Passo di Tremalzo - Passo Porte del Pasubio - Monte Jafferau - Colle Sommeiller - Col de Granon - Ligurische Grenzkamm-Höhenstraße
Endlich ist Sommer und die Strecken, die wir für dieses Jahr geplant haben sind schneefrei.Den Winter über haben wir in Bibliotheken gestöbert und eine Abenteuerreise in den Alpen zusammengestellt.
Durch einen Bericht in der Zeitschrift Tours sind wir auf die alten Militärstraßen aus dem 1.Weltkrieg aufmerksam geworden.
Kaum zu glauben, dass es so etwas in den Alpen geben soll und auch noch erlaubt sein soll, diese Wege zu befahren
Damals war es noch ein Geheimtipp, ohne die Möglichkeiten der Recherche im Internet, kannten nur wenige die einsamen Wege. Als sehr guter Führer erwies sich der Denzel - Alpenstraßenführer
Inzwischen sind die meisten Strecken gesperrt, teilweiser unter enormer Strafandrohung.
Damals war ein ISUZU-Van unser Reisefahrzeug, ohne Allrad, aber mit guter Bodenfreiheit und für Schotterpisten ausreichend robust.
Über Autobahn war unser erstes Ziel, der Passo di Tremalzo schnell erreicht.
Durch das Ampola- bzw. Ledrotal ging es über eine gut ausgebaute Teerstraße die nördliche Rampe hinauf. Je höher wir kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Dichter Nebel umhüllte uns. Der Asphalt endet an einem Parkplatz, der wohl zur Erschließung des Schigebietes gebaut wurde. Ab hier führt ein kleiner Schotterweg weiter bergauf.
Nach wenigen Kilometern ist der Scheiteltunnel erreicht und bei der Ausfahrt stockt einem das erste Mal der Atem. Eine gerade mal fahrzeugbreite Piste führt durch die Felslandschaft. Natürlich ohne Randsicherung und auf losem Schotter. Immer noch herrscht dichter Nebel, doch wir sind so auf die Strecke konzentriert, das wir die schöne Aussicht auf den Gardasee und das angrenzende Monte-Baldo-Gebirge sowieso nicht wahr genommen hätten. Dafür bedarf es einer zweiten Befahrung, die wir dann auch vier Jahre später durchführten.
Wir übernachteten auf einer Sandbank unterhalb des Tremalzo, entfachten ein kleines Lagerfeuer und schauten immer wieder hinauf in die Felswand, wo wir teilweise die Piste erkennen konnten.
Nächsten Tags ging es durch die Brasa-Schlucht, eine wildromantische Schlucht, die zunächst den Eindruck vermittelt, die Straße führe durch einen Tunnel, doch es ist wirklich eine Schlucht.

Hat man die Schlucht durchfahren eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf den Gardasee und die alte Handelsstadt Riva.
Nur wenige Kilometer über Teerstraße und schon nehmen wir wieder Schotter unter die Räder.
Ziel ist der Passo Porte del Pasubio. Zunächst geht es wieder in Serpentinen bergauf. Das Wetter hat sich gebessert und diesmal bekommen wir auch etwas von der umliegenden Bergwelt mit. Dafür führt der Anblick der vor uns liegenden Strecke zu weichen Knien und zittrigen Händen.


Ein Felsabrutsch verengt die Piste auf gerade mal Fahrzeugbreite, jedoch ist die Fahrzeugbreite nicht zwischen Fels und Felswand, sondern zwischen Fels und einem einige hundert Meter tiefen Abgrund. Sollen wir abbrechen ? Wir beraten kurz und beschließen, dass Sabine und Nicole die schwierigen Stücke zu Fuß gehen, so bleibt wenigstens ein Teil der Familie erhalten, sollte der Wagen abstürzen.

Der Felsabrutsch ist überstanden. Die Strecke verläuft in einem Tunnel und wieder sind einige Geröllberge zu überfahren. Glücklicherweise haben wir eine stabile Schaufel dabei und können so die Auf- und Abfahrten an den Böschungswinkel unseres Wohnmobils anpassen.
Wieder im Tal gönnen wir uns zum Abendessen eine gute Flasche Wein. Langsam legt sich das Zittern der Hände.


Doch das Adrenalin macht süchtig. Schnell sind weitere Militärstraßen recherchiert und wir fahren nach Frankreich. Immer entlang der italienisch-französischen Grenze.
Tage lang holpern wir über Schotterpisten, übernachten fast immer in Gipfelnähe oder auf dem Kamm. Nachts wird es empfindlich kalt, doch entschädigt werden wir durch grandiose Sonnenaufgänge und atemberaubende Fernblicke über die Gipfel der Bergwelt.
So richtig spannend wurde es wieder am Monte Jafferau in der Nähe von Susa. Auswaschungen und tiefe Querrinnen wären mit Allrad zu bewältigen gewesen, doch wir mussten zahlreiche Steine schleppen, und öfters Bleche legen, um unseren Camper in Richtung Gipfel zu bekommen.
Wir sind völlig allein unterwegs, keine Wanderer, keine Mountenbiker. Auf einer Höhe von 2.100 Meter ist unser Tagesziel, der Monte Pramand erreicht. Sobald die Sonne untergegangen ist, flüchten wir in die warmen Betten und beobachten Murmeltiere und einige Gemsen.

