zerlumpte Klamotten an und sind mit Macheten bewaffnet.
„Das ist eine Falle,“ meint Sabine und im selben Augenblick gebe ich Gas. Machetenhiebe treffen unseren Deutz, aber wir können fliehen.
Dann wird geschossen. Im Rückspiegel sehe ich wie weitere junge Männer auf der Straße stehen und mit Maschinengewehren auf uns anlegen. Vollbremsung. Motor aus. Puls im roten Bereich.
Neun „Polizisten“ kommen angerannt. Total aggressiv, verprügeln sofort unseren Deutz mit Macheten. Die Motorhaube kriegt ein paar Beulen ab. Sabine schreit. Auf jedem Trittbrett stehen zwei und Hämmern gegen die Scheiben. Ich wundere mich, wie stabil so eine Autoscheibe ist.
„Los aufmachen und aussteigen.“
Jetzt die Tür aufmachen? Bei der Horde Wilder?
Ich zögere. Einer nimmt sein Maschinengewehr und schießt vor unserem Deutz in den Teer, dann zielt er auf mich und wiederholt die Forderung, die Tür aufzumachen. Ich ziehe den Knopf hoch. Die Tür wird aufgerissen, ich werde aus dem Auto gezerrt und fliege auf die Straße. Verdammt hoch unser Deutz. Ich will aufstehen und da trifft mich ein Machetenschlag eines 14jährigen im Rücken (zum Glück mit der flachen Seite, sonst wäre es hier zu Ende), der den Schmerz wie ein Schlag mit einem Knüppel hat. Ich liege wieder neben meinem Vorderrad und bekomme einen Tritt in die Seite. Als ich mich umdrehe, sehe ich in die Läufe drei durchgeladenen Maschinengewehre.
„Was macht ihr hier?“
„Wir sind...“
„Halts Maul, du antwortest nur wenn wir das sagen.“
Ein einheimischer Lastwagen verringert sein Tempo und hält an. Der Fahrer spricht ein paar aggressive Worte zu dem Anführer, doch der zielt nur mit dem Gewehr auf den Fahrer und er legt den Gang ein und fährt weiter.
Ein Geländewagen kommt. Weiße. Irgendwelche Botschafter, Entwicklungshelfer, Manager, Missionare, Ärzte oder sonst was. Aber die verringern nicht mal das Tempo, gucken demonstrativ weg. In meiner Naivität dachte ich noch: „Die rufen bestimmt die Polizei und in wenigen Minuten ist der Horror vorbei, du musst nur noch ein paar Minuten überstehen.“ Meine Gedanken sind hin und her gerissen: „Das kann doch nicht sein, dass ich hier auf einer neuen chinesischen Asphaltdecke mich aus dem Genpool der Menschheit verabschiede. Die trauen sich nicht, zu schießen.“ Und dann denke ich: „Eine falsches Wort und der zieht eiskalt den Hebel durch, so sieht er also aus, der Sensenmann, wie viele wird er schon ins Jenseits befördert haben?“
Aber das mein Leben nicht wie im Film an mir vorbei läuft, ist ja ein gutes Zeichen.
Inzwischen musste Sabine unsere kompletten Dokumente aushändigen.
„Los aufstehen und zurück zu unserem Kontrollpunkt.“
Die Aggressivität nimmt langsam ab und wir verbuchen den ersten Verhandlungserfolg. Ich darf mein Auto zum Kontrollpunkt fahren und nicht einer der Rebellen. Einige bezeichnen sich jetzt als Rebellen, Andere immer noch als Polizisten.
Ich muss langsam rückwärts fahren. Einer der Rebellen sitzt neben mir und hält die Knarre an meinen Kopf, ein anderer geht vor unserem Wagen und hat ebenfalls die Waffe auf mich gerichtet. Langsam kommt der Puls aus dem roten Bereich und ich denke, die Situation lässt sich mit Geld, viel Geld regeln, vor einigen Minuten hätte ich mich nicht gewundert wenn es „Päng“ macht und für immer dunkel wird.
Bei ihrem Kontrollposten werden uns zwei Stühle gebracht. Der Eine, vielleicht der Anführer, scheint Mitleid mit Sabine zu haben und will sie trösten. Sabine hat die jetzt gute Eigenschaft, dass sie um so mehr anfängt zu heulen, je mehr man versucht, sie zu trösten.
