Sieben Wochen, die wir im Wechsel zwischen Wilnsdorf und Köln verbrachten. Letztes Jahr hat unsere Tochter Nicole die Uni gewechselt und studiert jetzt in Köln, um mit ihrem Freund Jörg, der ebenfalls in Köln studiert, nicht nur die Wochenenden zusammen zu sein, daher ist Köln einer unserer Aufenthaltsschwerpunkte.
Ihr wundert euch, was ich mit Fußball zu tun habe, ich, der nur Beckenbauer und Sepp Meier vom Namen her kennt.
Die Geschichte ist ganz einfach: Jörg spielt Fußball.
Und so haben wir letztes Jahr erstmals ein Fußballspiel über die komplette Spielzeit live auf dem Sportplatz gesehen. Zuvor hat Jörg sich freiwillig 90 Minuten Afrikabilder ohne Murren angesehen. Ich kenn zwar immer noch keine Regel, aber Jörg kann auch Ouagadougou und Bolgatanga nicht auseinander halten, hält beides für afrikanische Tänze. Also 1:1.
Dieses Jahr erklärt Jörg mir die Zusammenhänge zwischen Europa-Pokal, Champions League und UEFA-Pokal und ich ihm die Unterschiede zwischen Vishnu, Shiwa und Brahma.
Für mich sind die Pokale alle gleich und Jörg meint, Shiwa und auch Vishnu schon mal im chinesischen Restaurant gegessen zu haben.
Inzwischen meint Jörg, ich sei Fußballtechnisch so fit, dass ich mit ins Stadion könne (nicht aufs Spielfeld, als Fan).
Donnerstag ist es soweit, es spielt Deutschland gegen Portugal und wir: Nicole, Jörg, Ina (eine Freundin von den Beiden), Sabine und ich machen uns auf den Weg in die Köln Arena zum Public Viewing.
Zuvor werden wir als Fan verkleidet und das ist auch gut so, wie sich später noch zeigen wird.
Also Fußballtrikot an, Deutschlandfahne umgehangen und das Gesicht mit schwarz, rot, goldenen Streifen getarnt.
Raus aus der Wohnung und erst mal in den REWE-Laden nebenan, Bier kaufen.

Das muss so sein, lerne ich, ein Fan ohne Bier geht gar nicht. Wir machen die Flaschen direkt im Laden auf und weiter geht’s zur U-Bahn. Hoffentlich erkennt mich keiner, am Nachmittag wie ein Penner mit der Bierflasche durch die Stadt laufen, aber die Verkleidung als Fan ist gut. Hat so ein bisschen was von Karneval.
An der U-Bahn-Station erst mal zum Kiosk oder Büdchen, wie es in Köln genannt wird, das nächste Six-Pack Kölsch. „Mit Bier in die U-Bahn, dazu noch ohne Fahrschein?“ Aber ich werde belehrt, als Fan reist man immer mit Bier und als „hardcore“-Fan fährt man schwarz. Tatsächlich, jeder in der Bahn mit einer Deutschlandfahne hat auch eine Flasche Kölsch dabei und einen Fahrschein hat wahrscheinlich nur die Dame da drüben, die aussieht als wäre sie auf dem Weg von der Bank nach Hause.
Die Bahn hält vor der Arena. Raus und rein ins nächste Büdchen. Six-Pack Kölsch. Das Spiel wird bestimmt lustig.
In die Arena dürfen keine Flaschen mitgenommen werden, also entkorken und Ex. Oberste Reihe, bester Überblick. Bier gibt’s dennoch, zwar nicht in Flaschen sondern in Pappbecher, dann reich mal fünf Becher rüber.
Der 16-Jährige neben uns, säuft scheinbar zum ersten mal und schwankt bedenklich.
„Wenn du mich mit Bier beschüttest, macht mein Anwalt deinem Papa richtig Ärger“, sage ich mit ernstem Ton, aber mehr im Scherz. Er hat Respekt und setzt sich zwei Plätze weiter. Wäre gar nicht nötig gewesen, nach wenigen Minuten kippt er einfach um und liegt leblos da. Sanitäter tragen ihn von dannen.
Das Spiel geht los. Die Regel als Fan ist total einfach: Immer wenn die Weißen den Ball haben sofort aufspringen, klatschen und grölen, haben die Roten den Ball, hinsetzen und Buuh rufen. Wenn zwischendrin Zeit ist, Bier trinken und für Nachschub sorgen. Ich lerne neue Namen wie Schweinsteiger und Podolski. Sepp Meier ist in Form, hält (fast) jeden Ball und so kommt’s wie’s kommen sollte, die Weißen gewinnen.
