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Pistenkuh · Sabine und Burkhard Koch

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Angola 

Das begehrte Visum ist in der Tasche. Wir haben es innerhalb weniger Stunden in Matadi (D.R.Kongo) bekommen. Das Ding hat nur einen Schönheitsfehler, es ist ein Transitvisum für 5 Tage, mehr war nicht drin. Die fast 1.900 Kilometer werden in dieser Zeit nicht zu schaffen sein, denn die Infrastruktur des Landes ist durch den Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg arg zerstört.

Geschichte

Mal einen kleinen Rückblick in die jüngste Geschichte Angolas (vereinfacht dargestellt und grob skizziert), sie steht symbolisch für viele afrikanische Landesschicksale zu Zeiten des "kalten Krieges".
Die afrikanischen Länder strebten ab 1960 nach Unabhängigkeit von den Kolonialmächten. Also ging auch in Angola der Kampf um Unabhängigkeit los. Aber Angola war portugiesische Kolonie und nicht britisch oder französisch. Dies hatte einen entscheidenden Nachteil, denn die Portugiesen hatten sich hier richtig fest niedergelassen. Die Wenigsten hatten noch Kontakt zu ihrem Heimatland und viele betrachteten Angola als ihre Heimat, anders als etwa die Franzosen, die recht schnell die Koffer packten und zurück nach Frankreich gingen.

krieg angola

Ein Bürgerkrieg begann zwischen Schwarz und Weiß, der an Grausamkeit von Jahr zu Jahr zunahm. Schwarze wurden von den Weißen wie Karnickel abgeschossen und weiße Farmer von Schwarzen auf ihren Farmen überfallen und mit Macheten regelrecht geschlachtet. 14 Jahre dauerte dieser Guerillakrieg, Schwarz gegen Weiß, bis Portugal 1975 genug hatte und Angola in die Unabhängigkeit entließ. Doch statt Friede, Freude, Wiederaufbau und Wohlstand ging das Schlachten weiter, jetzt Schwarz gegen Schwarz. Zwei große Gruppen, die im Süden des Landes operierende UNITA und die nördliche MPLA stritten sich, wer den nun die Weißen besiegt hat und damit die Führung des Landes übernimmt. Die links, kommunistisch orientierte MPLA bat ihre Brüder um Hilfe und Kuba schickte 50.000 Soldaten. Die Sowjets lieferten die Waffen. Das konnte Amerika sich natürlich nicht gefallen lassen, denn immerhin hat Angola reiche Ölvorkommen und die Amerikaner haben Ölförderrechte, die in Gefahr kommen könnten, würde Angola kommunistisch. Also wurde die UNITA von USA mit Waffen versorgt und die Südafrikaner stellten die Soldaten. Das der Führer der UNITA ebenso kommunistische Gedanken hegte und bei den Maoisten in China ausgebildet wurde und dort natürlich auch sein Hirn waschen lies, war egal, Hauptsache Flagge zeigen.
Die Infrastruktur des Landes verfiel, 1/3 der Bewohner flüchteten, Landminen wurden verlegt, nicht nur an strategischen Punkten, sondern auch auf Äckern und Weiden.
Damit die amerikanischen Ölplattformen weiter fördern konnten und die Ölinfrastruktur nicht angegriffen wurde, engagierten die Amerikaner kubanische Sicherheitsfirmen. 

panzer angola 

Der Ostblock löste sich auf und die Supermächte diktierten 1991 der UNITA und der MPLA einen Friedensvertrag. Der Vertrag war umfassend, ging sogar soweit, dass Südafrika Namibia in die Unabhängigkeit entlassen musste und die MPLA sich von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft wandelte. Freie Wahlen sollten abgehalten werden.
Bei den Wahlen siegte die MPLA, was dazu führte, dass die UNITA die Wahl als gefälscht bezeichnete, den Friedensvertrag aufkündigte und wieder Krieg im Untergrund gegen die, jetzige Regierungspartei, MPLA führte. (Die internationalen Wahlbeobachter sagten, die Wahl sei fair verlaufen). Bill Clinton löste Roland Reagen ab, der bis zu letzt die UNITA unterstützte. Ab da unterstützte die USA die MPLA, kaufte alte Kampflugzeuge und Panzer bei den Russen auf und lieferte sie als Entwicklungs- und Militärhilfe an die MPLA.
Von 1991 bis 2002 wurden ständig Friedensverträge geschlossen und teilweise nach Stunden gebrochen. Als nach dem Tod des UNITA-Anführers die UNITA sich selbst auflöste, die Rebellen eine Amnestie versprochen bekamen und in die Armee und Polizeikräfte integriert wurden und somit 41 Jahre Krieg zu Ende gingen, gab es kaum noch einen Einwohner Angolas, der wusste, was Frieden ist.
Seid 2004 ist es möglich, wenn auch schwierig, das Land zu bereisen. Touristische Infrastruktur kann man natürlich keine erwarten.