„Wir sind Polizisten und wollen doch nur eure Pässe kontrollieren. Warum seit ihr geflohen?“
„Wir dachten ihr seid Banditen, weil ihr keine Uniformen, keine Ausweise und nichts typisch polizeiliches habt.“
„Wir sind Rebellen, aber unser Chef hat sich mit dem Präsidenten geeinigt. Wir kämpfen nicht mehr gegen die Regierung, sondern sorgen jetzt auf dieser Straße für Sicherheit.“
Später erfahren wir: Für die „Sicherheit“ wird von den Autofahrern eine Gebühr kassiert, die bei den Einheimischen je nach Fahrzeug zwischen umgerechnet 2 – 5 US-Dollar liegen kann. Touristen sind mit 50 USD dabei. Die Rebellen haben einige strategische Stellen (Zufahrt zur Hauptstadt, Zufahrt zum Hafen und Flughafen etc.) bekommen und sorgen dort für „Sicherheit“. Offiziell liest sich das so: „Die Rebellen haben ihren bewaffneten Kampf aufgegeben und werden jetzt in die Sicherheitskräfte von Polizei und Militär integriert und sozialisiert.“
Die Lage entspannt sich immer mehr, wir brauchen auch die Sicherheitsgebühr nicht zahlen, bekommen unsere Papiere zurück und einer der Rebellen fährt mit uns mit zum nächsten Kontrollposten der Rebellen in zehn Kilometer Entfernung. Auch hier wird nochmals eine Sicherheitsgebühr fällig, die uns ebenfalls erlassen wird. Wir sind ja jetzt „Freunde der Rebellen“ und werden sogar zum Essen eingeladen. Aber wir wollen nur hier weg. Aber zum Schluss frage ich, ob ich noch ein paar Bilder meiner „Freunde“ machen kann und so sind die hier gezeigten Bilder „echte Polizisten“.
Im übrigen hätte unsere Flucht nichts genutzt, den spätestens beim zweiten Check, hätte man uns bereits erwartet.

Wer einen ähnlichen Adrenalinschub in Siegen haben möchte, kann folgendes tun:
Geh einfach morgens um 5 in's Heaven.
Den Lacoste - Pullover schön akkurat über der Schulter liegend, schiebste die beiden Kuttenträger am Eingang schwungvoll beiseite, kippst die Biere der tätowierten Dickbäuche am Tresen um und bestellst bei der Halbnackten an der Bar nen Mangosaft. Und schon ist die Party im Gange.
Wenn Du die Kneipe später genauso verlässt, wie Du sie betreten hast, bekommst Du unverzüglich ein Zertifikat in „Konfliktmanagement“ von der IHK.
Vor der Hauptstadt sind noch eine Militärkontrolle und eine Polizeikontrolle zu passieren, diese sind ebenfalls korrupt, lassen uns aber nach einigem Verhandeln gegen jeweils eine der billigsten Sardinendosen fahren. Dann bleibt unser Deutz auch noch liegen, der Dieselfilter ist zu. Warum hört der Tag nicht endlich auf. Im Dunkeln erreichen wir Brazzaville. Ein freundlicher Polizist meint, wir könnten beim französischen Kulturpalast auf dem Parkplatz stehen, dieser sei stark bewacht und wir seien „absolutly safe“.
Natürlich sieht man das dort ganz anders. Zum einen möchte niemand die Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen (haben wir nie erwartet) und zum anderen sei es ohnehin verboten, auf dem Parkplatz nachts zu stehen.
Gegenüber ist das Hauptgebäude der UNICEF, wo nachts die ganzen Geländewagen parken. Der Nachtwächter erlaubt uns auf der Straße vor dem Gebäude zu stehen und gegen eine kleine „Charge“ sieht er gelegentlich nach dem Rechten.
Wir können nach der Aufregung sowieso nicht schlafen und da stört es auch nicht weiter, das er im Stundentakt mit seinem lauten Transistorradio seine Runde um unser Auto dreht. Irgendwann müssen wir dann doch eingeschlafen sein, denn Nachts um halb zwei klopft es an der Tür. Unser Wachmann: „Ich habe mir überlegt, dass mein Chef es bestimmt nicht will, dass ihr hier parkt, am besten, ihr sucht euch jetzt einen anderen Platz.“
„Ich bin ein Freund von dem Chef von UNICEF Deutschland“, lüge ich, „der ist ein guter Freund von deinem Chef und der wird morgen mit deinem Chef telefonieren. Dann wird dein Chef froh sein uns hier zu sehen, uns zum Kaffee einladen und dich loben, für deine gute Arbeit in der Nacht.“
Unser Wachmann dackelt ab und wieder können wir nicht einschlafen.
Am nächsten Morgen fahren wir in den Hafen. Auf der einzigen Zufahrtstraße sind 50 USD Sicherheitsgebühr fällig, die sich auch nach 45 Minuten verhandeln nicht um einen Dollar verringern. „Entweder du zahlst, oder du kommst nicht hier rein.“
Im Hafengelände ist die Ausreise bei Emigration, Zoll und Polizei völlig korrekt. Das Ticket gekauft und am späten Nachmittag soll die Fähre ablegen, die uns über den Kongo nach Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo bringt.