Am nächsten morgen stehen wir vor einem 850 m langem Tunnel, der durch seine Krümmung keinen freien Durchblick gewährt. Doch die dunkle Röhre ist nicht die Herausforderung, sondern der Bach der durch den Tunnel fließt. Zehn bis zwanzig Zentimeter tief ist die braune Brühe und dazwischen immer wieder tiefe Schlaglöcher, die nicht zu sehen sind. Wir tasten uns im Schritttempo durch die Röhre.
Am Ausgang stellen wir fest, dass die Trasse durch einen Erdrutsch unpassierbar geworden ist, wir wenden und fahren wieder ins Tal. Schade, soll man doch vom Gipfel in 2800 m Höhe eine prächtige Aussicht auf das Pelvoux-Massiv haben.
Ein Jahr später haben wir den Monte Jafferau noch einmal in Angriff genommen, diesmal mit einem Ford Transit. Der Tunnel war trocken und auch der Erdrutsch am Ausgang beseitigt. So entstand dieses Bild auf der Fahrt zum Gipfel:

Doch zurück zur Tour von 1990.
Gleich in der Nähe des Monte Jafferau befindet sich das Hochplateau des Colle Sommeiller, der höchste mit dem Auto zu erreichenden Punkt in den Alpen auf einer Höhe von 3050 m. Doch so einfach kommt man auch dort nicht hin. Enge Serpentinen und tiefe Querrinnen erfordern einiges Geschick, zumal die durch Hangrutschungen entstehenden Hindernisse kaum mehr weggeräumt werden.

Oben angekommen unternehmen wir eine kleine Wanderung, werden jedoch von einem Wetterumschwung überrascht und zur Rückkehr gezwungen. Nie hätte ich gedacht, dass sich innerhalb einer Stunde ein strahlend blauer Himmel in ein Schneegestöber verwandeln kann. Wir befürchten einzuschneien (im Nachhinein sicherlich unbegründet) und fahren zum Übernachten auf ca. 2500 Meter Höhe zurück.
Die nächsten Tage verbringen wir in der Umgebung von Briancon. Wir übernachten mal auf dem Col de Granon, mal auf der Assietta-Kammstraße und mal im Claree-Tal.
Weiter geht es bevorzugt auf Schotterwegen in Richtung Süden. Die Ligurische-Grenzkamm-Höhenstraße soll das Abschluß-Highlight der Reise werden, bevor wir noch einige Badetage an der Cote d Azur verbringen.


DieLigurische Grenzkammstraße ist die längste und abgelegenste Militärstraße, welche Moussolini zwischen den beiden Weltkriegen an seiner Grenze hat bauen lassen.
Sie verläuft ausgehend vom Tendapass ca. 100 Kilometer durch unbesiedeltes Gebiet im Niemandsland. Dabei wechselt sie 27 die französisch-italienische Grenze, bleibt aber immer auf ca. 2000 Höhenmeter.
Die Orientierung war etwas schwierig, ist, bzw. war die Strecke nur ungenau in den Karten eingezeichnet und Hinweisschilder fehlten völlig. Unterhalten und Instandgesetzt wurde die Strecke von "Privatleuten" die Nachts ihre Güter von Italien nach Frankreich schmuggelten.
Insgesamt schrauben wir uns über 48 staubige Kehren nach oben und erreichen das ehemalige Fort Central, welches sich wie ein Adlernest vor dem felsigen Hintergrund aufbaut. Hier finden wir auch einen schönen Übernachtungsplatz mit Fernsicht. Am nächsten Tag ist das Wetter schlecht. Nebel verhindert die Fernsicht auf das Mercantour-Massiv und Nieselregen setzt ein. Wir erkunden das alte Fort Tabourde und bunkern an einer Quelle Frischwasser. Mittags bessert sich das Wetter, die Strecke jedoch nicht. Etwas Geschick erfordern zwei kleine, durch Rutschungen entstandene Engstellen, die vorsichtig umfahren werden müssen.
Am späten Nachmittag sehen wir in der Ferne das Meer. Über asphaltierte Serpentinen verlieren wir schnell an Höhe und die Tachonadel steigt wieder in Richtung 80km/h.
Unser Abendessen können wir am Strand zubereiten und bei Mondschein den Staub auf unserer Haut im Meer abspülen.

Und wer schon mal in Südfrankreich ist, sollte die Fahrt durch die Dalus-Schlucht nicht versäumen. Eine kleine Brücke läßt nochmal die Adern pochen.

Unsere Planungen für die nächste Reise stehen fest. Es geht für sechs Monate nach Marokko, wo wir einige Projekte mit einem Freund umsetzen möchten.
Unsere neue Abenteuer DVD Kapstadt - Kairo ist fertig und ist ab sofort in unserem Shop zu haben.
FÜr die paar Tage in Syrien lohnt es sich nicht einen ganzen Bericht zu schreiben, aber der gespielte Witz zum Schluss ist schon eine Anmerkung wert