Jetzt raus aus dem Stadion und sehen, dass man am Büdchen noch’n Bier kriegt für den nach Hause weg. Und vor der Arena passiert, was passieren musste. „Hey, Burkhard was machst du denn hier, wie siehst du denn aus?“ fragt Eva, die Tochter von Freunden aus Ferndorf. Dabei hätte ich gewettet, mich erkennt keiner. Zum Glück kann ich noch gerade laufen und halbwegs verständlich sprechen (hoffe ich zumindest). Peinlich. Doch Jörg beruhigt: „Als Fan muss einem gar nichts peinlich sein, solange die Mannschaft gewinnt.“
Ein paar Dinge sind zu besorgen. Karkassenflicken und 4 Schrauben M10x30, Festigkeit 12.9.
Bevor ich in Afrika rumrenne, um den richtigen Laden zu suchen, der dann doch nicht das hat was ich brauche, da kaufe ich die Dinger doch viel schneller in Deutschland. Deutschland = schnell, günstig, Top Qualität, guter Service, denke ich.
Fangen wir mit den Reifenflicken an.
Firma Reifen Weigert oder so ähnlich.
„Hallo, ich hätte gerne vier Karkassenflicken in der größten Größe und je vier Pilze in 6 und 10 mm.“
Der Mann an der Servicetheke schaut sich um, kein Kollege in der Nähe, dem er den Auftrag übertragen könnte.
„Da muss ich erst mal gucken, ob wir so was haben“, und schon ist er im Lager verschwunden. Die Zeit vergeht.
Mit einem Lächeln im Gesicht, aber leeren Händen kehrt er zurück: „Die verkaufen wir nicht, die brauchen wir nur in der Werkstatt. Bringen Sie den Reifen vorbei und wir reparieren den.“
Ich erkläre mit langer Rede, dass der Reifen in Namibia liegt.
„Da muss ich mal telefonieren.“
Kein Problem, ich hab Zeit.
„Hallo Bettina, ich muss hier was verkaufen. Ich hab hier einen Kunden, der will unbedingt Flickzeug kaufen. – Ja, hab ich ihm schon gesagt. – Nein. – Wie mach ich das? – Alles klar, tschüß.“
Er verschwindet wieder im Lager und kommt nach kurzer Zeit mit einem Karton zurück, den er intensiv absucht. „Aha“, denke ich mir, er hat die Artikelnummer gesucht.
„Ich muss noch mal telefonieren.“
„Ja, ich hab Zeit, Hauptsache ich krieg die Dinger.“
„Hallo Bettina, noch mal ich, die gibt’s nur im Karton zu 24 Stück. – Nein, haben sie nicht. – Soll ich den Artikel anlegen? – Wie mach ich das? – Nee, der ist krank, ich bin hier allein. Alles klar, tschüß.“
Zu mir gewandt: „Das geht so nicht, die gibt’s nur im Karton zu 24 Stück.“
Mein Vorschlag: „Können Sie mir nicht einfach vier Stück geben und ich ballere was in die Kaffeekasse?“ „Nee, das geht nicht, will der Chef nicht, das muss alles auf Rechnung gehen.“
Nächster Vorschlag: „Kann man nicht einfach ne Rechnung über vier Ventile ausdrucken, die ich dann bezahle und mir stattdessen vier Flicken geben?“
„Um Gottes willen, da haben wir ja das größte Chaos, dann stimmt ja gar nichts mehr.“
„War ja nur so ne Idee, in Afrika wäre das so gegangen.“
„Wir sind hier nicht in Afrika.“
„Vielleicht sagen Sie einfach was die Dinger kosten, ich bezahle und Sie machen die Rechnung in aller Ruhe, wenn ich weg bin. Meine Rechung können Sie ja dann in den Müll werfen.“
„Müsste gehen.“
Er tippt an seinem Computer.
„Ich muss noch mal telefonieren.“
„Kein Problem, ich hab Zeit.“
„Hallo Bettina, ja wieder ich. – Nee, das klappt nicht. – Bei mir ist kein VK angegeben, da steht nur der EK. – Okay, wie viel tu ich drauf? - Soviel? – Alles klar, tschüss.“
Er gibt mir die vier Flicken: „So, das macht dann genau 60,- Euro plus Steuer, macht 71,40.“
Ich zahle und bedanke mich für die Mühe. Im Auto wird mir erst klar, dass es echte Euro waren und keine Namibische Dollar.
Entlang der Goldküste ist es uns zu langweilig und zuviel Asphalt für unsere MUD-Terrain Reifen. Eine Alternative ist der Regenwald.
Vom Kuhstall zum höchsten Wohnhaus der Welt, wie geht das? Ist Surfers Paradise wirklich ein Paradies für Surfer?
Wir waren zehn Tage auf Fraser Island, einem Naturschutzgebiet und Off-Road Paradies. Zeit, unser Tagebuch zu überarbeiten fanden wir auch.