Hunderte von Rollstuhlfahrern und Blinde tümmeln sich hier. Der Grund ist einfach: Rollstuhlfahrer und Blinde dürfen die Fähre kostenlos benutzen und so sind sie die Spediteure, die auf ihrem Rollstuhl Plastiktüten und Kartons transportieren. Dabei ist der Rollstuhl so voll bepackt, dass man den Behinderten irgendwo zwischen den Warenbergen suchen muss. Aber so haben wenigstens die Behinderten ihr Einkommen und sind zudem Arbeitgeber für ein oder zwei Rollstuhl-Schieber.
Die Fähre legt ab und erreicht nach einer Stunde das andere Ufer. Über einen kleinen Steg gelangen Fußgänger und Rollstuhlfahrer an Land, dann macht das Boot längsseits fest und der Kapitän verkündet, dass die Fahrzeuge erst morgen abgeladen werden. Vielleicht ein Erpressungsversuch, ich weiß es nicht, denn wir verhandeln erst gar nicht, uns kommt es recht, die Nacht auf dem Schiff zu verbringen und morgen in aller Frühe die Einreise zu erledigen.
Es wird gestreikt. Statt um sieben kommt unser Kapitän erst um neun. Vielleicht wurde gestern auch wegen des Streik nicht abgeladen? Die Polizisten und Zöllner sind korrekt, aber bummeln aus Solidarität mit den Streikenden. Jemand im weißen Kittel vom Gesundheitsamt will uns sprechen. Unser Auto muss desinfiziert werden, das macht 100 US-Dollar. Wieder nicht endende Diskussionen und Verhandlungen. Ich habe die Schnauze voll. Die Polizei meint, wir sollten auf keinen Fall zahlen und einfach fahren, die gleiche Meinung vertritt der Zoll.
Inzwischen wimmelt es um unser Auto von weißen Kitteln. Unser „Fluchtversuch“ scheitert an der Hafenausfahrt, dort stehen andere Polizisten in dunkelblauen statt hellblauen Uniformen und diese sind vom Gesundheitsamt von unserer Flucht informiert worden und verweigern die Ausfahrt. Also wieder zurück, weiter verhandeln.
Wir hangeln uns in der Hierarchie nach oben. Uns werden Schreiben des Ministers gezeigt mit Stempel und Preislisten. Die Desinfektion der Fahrzeugreifen ist wegen der Cholera, die in Brazzaville umhergeht und die man nicht in der Hauptstadt haben will. Verständlich, aber die weißen Kittel beschränken sich auf Touristenfahrzeuge.
Wir haben schon lange keine Lust mehr und bestimmt könnte man ohne Geld zu zahlen davon kommen, aber das dauert weitere Stunden. Als wir bei 10 USD angekommen sind, willigen wir ein. Dafür bekommen wir sogar eine Quittung und eine amtliche Desinfektionsbescheinigung.
Unsere Reifen werden mit einer Mischung aus Wasser, Seife und Zitronensaft eingesprüht. Die ganze Delegation ist vertreten und ich entdecke, welche Freude es macht, andere zu schikanieren. Wir bestehen darauf, das auch die Reifenrückseite desinfiziert wird, dazu muss der Weißkittel unter das dreckige Fahrzeug kriechen. Und natürlich auch die Kotflügel innen, nicht auszudenken, wenn dort der nicht desinfizierte Straßendreck runterfällt. Der Weißkittel macht alles was ich ihm sage, sein Chef steht schließlich neben mir und nickt meine Befehle grimmig ab. Zum Schluss nimmt mich fast jeder der Weißkittel beiseite und will wissen wie viel wir gezahlt haben, wahrscheinlich wird die Beute aufgeteilt. Ich sage 30 USD.
Die Straße nach Matadi ist gut geteert. Zwar ist eine Maut zu zahlen, aber dafür kommen wir schnell voran. In Matadi übernachten wir auf dem Gelände einer Missionsstation und bekommen am nächsten Tag das Visum für Angola.
Entlang der Goldküste ist es uns zu langweilig und zuviel Asphalt für unsere MUD-Terrain Reifen. Eine Alternative ist der Regenwald.
Vom Kuhstall zum höchsten Wohnhaus der Welt, wie geht das? Ist Surfers Paradise wirklich ein Paradies für Surfer?
Wir waren zehn Tage auf Fraser Island, einem Naturschutzgebiet und Off-Road Paradies. Zeit, unser Tagebuch zu überarbeiten fanden wir auch.