So, jetzt aber mal den Gang rein und über die Grenze.

piste angolaDie Abfertigung ist freundlich und korrekt, genau wie die Polizei im Land. Die Bevölkerung ist arm, aber freut sich uns zu sehen. Endlich Ausländer, die nicht in Uniformen und mit Gewehren kommen. Die Straße von Matadi über Mepala und Tomboco nach N'zeto ist praktisch nicht vorhanden, zumindest sollte man es nicht Straße nennen. 150 Kilometer, mehr ist am Tag  kaum zu schaffen, vielleicht mehr mit einem Landcruiser. Schlammige Passagen mit Flussdurchfahrten wechseln sich mit Wellblech, Felsstufen und manchmal auch ganz gut zu fahrenden Stücken ab. Verkehr ist nicht vorhanden. (1 Auto in drei Tagen).
piste angolaDie großen Flüsse überqueren wir auf Behelfsbrücken, die Ursprüngliche liegt immer gesprengt daneben. Gelegentlich sieht man in den Ortschaften ausgebrannte Panzer stehen und Minenräumfahrzeuge der UN. Versorgungsmöglichkeiten gibt es hier keine, auch nicht mit Diesel oder Benzin, eventuell in N'zeto Diesel aus Kanister, aber gesichert erst in der Hauptstadt Luanda.

hippo angola

Luanda

Hier spürt und sieht man das Geld, welches das Öl in die Staatskasse spült. Es wird überall gebaut, große Straßenbauprojekte und doch erstickt die Stadt im Verkehrschaos. Schlimmer als eine indische Großstadt. Wir stehen über sechs Stunden im Stau, bzw. schieben uns im Schritttempo an den Müllbergen, den Slumbaracken, den edlen Restaurants mit den 500 ML's und Cayenne's davor und dem Hafen vorbei.

Es folgen 500 Kilometer gute Teerstraße, bevor wir wieder 700 Kilometern im Geländegang mit max. 40 km/h über eine endlose Baustellenpiste holpern.
Zeit, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, besteht kaum, denn wir wollen unser Transitvisum nicht unnötig überziehen. Strafen von 1.000 US-Dollar pro Person und Tag können verhängt werden. Wir haben zwar noch von niemanden gehört, dass diese Strafe auch wirklich verhängt wurde, obwohl es noch keinem gelungen ist, Angola in fünf Tagen zu durchqueren. Auch auf Besichtigungsprogramme verzichten wir.

Die Ausreise

Es war nicht zu schaffen in fünf Tagen, sieben sind's geworden. Ich schiebe unsere Pässe unter der Glasscheibe dem Emigration-Beamten hin. Zoll und Polizei hatten bisher keine Einwände, aber die haben auch nicht das Visum kontrolliert. Er blättert den Pass durch, guckt sich alle Visa in unserem Büchlein an, es dauert. Sein dickes Buch wird aus der Schublade geholt und fein säuberlich werden unsere Daten aufgenommen. Die Spalte "Visum" wird von mir mit Spannung erwartet. Er trägt eine 5 ein und macht dahinter eine 7 in Klammern. Er hat die Überziehung bemerkt, sagt dazu kein Wort, gibt mir die Pässe zurück und verabschiedet sich freundlich. Keine Rede von Strafe oder Geschenkforderungen etc.

Unterm Strich: Angola, jederzeit wieder, nicht nur wegen des Dieselpreises von 26 Eurocent.

haus angola

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